Wie gehen Menschen mit ihrer Asexualität um?

Asexuelle haben einfach keine Lust. Manche meiden jeden Körperkontakt, andere lieben es, mit ihrem Partner zu kuscheln und sich zu küssen. Bei manchen kommt die Lust irgendwann zurück, bei anderen nicht.

Außenstehende bezweifeln manchmal, dass Asexualität überhaupt existiert. Man habe bislang einfach noch keinen richtig guten Sex gehabt, heißt es dann.

Kürzlich haben wir über Asexualität berichtet. Die Resonanz auf den Artikel war enorm, einige Leser meldeten sich, um ihre Geschichte zu erzählen, um aufzuklären, was Asexualität ausmacht.

Hier berichten fünf Menschen, was Asexualität für sie bedeutet und wie sie in ihrer Beziehung damit umgehen.

Luise, 19, aus Bochum, Auszubildende

Vergangenen Sommer habe ich herausgefunden, dass ich asexuell bin. Ich hatte einen Typen kennengelernt, der ziemlich schnell Sex wollte. Dabei habe ich mich extrem unwohl gefühlt. Alles was mit Sex zu tun hatte, war mir total unangenehm.

Deswegen habe ich mich bei einer Freundin ausgeheult. Das höre sich sehr nach Asexualität an, sagt sie. Bis dahin hatte ich davon nichts gehört. Aber in den Erfahrungsberichten im Internet habe ich mich schnell wiedergefunden.

Ich finde Menschen zwar schön, aber genauso finde ich Landschaften schön. Da gibt es für mich keinen Unterschied. Ich spüre keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen, ich kann nicht sagen: Mit dem möchte ich Sex oder mit dem nicht. Auch mein Sexualtrieb ist nicht besonders stark: So alle zwei Monate merke ich, dass sich da unten etwas regt. Ich habe aber kein Bedürfnis, das mit einem Partner auszuleben, obwohl ich sehr gerne kuschle.

Richtigen Sex hatte ich noch nicht. Warum soll ich mir das auch antun? Keiner meiner bisherigen Freunde war mir so wichtig, dass ich es ihm zuliebe gemacht hätte.

Viele glauben mir nicht, dass ich asexuell bin. Ob ich mir wirklich sicher sei, fragen sie. Und ob ich nicht vielleicht einfach auf Frauen stehe. Vor allem ist es schwierig, einen Partner zu finden. Oft sagen Männer: "Das kann ich ändern, wenn du mich lässt." Aber das geht nicht. So bin ich einfach.

Arne B., 33, aus Aachen, Projektbetreuer bei einem Immobilienbüro

Das erste Mal Sex hatte ich mit 19. Wow, das soll es jetzt gewesen sein?, fragte ich mich damals. Auch später hatte ich nie Spaß am Sex. Aber ich dachte, das gehört zu einer Partnerschaft dazu.

Erst mit den Jahren habe ich gemerkt, dass ich Sex nicht brauche. Für mich ist es viel wichtiger, etwas mit meiner Partnerin zu unternehmen und sich zusammen zu entwickeln. Erst vor ungefähr drei Jahren bin ich auf den Begriff Asexualität gestoßen, damals wollte eine Frau nur unverbindlichen Sex. Sie fragte mich dann, was mit mir los sei.

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In meiner vergangenen Beziehung hatte ich keine Probleme damit, denn die Frau hatte selbst kein großes Bedürfnis nach Sex. Als Kompromiss hatten wir selten Sex, weniger als einmal im Monat. Das war für mich in Ordnung.

Eine andere Beziehung ist daran zerbrochen. Die Frau setzte mich sehr unter Druck, Sex gehöre zum Mannsein dazu, meinte sie. Das habe ich so auch schon von anderen Frauen gehört. Meine damalige Freundin versuchte auch, mich eifersüchtig zu machen. Sie flirtete mit anderen Männern, um mir zu beweisen, dass sie sexuell attraktiv ist. Ich konnte damit nicht umgehen.

(Bild: Pixabay)
Lindsay, 18, aus Luxemburg, Abiturientin

Mit 16 Jahren habe ich gemerkt, dass ich anders bin. Damals hatte ich meinen ersten Freund. Ich habe jede sexuelle Handlung vermieden. Ich habe dann eine richtige Blockade und kann die Beine nicht auseinander machen.

Danach hat es ein Jahr gedauert, bis ich mir eingestanden habe: Im Moment bin ich asexuell. Ich habe zwar einen Sexualtrieb, möchte den aber keinen Fall mit jemand anderen ausleben.

Ich habe Angst ausgelacht zu werden.

Da ich ja noch sehr jung bin, möchte ich offen bleiben für neue Erfahrungen. Vielleicht werde ich irgendwann Sex haben, vielleicht macht es mir auch irgendwann Spaß. Aber zurzeit weiß ich, dass ich Sex weder mag noch brauche.

Dabei wünsche ich mir schon eine Partnerschaft. Nur weiß ich nicht, ob lieber mit einem Mann oder mit einer Frau. Ich finde das sehr schwer zu unterscheiden, wenn eben diese sexuelle Anziehungskraft fehlt.

Eira W., 22, aus Paderborn, Lehramtsstudentin

Schon bevor ich zum ersten Mal Sex hatte, wusste ich, dass ich asexuell bin. Andere Menschen haben mich noch nie in sexueller Hinsicht interessiert. Sex ist für mich wie gemeinsam kochen. Nichts Besonderes.

Ich habe mich schon immer anders gefühlt. Vor allem wenn Freundinnen irgendwelche Typen "heiß" fanden, wusste ich gar nicht, was das bedeuten soll. Ich empfinde überhaupt keine sexuelle Anziehung. Ich finde Sex nicht ekelig, würde aber nie auf die Idee kommen, mit jemanden zu schlafen. Dabei küsse und kuschle ich total gern – aber auch nur mit meinem Freund, mit ihm bin ich jetzt seit zwei Monaten zusammen.

Manche Leute nehmen mich nicht ernst und sagen.

Wir haben uns auf einer Datingplattform kennengelernt. Dort habe ich asexuell als sexuelle Orientierung angeben, dementsprechend geht er sehr verständnisvoll damit um. Er sagt, er nimmt mich so, wie ich bin. Wobei wir schon miteinander schlafen. Ich mache, das dann für ihn und versuche, mich auf das Kuscheln und die Zweisamkeit zu konzentrieren, aber viel fühle ich nicht.

Manche Leute nehmen mich nicht ernst und sagen, ich müsste nur mit anderen Männern Sex haben. Oder ich würde mir die Asexualität nur einbilden. Das finde ich schlimm. Aber zum Glück unterstützen mich meine Freunde. Meine Schwester sagt sogar, Asexualität würde gut zu mir passen.

Doreen Reinke, 32, aus Bamberg, Verkäuferin im Einzelhandel

Mit Anfang 20 habe ich einen Fernsehbeitrag über Asexualität gesehen. Seitdem habe ich einen Namen dafür, wie ich bin. Das war ein gutes Gefühl. Ich habe überhaupt keine Libido. Körperkontakt ist für mich kein Problem, aber nur wenn ich mit der Person in einer Beziehung bin. Nur jeglichen Kontakt im Intimbereich mag ich gar nicht. Ich habe zwar keine Panik oder Angst, aber ich brauche es nicht.

Wenn er Lust hatte, dann habe ich halt mitgemacht.

Die vergangenen zwölf Jahre war ich in einer Beziehung, wir haben ein gemeinsames Kind, leben aber inzwischen getrennt. Das hatte aber nichts mit meiner Asexualität zu tun. Am Anfang dachte er das, was viele Männer denken: Er könne mich ändern, wenn er sich nur Mühe gibt. Das hat nicht geklappt. Letztendlich hat der Sex ganz gut funktioniert, weil ich mich ihm angepasst habe. Wenn er Lust hatte, dann habe ich halt mitgemacht.

Viele wissen gar nicht, was Asexualität ist und haben auf mein Outing sehr ungläubig reagiert. Da kamen so Sprüche wie: Ich hätte nur noch nicht den Richtigen gefunden oder ich solle mal zum Arzt gehen. Deswegen gehe ich mit meiner Asexualität sehr offen um, alle meine Bekannten oder Arbeitskollegen wissen davon: Es ist mir wichtig, die Menschen aufzuklären.

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