Bild: dpa/Fabian Sommer
Ich lachte, war traurig – und einmal wurde mir richtig übel.

Ich wohne in Köln und pendle mehrmals in der Woche zur Uni nach Bonn. Im Gegensatz zu vielen anderen liebe ich es. Klar, mich nerven hartnäckige Rucksackträger und laut telefonierende Teenies. Aber ich schätze es, dass man in kurzer Zeit mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommt.

Bei der ein oder anderen Plauderei mit meinen Sitznachbarn habe ich so einiges gelernt – vieles davon hat mir das Leben erklärt.

1.

Verbreite lieber Liebe statt schlechter Laune.

Es war Winter, ich war schlecht gelaunt, mit Weltuntergangs-Gesicht hatte ich extra meinem Rucksack auf den Platz neben mir gelegt, um zu verhindern, dass sich jemand dazu setzt. Eigentlich finde ich Menschen, die ihre Taschen auf freie Sitzplätze legen, verachtenswert. An diesem Tag war mir das egal und niemand traute sich, mich zu fragen, ob der Platz frei sei. Bis auf eine Frau. 

Sie stellte sich demonstrativ neben mich und zeigte wortlos auf meinen Rucksack. Widerwillig zog ich ihn weg, sie setzte sich hin. Dann starrte sie mich solange an, bis ich gezwungen war ein "Ich erkenne deine Existenz an“-Lächeln aufzusetzen. Plötzlich kramte sie in ihrer Tasche, zog ein Bonbon heraus und hielt es mir hin. Sie sagte: "Für Sie“. Ich war baff. Meine schlechte Laune war weg. Im Geiste schrieb ich auf meine To-Do-Liste: Das nächste Mal, wenn ich jemanden mit schlechter Laune treffe, mache ich dasselbe. Einfach so. 

Das sind die witzigsten Bahn-Ansagen, die Menschen wirklich so gehört haben:

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2.

Du siehst feiernde Engländer? Lauf!

Eine der wichtigsten Regeln, die ich beim Bahnfahren gelernt habe: Wenn du auch nur aus weiter Ferne im nächsten Waggon einen britischen Akzent hörst, renne ans andere Ende des Zuges oder setze extrem schalldichte Kopfhörer auf. Denn nur eines ist nerviger als betrunkene Menschen in der Bahn: betrunkene Engländerinnen und Engländer in der Bahn. Sie lieben Köln und eigentlich liebt Köln die Engländer. Es sei denn, sie sind in Gruppen unterwegs und beschallen die Waggons mit lautem Eurotrash. 

Der kommt entweder in mieser Qualität aus dem Smartphone oder wird A Capella vorgetragen. Diese Hymnen klingen im Gegensatz zu Fußballliedern, die gerne von deutschen Fans im Zug gesungen werden, immer ein bisschen altmodisch. Ich muss dabei oft an irische Volkslieder aus dem 17. Jahrhundert denken. Und dann wird mir übel. 

3.

Kinder haben die klügsten Einfälle. 

Zwei Kinder, beide etwa acht, unterhielten sich neben mir über Religion. Christentum blöd, Islam blöd, Judentum blöd. Sie könnten sich für keine Religion entscheiden, die sie gut fänden, sagten sie. 

Einer meinte zum anderen: "Mir egal. Ich glaub einfach an gar nichts." Sein Freund überlegte und schloss sich ihm an. Vorher legten sie noch fest, dass jeder ja an das glauben kann, woran er will. Ich gab ihnen mental ein Highfive und dachte mir: Von dieser Einstellung könnten einige Menschen dieser Welt noch etwas lernen. 

4.

Das Leben ist lang genug, um viele Fehler machen zu dürfen.

Einmal saß ich einer älteren Dame und ihrem Ehemann im Vierer gegenüber. Die Frau war elegant angezogen und im Gegensatz zu ihrem mürrischen Ehemann sehr redselig.

Es war Sommer und sehr heiß im Zug. Wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte mir, dass sie in ihrer Jugend als It-Girl stadtbekannt war, und auch wenn sie damals zu viel gefeiert, getrunken und Geld ausgegeben habe, sie nichts davon bereue. Immer wieder wiederholte sie das: Dass sie nichts in ihrem Leben bereue und es nicht verstehe, dass die jungen Leute so perfekt sein wollten. Schließlich sei das Leben lang genug, um viele Fehler machen zu dürfen. Es klang wie ein Gedicht über das Leben, mit sehr vielen Ausrufezeichen. 

5.

Zu viel Geld macht Menschen rücksichtslos.

Ich kann es mir nicht erklären, aber der Haufen Kohle, den Managertypen (Laptoptasche, kleiner Rollkoffer, dunkelblauer Anzug) in einem Monat verdienen, lässt sie offenbar denken, es sei okay, gesellschaftliche Regeln zu missachten. 

Denn eigentlich gilt: Schwangere, Kinder und Ältere genießen Spezialrechte in der Bahn. Das kann schon mal ein Platz in der ersten Klasse sein, der eigentlich für andere reserviert war. Ich habe selten ein peinlicheres Schauspiel erlebt, als wütende Geschäftsmänner, die sich darüber echauffieren in der "Holzklasse" sitzen zu müssen, weil der Pöbel auf ihren Plätzen sitzt. 

6.

Du bist nur so alt, wie du dich fühlst. 

Eine Gruppe von Erstis stand im Kreis vor den Türen und unterhielt sich angeregt über einen Dozenten. Ein älterer Mann mit Jutebeutel über der Schulter stand neben ihnen, lachte zwischendurch, nickte zustimmend. Bis ihn einer der Erstis ansprach, und fragte, ob nächste Woche ebenfalls zum Tutorium käme. 

In dem Moment realisierte ich, dass der alte Mann um die 70 ihr Kommilitone war. Anders als die üblichen Gasthörerinnen und Gasthörer in der Uni in seinem Alter, schien er ins Unileben integriert zu sein. Dass ihn und seine Kommilitonen 50 Jahre trennten, war weder für ihn noch für die anderen ein Problem. An einer Haltestelle, die an einer Partymeile liegt, stiegen alle aus. Ich wurde plötzlich gelassen und beschloss, in 40 Jahren nochmal Philosophie zu studieren.


Grün

Endlich: Die EU hat gerade einstimmig Schadstoffe verboten, die Bienen töten
Das Gesetz war jahrelang in Arbeit.

Es ist eine wichtige Entscheidung im Kampf gegen das Bienensterben: Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben gerade dafür gestimmt, den Einsatz bienenschädlicher Insektizide europaweit zu verbieten. (Tagesschau/Inhabitat)

Bisher wurden die Schadstoffe auf Äckern eingesetzt, nun soll damit Schluss sein.