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Eine Frau starb fast und verklagt nun ihren Pillenhersteller

Was manche Frauenärzte versprechen, klingt so schön: einen größeren Busen könne man durch die Einnahme der Antibabypille bekommen, eine schönere Haut mit weniger Pickeln, volleres Haar.

Doch gerade die modernen Pillen mit "Zusatznutzen" geraten immer wieder in die Kritik: Bereits 2013 verklagten mehr als 30 Frauen in den USA die Hersteller ihrer Pillen – sie beschuldigten die Konzerne, für lebensgefährliche Schäden wie Thrombosen (Blutgerinnsel) verantwortlich zu sein (SPIEGEL ONLINE).

In Deutschland klagt gerade eine junge Frau vor einem Landgericht in Baden-Württemberg: 2009 erlitt die damals 25-Jährige eine Lungenembolie, sie hatte einen Herzstillstand, war klinisch tot. Sie nahm die Pille "Yasminelle" ein – nun zählt sie zu den ersten Menschen in Deutschland, die wegen gefährlicher Nebenwirkungen der Pille eine Klage eingereicht haben.

Felicitas Rohrer klagt gegen Bayer.(Bild: dpa / Patrick Seeger)

Rohrers Vorwurf: Der Konzern Bayer habe nicht ausreichend vor dem Risiko eines Blutgerinnsels, das zu ihrer Lungenembolie geführt habe, gewarnt. Ob die Antibabypille tatsächlich die Ursache für die lebensgefährliche Erkrankung war, ist allerdings ungewiss und lässt sich nicht direkt nachweisen (SPIEGEL ONLINE).

Fest steht aber, dass "Yasminelle" und auch andere Präparate das Risiko für lebensbedrohliche Blutgerinnsel erhöhen, wenn auch nur gering. Die Blutgerinnsel können auf ihrem Weg durch den Körper wichtige Gefäße verstopfen und zum Beispiel die Blutversorgung der Lunge kappen.

Bei welchen Pillen aber ist das Risiko, ein Blutgerinnsel zu bekommen, erhöht? Welche Pillen können gefährlich sein?

Aufschluss darüber gibt der Pillenreport, den Forscher in diesem Jahr im Auftrag der Techniker Krankenkasse durchführten. Ein 2014 veröffentlichter Rote-Hand-Brief des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte nennt außerdem Zahlen zu geschätzten Thrombosefällen pro Jahr.

Risiko tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien bei Einnahme der meistverkauften Pillen mit folgenden Gestagenen (kombiniert mit Östrogen).


1. LEVONORGESTREL (5 bis 7 geschätzte Fälle pro 10.000 Frauen pro Jahr):


Evaluna, Minisiston, Minisiston 20, Leona-Hexal, Asumate, Swingo, Leios, Trigoa, Femigoa, Femigyne, Microgynon, Levomin, Leanova AL, Femikadin, Illina

2. DROSPIRENON (9 bis 12 geschätzte Fälle pro 10.000 Frauen pro Jahr):

Maitalon, Aida, Yaz, Yasminelle, Yasmin

3. DESOGESTREL (9 bis 12 geschätzte Fälle pro 10.000 Frauen pro Jahr):

Lamuna, Desmin

4. CHLORMADINONACETAT (noch unklar):

Belara, Chariva, Bellissima, Chloee, Mona-Hexal, Enriqa, Minette, Lilia, Neo-Eunomin

5. DIENOGEST (noch unklar):

Maxim, Velafee, Dienovel, Valette, Mayra, Bonadea, Aristelle, Starletta Hexal

6. NORMEGESTROLACETAT (noch unklar):

Zoely

Zum Vergleich: Von 10.000 nicht-schwangeren Frauen, die keine Pille einnehmen, bekommen geschätzt zwei pro Jahr eine Thrombose.


Wenn ich eine dieser Pillen nehme: Sollte ich damit aufhören?
Nein – das sei nicht notwendig, wenn bisher keine Probleme bei der Anwendung aufgetreten seien, heißt es im Rote-Hand-Brief, mit dem Pharmaunternehmen über Risiken ihrer Arzneimittel aufklären. Der Grund: Das Blutgerinnsel-Risiko sei vor allem im ersten Jahr der Einnahme erhöht. Allerdings auch, wenn eine Frau nach einer längeren Pillenpause wieder mit der Pille verhütet.
Wie viele junge Frauen nehmen Pillen, die das Risiko erhöhen, ein Blutgerinnsel zu bekommen?

Ganz genau lässt sich das natürlich nicht sagen. Sicher ist: Von den meistverkauften Präparaten, die auch in der Liste oben aufgeführt sind, wurden 2014 insgesamt 11,5 Millionen Packungen verkauft. Für die Pharmakonzerne bedeutete das einen Umsatz von 192 Millionen Euro.

Wer muss besonders aufpassen?

Neben der Einnahme bestimmter Pillen erhöhen Rauchen, Übergewicht und wenig Bewegung das Risiko, eine Thrombose zu entwickeln. Auch genetische Faktoren, die die Blutgerinnung beeinflussen, können eine Rolle spielen.


Weiterführende Links:

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