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Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss.

"Ich trinke nie wieder Alkohol."

Das ist häufig der erste Satz, den man nach einer durchzechten Partynacht sagt. Vorausgesetzt, man kann überhaupt schon wieder sprechen. Kopfschmerzen, Probleme im Magen-Darm-Bereich, Schwindel – das überschwängliche Gefühl beim Feiern hat sich ins Gegenteil verkehrt. Kater. Sollte man nicht doch besser zum Arzt?

Das muss alles nicht sein, versprechen zumindest Anbieter von Anti-Kater-Mitteln. Man bekommt sie ohne Rezept in Drogerien. Sie heißen Katerfly oder Hang & Over. Auf der Verpackung jubeln Konzertbesucher. So sieht bestimmt kein Kater aus.

Was bringen diese Pulver? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Christian Prinz ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Helios Universitätsklinikum in Wuppertal. 

Was tun diese angeblichen Wunder-Mittelchen?

Sie haben vor allem eine Funktion: Dem Flüssigkeitsmangel entgegenzuwirken, der durch Alkoholkonsum entsteht.

Alkohol hemmt die Freisetzung des Hormons Vasopressin, was eine vermehrte Wasserausscheidung zur Folge hat. Wer viel Bier, Wein und Co. trinkt, muss häufig auf die Toilette. Oder sich eben im schlimmsten Fall übergeben.

Der Mangel führt zu Nachdurst und Kopfschmerzen. Man muss sich das so vorstellen: Unsere Körper- und Gehirnzellen werden geschrumpft. Genau das wollen die Mittel bekämpfen.

Was steckt drin?

Diese Anti-Katermittel beinhalten natürliche Substanzen wie Vitamine oder Mineralien. Es sind daher keine klassischen Medikamente sondern eher Nahrungsergänzungsmittel, gerade die wichtigen Vitamine wie B6 und B12. Diese sollen gegen Müdigkeit helfen. 

Zink dient der Stärkung der Reparaturmoleküle im Körper und Cholin stärkt die Übertragung zwischen Nerv- und Muskel, als Vorstufe für den wichtigen Botenstoff Acetylcholin.

Die Mittel kosten bis zu vier Euro. Geht es günstiger?

Im Grunde kann man schon während des Alkoholkonsums gegen den Kater ankämpfen: Wer eine Flasche Wein trinkt, sollte in etwa auch eine Flasche Wasser dazu trinken, um den Flüssigkeitsverlust zu vermeiden.

Ein weiteres Hausmittel, das zum Beispiel bei Asiaten beliebt ist: Bierhefe. Vielen Asiaten fehlt oder mangelt es an einem Enzym, das am Abbau des Alkohols mitwirkt. Es heißt Acetaldehyd-Dehydrogenase, kurz: ALDH.

Die Betroffenen greifen häufig auf die Hefe zurück, die dafür sorgt, dass der Alkohol im Darm vergoren wird. Sie blockiert die Alkoholaufnahme. Meist steht Bierhefe in der Drogerie bei Kosmetika, sie hilft nämlich auch, um Nägel zu stärken.

Wie lange dauert es, bis der Körper Alkohol abbaut?

Alkohol wird vom Körper zwar schnell aufgenommen, aber nur langsam abgebaut. Ein 80 Kilogramm schwerer Mann benötigt etwa zweieinhalb Stunden, um 20 Gramm Alkohol abzubauen. Das entspricht etwa einem halben Liter Bier, einem Viertelliter Wein oder drei Gläsern Schnaps.

Frauen brauchen für die gleiche Menge rund drei Stunden zum Abbauen. (SPIEGEL ONLINE)

Warum schwören einige auf Durchfallmittel wie Elotrans?

Mittel wie Elotrans haben genau den gleichen Effekt wie die Anti-Katermittel – enthalten sind ebenfalls Elektrolyte.

Gibt's Nebenwirkungen?

Im Grunde nicht, auch nicht bei regelmäßiger Anwendung am Wochenende. Selbst bei einer Überdosierung ist es schwer, sich zu vergiften. Trotzdem sollte man auf die enthaltenen Metalle wie Zink achten, die in kleinen Mengen vorkommen. 

Der Zusatz von Ginseng, das in vielen Produkten als Stärkungsmittel bei Schwäche und Erschöpfung, Müdigkeit eingesetzt wird, kann selten zu unerwünschten Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen führen und zeigt Wechselwirkungen bei Patienten unter einer laufenden Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten, zum Beispiel Markumar. 

Alkohol ist auf jeden Fall gefährlicher als diese Mittel.

Würden Sie diese Anti-Kater-Mittel empfehlen?

Ich finde die Aufmachung der Produkte etwas irreführend. Du kompensierst die Folgeschäden eines Katers damit vielleicht besser, aber Schaden fügst du deinem Körper – vor allem deiner Leber – ja trotzdem zu.

Wie fühlt man sich, wenn man die Produkte nimmt? Was macht das mit einem?

Die Krämpfe im Körper lösen sich, allerdings nicht sofort. Es dauert mindestens ein bis zwei Stunden, bis man eine Veränderung merkt. Die Substanzen müssen über unseren Darm schließlich erst einmal aufgenommen werden und die Flüssigkeit muss in den Zellen ankommen.

Nach weiteren zwei Stunden ist der Effekt noch größer. Mit einer Infusion ist das aber nicht zu vergleichen, die wirkt wesentlich schneller. Im Notfall gibt man Patienten lieber einen zwei Liter Infusions-Schuss.

Die Mittel prophylaktisch vor dem Trinken einzunehmen, bringt übrigens nichts.

Ab was für einer Menge schadet man dem Körper mit Alkohol?

Männer können täglich 24 Gramm und Frauen 12 Gramm Alkohol trinken, ohne dass Langzeitschäden zu erwarten sind – also zum Beispiel Fettleber, Leberfibrose oder Leberzirrhose. Das entspricht in etwa einem kleinen Bier bei Frauen und zwei bei Männern.

Die Leber baut den Alkohol ab – ein energetisch sehr aufwendiger Prozess. Ist die Leber geschädigt, kann sie Giftstoffe im Körper schlechter oder gar nicht mehr abbauen. Chronischer Alkolholgenuss oberhalb der Schwellenwerte kann daher zu Funktionseinschränkungen der Leber, aber auch zur Schädigung von anderen Organen führen. Der Genuss von Alkohol sollte daher maßvoll sein. 


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