Wer will schon seine Eltern beim ersten Flirt, beim ersten Kennenlernen dabeihaben? 

Sarah und Amal wollten das. Sie haben sich ihre Partner nicht selbst ausgesucht, ihre Familien haben das für sie getan. Dabei ist wichtig: Arrangierte Ehen bedeuten nicht gleich Zwangsheirat. Amal und Sarah haben sich freiwillig dazu entschlossen. 

Die Partnerin oder den Partner auf diesem Weg kennenzulernen war zwar auch in Deutschland mal alltäglich – aber das ist lange her. In der heutigen Zeit? Wählen wir selbst unsere Partnerin oder unseren Partner.

Die beiden Frauen haben uns erzählt, wie das Kennenlernen mit dem Mann verlief, den nicht sie, sondern ihre Familien für sie aussuchten – und wie sie sich in ihre Partner verliebten. Sarah und Amals Ehemänner wollten leider nicht mit bento sprechen, waren aber einverstanden, dass ihre Partnerinnen uns von ihren arrangierten Ehen erzählen.

Sarah ist 24 und Krankenschwester. Momentan ist sie im Mutterschaftsurlaub. Ihr Mann ist 33 und arbeitet im Vertrieb. Das Ehepaar lebt mit einem kleinen Sohn in der Nähe von Karlsruhe.


Als ich meinen Ehemann kennenlernte, war ich 20, er 29. Meine Schwester hatte sich damals verlobt und sollte demnächst heiraten. Ihr damaliger Verlobter und heutiger Mann hatte einen Freund, von dem er fand, dass er und ich sehr gut zusammenpassen würden. Er ist Muslim, wohnte in der Nähe und stammt ebenfalls ursprünglich aus Marokko – das war meinen Eltern sehr wichtig. 

Der Verlobte meiner Schwester wollte, dass wir uns auf der anstehenden Hochzeit kennenlernen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon einmal verlobt gewesen mit einem Mann, den ich selbst kennengelernt hatte. Es hatte nicht geklappt, wir hatten uns getrennt.

Deshalb war ich zu dem Zeitpunkt sehr vorsichtig, was die Partnerwahl betraf. Meine Schwester und ihr Mann überredeten mich aber. Ich traf meinen zukünftigen Ehemann also das erste Mal auf der Hochzeit meiner Schwester.


Wir redeten kaum an dem Tag, aber tauschten Handynummern aus und trafen uns danach. Uns war von Anfang an klar: Wenn es funktioniert, heiraten wir. Die Hochzeit stand immer im Mittelpunkt. 

Ich wollte das Kennenlernen aber nicht überstürzen und es langsam angehen – auch weil meine Beziehung davor gescheitert war. 

Ich fand es wichtig, dass ich mich nicht direkt in ihn verliebe.

Ich wollte erst schauen, ob es überhaupt klappt. 


In der Kennenlernphase trafen wir uns oft bei meiner Schwester oder in der Stadt in einem Café. Wir redeten sehr viel über die Familie, über unsere Vorstellungen und über andere Themen, die uns wichtig waren. Unsere arrangierte Ehe hatte den Vorteil, dass wir das alles nüchterner, ohne rosa-rote Brille besprechen konnten, das Verliebtsein kam ja erst wesentlich später. 

Bild: Unsplash/rawpixel
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Ich dachte bei unseren Gesprächen immer zuerst an mich und an meine Prinzipien und machte ihm das auch klar.

Arrangiert zu heiraten war immer eine Alternative für mich, obwohl ich meinen ersten Verlobten selber kennengelernt hatte. In meinem Umfeld gibt es beides: arrangierte und selbst gefundene Partnerschaften. 

Nach etwa sechs Monaten vertraute ich ihm und war zuversichtlich, was unsere Zukunft anging. Mit diesem Gefühl begann dann auch das Kribbeln im Bauch – ich hatte mich in ihn verliebt.


Mein Mann ist zwar Marokkaner, wie meine Eltern es sich gewünscht hatten, aber auch wenn er es nicht gewesen wäre, wäre das für mich nicht schlimm gewesen. Meine Eltern wissen auch, dass ich da anders denke als sie, sie akzeptieren das. Die Entscheidung für oder gegen eine Ehe lag immer bei mir und meinem Partner. 

Zwei Jahre nach dem ersten Kennenlernen heirateten wir. Heute haben wir einen gemeinsamen Sohn. Ich bin wirklich froh, dass alles so gekommen ist und ich ihn auf dem Weg kennengelernt habe. Ich würde es genauso wieder machen.



Amal ist 23 und studiert in Bochum. Ihr Mann ist 31 und ebenfalls Student.


Meinen Mann lernte ich über eine eine befreundete Familie kennen, die in einer Moscheegemeinde mit meinem Mann war. Diese "Vermittler-"Familie war dafür bekannt, dass sie junge Männer und Frauen miteinander verkuppelte. Mein Mann kam vor etwa acht Jahren nach Deutschland fürs Studium und hatte sich an diese Familie gewandt, als er heiraten wollte. 

Die Familie kannte mich schon, seit ich klein war, und schlug mich ihm vor. So kam es zum ersten Treffen. Mein Mann und die "Vermittler"-Familie kamen zu uns nach Hause. Später habe ich erfahren, dass er mich wohl schon kannte und wusste, wie ich aussehe. Ich hingegen sah ihn das erste Mal bei diesem Treffen. 

Mir war wichtig, dass der erste Eindruck gut war und dass er vor allem optisch zu mir passte.

Wir sprachen beim ersten Treffen sowieso kaum miteinander und konnten quasi nur auf das Aussehen achten. Da das passte, stimmte ich einem weiteren Treffen zu, wo wir uns dann näher kennenlernten – und uns danach öfter trafen. 


Wir hatten mehrere arrangierte Treffen: Mal bei meinen Eltern, bei der "Vermittler"-Familie oder bei anderen Freunden der Familie. Wir haben viel bei diesen Treffen gesprochen. Ich hatte mir vorher schon Fragen überlegt, zum Beispiel, was er sich für die Zukunft vorstellt, was er in der Freizeit macht und was er darüber denkt, dass Frauen arbeiten. 

Ich achtete sehr darauf, wie er spricht, und wollte erfahren, wie er drauf ist und was er denkt. Man kann einen Menschen nicht nur durch Gespräche kennenlernen, man muss auch mit ihm zusammenleben. Das war mir klar, aber ich hatte dennoch das Gefühl, ihn auf dem Weg gut kennenzulernen. 


Wir trafen uns auch nicht nur bei meinen Eltern. Man benimmt sich bei den Eltern anders, als wenn man alleine ist. Wir versuchten, uns zu benehmen und einen guten Eindruck zu hinterlassen. Deshalb sahen wir uns auch ab und zu in der Uni. So lernten wir uns noch auf andere Art und Weise kennen – ohne Eltern eben. 

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Meine Eltern fanden das zwar nicht so toll. Sie wollten, dass wir uns treffen, wenn sie dabei sind. Aber wir haben es trotzdem getan.


Natürlich stand im Raum, dass, wenn es klappen sollte, wir heiraten und zusammenleben werden. Meine Eltern fragten mich immer wieder, ob ich das denn wirklich wolle und ob ich damit einverstanden sei. Sie sagten, dass wir zwar eine Familie seien, aber dass ich im Endeffekt mit ihm zusammenleben würde und ich mir das gut überlegen solle. 


Für mich war es sehr wichtig, auch wenn es arrangiert war, dass ich mich in ihn verliebe. Nicht erst in ein paar Monaten, sondern direkt von Anfang. Ich finde, Liebe gehört einfach dazu. Dieser Funke war zwischen uns von Anfang an da, wir waren in den Gesprächen auf derselben Wellenlänge.



Eineinhalb Jahre nach dem ersten Kennenlernen heirateten wir. Heute sind wir sehr glücklich. Klar, wir streiten auch mal. Aber ich glaube, das ist normal und passiert auch in nicht arrangierten Ehen. 

Aus der anfänglichen Verliebtheit ist mit der Zeit Liebe geworden. Mit der Ehe lernten wir uns noch mal auf eine andere Art und Weise kennen und mittlerweile merke ich – wir sind auch noch ein richtig gutes Team.

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Gerechtigkeit

Diesen Spruch zum 9. November hätte sich Dieter Nuhr lieber sparen sollen
In den sozialen Netzwerken wird er dafür zu Recht kritisiert.

Eigentlich ist Dieter Nuhr "nuhr" für ziemlich schlechte Wortspiele bekannt. Bei der Promo für seine neue Sendung in der ARD hätte er aber lieber bei den Wortspielen bleiben sollen, denn für einen Werbespot gibt es nun berechtigte Kritik.

Was ist passiert?

Am Montagabend strahlte die ARD einen Clip aus. Dieter Nuhr sagt darin: 

"Man sagt ja immer, der 9. November sei ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte, aber eigentlich ist der wichtigere Tag der 8. November, denn da kommt wieder ’Nuhr im Ersten’."