Bild: bento

Es dauert heutzutage nur noch wenige Minuten, bis sich die Nachricht von einem Terroranschlag verbreitet. Bis die schrecklichen Meldungen es zu uns geschafft haben, in unsere Büros, in unsere Wohnzimmer, in unsere Köpfe. Und bei jedem Anschlag beginnt eine herzzereißende Abfolge der Nachrichten: Wer ist der Täter? Wer sind die Toten? Wie viele sind es? Was ist das Motiv? 

Es gibt Menschen, die sich diesem Strom an schlechten Nachrichten entziehen, der manchmal über uns hereinbricht.

Wie Lisa*. Sie studiert seit zwei Jahren Ethnologie. Die 23-Jährige schaltet bei der ersten Terror-Eilmeldung ihr Handy aus.

Warum, hat sie uns hier erzählt.
Die Meldung blinkte am frühen Abend auf meinem Handy auf:
"Auto rast in Barcelona in Menschenmenge."

Ich saß in der Straßenbahn, auf dem Weg nach Hause. Heute Abend stand nur noch Kochen mit zwei Mitbewohnern an, vielleicht noch ein bisschen Netflix. Ich musste für niemanden mehr erreichbar sein.

Also schaltete ich mein Handy aus.

Ich gehe bei Terroranschlägen offline.

Nicht aus Mangel an Interesse oder Ignoranz.

Ich ertrage es einfach nicht, alle fünfzehn Minuten eine Push-Nachricht zu erhalten, in der die Zahl der Toten erneut nach oben korrigiert wird. Es quält mich, durch meinen Facebook-Feed zu scrollen und Augenzeugen fassungslos und Angehörige weinen zu sehen. Jeder zweite Post ein Live-Video mit Polizei- und Einsatzwagen im Hintergrund.

Nach dem Terroranschlag in London habe ich aus Versehen unverpixelte Bilder von Opfern auf Facebook gesehen. Ich sah da Menschen, die überfahren wurden und die wenige Momente zuvor gestorben waren, ganz nah. Da habe ich es das erste Mal gemacht: Das Handy ausschalten, um mich für zehn, zwölf Stunden von der Welt da draußen abzukapseln.


Ich weiß, das ist ein Luxus, den die Menschen vor Ort nicht haben. Aber ich mache das nicht aus Zynismus, sondern um mich zu schützen – vor drastischen Bildern, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, vor falschen Fakten und einer um sich greifenden Traurigkeit, die mich nachts nicht schlafen lässt.

Das beklemmende Gefühl kommt aber nicht allein von der traurigen Nachricht, dass wieder Menschen sinnlos gestorben sind oder verletzt wurden. Die Ungewissheit, was tatsächlich geschehen ist und wie oft so etwas noch passieren muss, lähmt mich.

Wie bei keiner anderen Sorte von Hiobsbotschaften habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Und gerade deshalb nutze ich den einen Schalter, den ich kontrollieren kann: Die Off-Taste am Smartphone.

Sonst schalte ich es selten aus. Vielleicht einmal pro Woche. Es ist also wirklich eine Ausnahme.

Dass viele das nicht verstehen können, sehe ich ein. "Nah-dran-sein" und in Echtzeit miterleben gehören zu unserer Zeit dazu. Gerade weil das Smartphone ein fast nicht wegdenkbarer Teil von uns ist.

Im Durchschnitt lese ich zweimal pro Tag die Nachrichten in einer App. Würde ich aber einmal anfangen, die Artikel zum Anschlag in Barcelona zu verfolgen, könnte ich wohl nicht mehr aufhören.

Genauso war es nämlich, bevor ich die Bilder von der Westminster Bridge gesehen habe.

Für mich ist das ein Sumpf der Fassungslosigkeit und Traurigkeit.

Und ich habe für mich beschlossen: Da muss ich mich nicht wieder reinstürzen.

Mein Offline-Sein hat deshalb auch nichts mit Desinteresse zu tun. Ich finde, viele sollten sich fragen, ob die direkte Berichterstattung im Anschluss ihr Interesse überhaupt befriedigt. Denn eine Information, die sich ständig ändern kann, ist für mich nicht viel wert. 

Mir reicht es, wenn ich am darauffolgenden Tag, sobald die Lage überschaubar ist, mich mit den Geschehnissen beschäftige. Es tut gut, mich im Moment eines Anschlags zurückzunehmen und nicht gleich mit in Hysterie zu verfallen.

Dass ich damit den Terror nicht fernhalte, ist mir schon klar. Für ein paar Stunden abzuschalten, wird das Problem nicht lösen. Wenn ich am nächsten Tag Facebook checke, merke ich ja selbst, dass die Stimmung eine komplett andere ist.

Ich für meinen Teil gewinne aber so Abstand zum Geschehen. Das lässt mich am nächsten Tag angstfrei vor die Tür und quer über den Augustusplatz gehen. Abends ein Bier auf der Karli trinken, obwohl auch dort ein Auto schnell zur Waffe werden könnte.

Es ist meine Art, dem Terror keine Chance zu geben: Den Anschlag nicht meinen kompletten Alltag bestimmen zu lassen.

*Name von der Redaktion geändert.


Fühlen

Sex war eine Droge für mich

Ein Muster zu durchbrechen ist schwer. Verdammt schwer. Und da ich bisher vor allem mit emotional unzugänglichen Männern gevögelt hatte, gab es auch nach meiner Indien-Reise einen kleinen Rückschritt, bevor ich es endlich durchbrach.

Der Rückschritt hieß Connor. Der Typ, mit dem ich letztes Jahr trotz Freundin geknutscht hatte. Als ich aus Indien wieder kam, war Connors Freundin Vergangenheit – aber nicht unsere sexuelle Anziehungskraft.

Kaum hatte er mir von seinem neuen Single-Status erzählt, steckte er mir auch schon die Zunge in den Hals. Durchgeknutschte Stunden später fand ich mich auf meiner Motorhaube liegend wieder, den Surfer zwischen meinen Beinen stehend und seinen gestählten Muskelbody über mich beugend. Perfekt ausgeleuchtet vom Mond.