Bild: dpa

Eigentlich ging es an diesem Abend weder um Ariana Grande, noch um Bischof Charles H. Ellis III. Es ging um die kürzlich verstorbene "Queen of Soul", Aretha Franklin, für die in Detroit eine Trauerfeier abgehalten wurde.

Doch über Franklin wurde im Nachgang eher weniger gesprochen – stattdessen über ein angeblich zu kurzes Kleid, einen rassistischen Witz und eine öffentliche Grapscherei. 

Was ist passiert?

Ariana Grande war Teil der Trauerfeier, weil sie Aretha Franklins "A Natural Woman" sang. Als Bischof Ellis sie kurz darauf zu sich ans Podium bittet, um ihr für den Auftritt zu danken, scherzt er, beim Blick auf das Programm habe er zunächst gedacht, "Ariana Grande" sei der Name eines neuen "Taco Bell"-Gerichts, also mexikanisches Fast Food. 

Ein plumper, rassistisch angehauchter Witz, über den sich kurz darauf sehr viele Menschen beschweren und für den sich Ellis später auch entschuldigt.

Doch während der Unterhaltung passierte noch etwas anderes. Hast du es bemerkt?

Was ist das Problem?

Während Bischof Ellis den Arm um Grande legt, liegen seine Fingerspitzen auf ihrer rechten Brust. Auf Twitter posteten mehrere Menschen Videos von dem fragwürdigen Moment:

Seine Finger bewegen sich, greifen immer wieder nach, arbeiten sich leicht nach vorne. 

Grande steht währenddessen steif da, lehnt sich von ihm weg, lacht nervös. Als sie sich nach seinem Witz vorbeugt, landet die Hand des Bischofs noch etwas weiter auf ihrer Brust.

War das Absicht?

In einem Interview mit AP entschuldigte sich der Bischof später für die Berührung und sagte, es sei nicht seine Absicht gewesen "die Brust irgeneiner Frau zu berühren". Er habe alle Künstler umarmt, männlich und weiblich. Darum ginge es in seiner Kirche: um Liebe.

Schöne Worte. Liebe also. 

Vielleicht ist es wirklich so. Vielleicht war es tatsächlich ein blödes Versehen. Doch jeder Frau, die schon einmal ungewollt begrapscht wurde, kommt beim Ansehen dieses Videos die Galle hoch. 

Denn – Überraschung – der Move ist nicht neu!

Das scheinbar unauffällige Wandern der Finger, ganz nebenbei, ein wenig nachfassen, alles aus den Bewegungen der beiden Körper heraus. Huch, wie konnte das passieren, war doch alles unschuldig!

Entsprechend empört sind viele Reaktionen auf Twitter. "New York Times"-Autorin Maggie Astor schrieb, sie könne beim Ansehen der Szene weinen – weil der Bischof offenbar das Gefühl habe, so etwas selbst vor laufenden Kameras und einer vollen Kirche tun zu können. Sie schreibt: "Ein Jahr nach MeToo. Wir sind so weit gekommen und doch fühlt es sich an, als hätten wir nichts erreicht."

Andere fragen sich, was wohl ganz ohne Zuschauer und Kameras geschehen würde:

Wie hat Ariana Grande reagiert?

Ihr Management hat sich bisher nicht zu der Situation geäußert. Das machten ihr – ebenfalls auf Twitter – auch viele Menschen zum Vorwurf. Warum habe sie in der Situation nichts getan? Und warum nicht wenigstens hinterher etwas gesagt?

Doch was hätte sie in dem Moment tun sollen? Ist es nicht eine dieser Situationen, die Frauen etwas zu sehr gewöhnt sind, die schon zu oft passiert sind? Und auch noch eine, in der man keine große Szene machen möchte, denn Tausende Menschen sehen zu – und es ist immer noch die Trauerfeier einer großen Ikone. 

Astor fasst es so zusammen:

Doch die meisten Menschen konzentrieren sich in ihren Social-Media-Kommentaren zur Szene lieber auf Ariana Grandes angeblich viel zu kurzes Kleid.

"Warum haben die Frauen nichts gesagt?" Diese Frage muss endlich aufhören:


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