"Ich war der Einzige in ihrem Kreis, der noch studiert hat."

Heidi Klum tut es, Madonna, Eva Mendes und rund 17 Prozent der verheirateten Frauen in Deutschland: Sie lieben jüngere Männer. (Faz.net)

Eigentlich müsste das keine Nachricht sein. Aber während das Beziehungsmodell "älterer Mann und jüngere Frau" weitläufig akzeptiert ist, horchen bei der umgekehrten Variante immer noch viele auf.

Als Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten gekürt wurde, löste die Beziehung zu seiner 25 Jahre älteren Frau Brigitte Macron in sozialen Netzwerken und Medien Erstaunen aus. 

Was für Komplexe hat er? Ist er ein Muttersöhnchen? Was läuft bei ihr falsch – der "Menopausen-Barbie"? (New York Times)

Und als vor Kurzem bekannt wurde, dass die 44-jährige Heidi Klum mit dem 16 Jahre jüngeren Gitarristen der Band Tokio Hotel, Tom Kaulitz, liiert ist, geisterte wieder diese Frage umher: Warum suchen sich Frauen jüngere Männer?

"Menopausen-Barbie" nannte ein Radiomoderator die Frau des französischen Präsidenten, Brigitte Macron.(Bild: dpa / Pascal Rossignol)

Ja, warum? Und vor allem: Warum nicht? Was macht das eigentlich für einen Unterschied

Wir haben diese Fragen einem Paar gestellt: Patricia ist 40, Johannes 28. Sie sind seit einem Jahr zusammen. Weil sie beide durch Jobs und politisches Engagement in der Öffentlichkeit stehen, möchten sie private Details lieber anonym teilen. Sie heißen eigentlich anders.

Mit welchen Vorurteilen müssen sie kämpfen? Welche Herausforderungen bringt der Altersunterschied mit sich? Was sagen Freunde und Familie?

Patricia, Johannes: "Er hat mich vom Hocker gehauen"(Bild: privat)

Johannes:

Patricia ist mir sofort aufgefallen. Wir haben uns beim Treffen einer politischen Bewegung kennengelernt. Als ich sah, wie sie das Gruppenfoto aufnahm, wollte ich sie direkt näher kennenlernen. Dass sie älter sein könnte, daran habe ich nicht gedacht. Sie sieht auch jünger aus, als sie ist.

Ich habe dann herumgefragt, wer noch was trinken gehen will und dachte: Hoffentlich kommt sie mit. In der Kneipe saßen wir uns gegenüber und unterhielten uns.

Irgendwie kamen wir auf das Alter zu sprechen, ich weiß nicht mehr wie. Ich habe sie auf 33 geschätzt. Als sie sagte, sie sei 39, dachte ich: Hoppla. Aber es hat mich nicht gestört, im Gegenteil: Ich fand das spannend.

Patricia:

Dass er 27 war, hat mich vom Hocker gehauen. Ich hätte niemals gedacht, dass er so jung ist. Irgendwie fand ich ihn interessant, als Mensch, nicht unbedingt als Mann. Er kann gut reden. Es war relativ schnell klar, dass er Interesse hatte, aber ich war unsicher.

Ich hatte keine Lust auf jemanden in einer anderen Lebensphase.
Patricia

Johannes:

Noch an dem Abend habe ich zu ihr gesagt, dass ich sie gern küssen würde. Erst sagte sie dazu nichts, das hat mich überfordert. Und dann machte sie diesen Witz: "Du bist 27, ich 39, du bist Student – was kannst du mir überhaupt bieten?" Ich weiß, dass sie das nicht ernst meinte. Aber die Frage hat mich trotzdem sauer gemacht. Ich wollte gehen, sie kam hinterher.

Patricia:

Wir haben uns dann doch geküsst. Am nächsten Tag hat er mir geschrieben und wir haben telefoniert, fast zwei Stunden.

Johannes:    

Sie sagte dann, der einzige Grund, sich nicht zu treffen, wäre der Altersunterschied – aber das sei ja Quatsch.

Patricia:

Die Telefonate haben mein Interesse geweckt. Mit Johannes kann man gut reden, das ist eine seiner besten Eigenschaften.

Aber der Altersunterschied hat mich schon beschäftigt. Ich kenne das von einer Freundin: Immer brachen die Beziehungen, weil die jüngeren Typen feiern wollten. Eine andere Freundin wiederum hat einen elf Jahre jüngeren Mann geheiratet und das funktioniert super. 

Jünger, älter, egal?(Bild: Unsplash / Hannah Busing )

Johannes:

Meine erste Freundin war drei Jahre, die zweite sechs und die dritte neun Jahre älter als ich. Auch die meisten meiner Freunde oder Bekannten sind etwas älter. Vielleicht fühle ich mich damit wohler, weil ich schnell erwachsen werden musste. Meine Eltern hatten Eheprobleme. Mein Vater war in vielerlei Hinsicht abwesend, so übernahm ich teilweise seine Rolle.

Patricia:

Ich hätte auch nie gedacht, dass Johannes so jung ist. Er sieht nicht so aus, dafür schätzen mich die meisten jünger. Auf der Straße merken die Menschen unseren Altersunterschied gar nicht.

Wir haben dann vereinbart, dass er mich für ein Abendessen besuchen kommt.

Johannes:

Ich wusste nicht, wie der Abend verlaufen würde, aber für den Fall der Fälle hatte ich diskret eine Zahnbürste eingepackt. Wir verbrachten die Nacht bei ihr, eine Woche später zwei Nächte und irgendwann waren wir ein Paar. 

Patricia:

Johannes ist sehr offen, das mochte ich sofort an ihm. Er spricht alles an, auch unangenehme Themen, und kann sich gut reflektieren. Das kenne ich von sehr wenigen Männern.

Johannes:

Wir ergänzen uns gut. Sie ist Naturwissenschaftlerin, ich habe unter anderem Politikwissenschaft studiert. Das macht sich auch in unseren Gesprächen und Denkweisen bemerkbar. 

Patricia:

Ich bin etwas analytischer und detailversessener.

Johannes:

Was ich auch sofort an ihr mochte: Sie hat in den USA gelebt, in Australien. Sie ist an keinen Ort gebunden. Bei mir ist das ähnlich, ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft, Deutsch und Französisch , und würde später gerne mal in Frankreich leben.

Patricia:

Ich könnte mir das gut vorstellen, ich bin viel gereist und finde es toll, neue Orte kennenzulernen.

Johannes:

Dass sie älter ist, bringt auch eine gewisse Gelassenheit mit sich. Ich habe erst kürzlich mein Studium beendet. Wenn ich dann frustriert bin, weil meine berufliche Zukunft unklar ist, gibt sie mir Halt. Dann sagt sie: Du liegst ja nicht faul rum und alles braucht seine Zeit. Auf ein Leben gesehen ist das völlig normal. Sie erdet mich.

Im Bett merkt man diese Gelassenheit ebenfalls.
Johannes

Sie hat ein entspanntes Verhältnis zu ihrem Körper und weiß, was sie will. Ich fand das schon immer reizvoller als Frauen, die sich selbst noch entdecken müssen.

Patricia:

Im Bett ist er allerdings derjenige, der führt. Und Johannes' Lust ist schon größer als bei meinen älteren Ex-Freunden. Aber das ist ja auch Typsache.

Klum, Kaulitz in Cannes: Wen kümmert's?(Bild: dpa / Arthur Mola)

Johannes:

Das hat alles sofort gut gepasst. Was mir am Anfang allerdings etwas unangenehm war: Ich habe noch in einem Studentenwohnheim gewohnt und war natürlich der Einzige in ihrem Kreis, der noch studiert hat.

Patricia:

Mich hat das nicht gestört. Ich bin schon immer viel mit dem Rucksack gereist, habe in Hostels geschlafen oder auf Klettertouren mit 30 Leuten in einer Hütte.

Johannes:

Wir haben gemeinsam mit meinen Mitbewohnern gekocht oder Spiele gespielt. Das alles war ganz natürlich. Aber man hat auch gemerkt: Wir sind in unterschiedlichen Lebensphasen, vor allem finanziell.

Patricia:

Er hat schon mal gesagt: Ich habe ein Schrottauto und keine Wohnung. Das hat ihn beschäftigt. Mir war das egal. Ich bin Ärztin, muss mir also keine Sorgen um Jobsicherheit machen –  und auch sonst nicht jeden Euro umdrehen. 

Johannes:

Alle ihre Freunde verdienten Geld und ich musste meine Abschlussarbeit schreiben.

Patricia:

Meinen Freunden war das völlig egal. Die mit dem jüngeren Mann hat gelacht: Jetzt bist du auch dabei! Andere sagten auch: Das ist die Zukunft. Ich würde mir auch einen Jüngeren suchen. Frauen leben ja auch im Schnitt länger, da hat man mehr Zeit miteinander. 

Die meisten Männer haben gar nichts dazu gesagt. Vielleicht kloppen sie blöde Sprüche, aber das bekomme ich dann nicht mit. Meine Freunde finden Johannes alle super nett. Und meine Mutter sagte nur: Er hat ein sehr großes Herz, das ist das Wichtigste.

Die Herzogin von Sussex, Meghan Markle, ist übrigens drei Jahre älter als ihr Prinz Harry.(Bild: dpa / Steve Parsons)

Johannes:

Zu meinen Freunden habe ich spaßeshalber gesagt: Ich mache einen auf Macron. Da haben alle gelacht. Manche sagten auch: Typisch Johannes. Die wissen, dass ich eher ältere Freundinnen habe. Als Herausforderung hat das aber noch niemand gesehen, ich musste das nie erklären.

Für mich hat es keinen Unterschied gemacht, ob ich mit ihren Freunden oder meinen spreche. Ich hatte die letzten Jahre sowieso kein typisches Studentenleben mehr, mit ständigen WG-Partys. Ich treffe mich auch gerne mal zum Spieleabend. Und wenn ihre Freunde schon Kinder haben, macht es mir Spaß, mit ihnen zu spielen.

Patricia:

Viele meiner Freunde sind da auch spät dran und haben keine. Und über das politische Engagement verbringen wir unsere Zeit sowieso mit Menschen unterschiedlichen Alters.

Johannes:

Klar: Eine Frage, die relativ schnell aufkam, war die nach einer eigenen Familie.

Patricia:

Ich hatte ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet. Johannes meinte dann aber, dass er nicht in allzu ferner Zukunft Kinder haben möchte.   

Hier verraten alte Ehepaare ihre Geheimnisse für die ewige Liebe:

"Einen Sinn für Humor, Geduld, Liebe – und ein schlechtes Gedächtnis."
"Viel Lachen."
"Sei immer, egal was passiert, der beste Freund des anderen – in guten und in schlechten Zeiten."
"Love, all you need is love. Love is all you need."
1/12

Johannes:

Für mich war immer klar, dass ich kein Einzelkind haben möchte. Deshalb habe ich ihr noch im gleichen Jahr gesagt: Ich wünsche mir, dass du die Mutter meiner Kinder wirst. Die Situation war ein bisschen absurd. Wir saßen in einem Café und warteten auf eine Freundin. Normalerweise spreche ich sehr offen auch über unangenehme Dinge. Aber diese Worte blieben mir fast im Halse stecken.

Patricia:

In dem Moment, in dem er sie ausgesprochen hatte, kam unsere Freundin. Ich konnte also nicht sofort reagieren. Abends hat er es dann nochmal gesagt, das hat mich schon gerührt. Ich habe ihm gesagt, dass ich trotzdem noch mal darüber nachdenken wollte.

Johannes:

Wir haben es bald darauf ankommen lassen. Und ein paar Monate später wurde sie schwanger.   

Patricia:

Als dann die Periode ausblieb und der Test positiv war, dachten wir beide erstmal: Holy Shit. Aber wir haben uns natürlich gefreut und mussten das erstmal verarbeiten.

Johannes:

Nur einen Punkt finden wir beide doof: Angenommen wir bleiben für immer zusammen. Dann geht sie viel früher in Rente als ich. 

Patricia:

Wenn wir zusammen die Welt bereisen wollen, muss ich eben auf ihn warten.


Gerechtigkeit

Die AfD verliert in Sachsen-Anhalt dramatisch an Zustimmung
Der Grund könnte eine rassistische Rede sein.

In Sachsen-Anhalt hat die AfD offenbar massiv an Zustimmung verloren. Das legt der Sachsen-Anhalt-Monitor nahe, der im Auftrag der Landesregierung erhoben wird. Er wurde am Dienstag vorgestellt. Demnach käme die AfD nur noch auf 15 Prozent. Bei der Landtagswahl 2016 hatte sie noch 24 Prozent der Stimmen erhalten. (Die Welt)