Bild: bento
Jedes weiße Haar könnte für eine Frage stehen, die wir uns nicht mehr stellen müssen.

Der Tag war gerade ein paar Stunden alt und für mich schon gelaufen. Ich stand vor dem Spiegel und band mir das Haar zusammen, da fiel es mir auf: silbernes Schimmern in den dunklen Locken. Ein weißes Haar.

Ich erschrak, rückte an den Spiegel heran, zupfte die Strähnen auseinander, und fand: noch eins. Mehrere. An meinen Schläfen ging die Farbe verloren. Mein Haar wurde grau. Unter den Haaren, in meinem Kopf, hämmerte es: Ich bin noch nicht so weit! Hilfe!

Wenn ich mit Freundinnen über graue Haare rede, sagen sie immer das gleiche: Du kannst sie doch färben. Bei dir sieht man das durch die dunklen Haare eben mehr. Mach dir doch keine Gedanken.

Ich weiß: Sie wollen mir ein gutes Gefühl geben. Uns geht es doch auch so, wollen sie sagen. 

Meine Mutter ist 65 und hatte noch keine grauen Haare, zumindest sieht man sie nicht. Sie überfärbt ihre Alterung. Manchmal trägt sie ihr Haar kastanien-, manchmal nussbraun, niemals grau. Sie sagt, sie sei unsicher, ob ihr das stehe. Und wer einmal mit dem Färben angefangen habe, wisse, wie unerträglich der Übergang zur Naturhaarfarbe sei. Deswegen färbt sie weiter.

Die Reaktionen anderer, das Färben: Ich finde das problematisch. Graue Haare werden so zum Tabu, zum Schönheitsmakel. Kaum jemand will zugeben, zu altern, scheint mir – als wäre es ein unangenehmes Laster. Wenn es schon so weit gekommen ist, kommt da auch nicht mehr viel.

Julias graue Haare: "Ich bin noch nicht so weit"(Bild: bento)

Altern ist offenbar nicht attraktiv – außer bei Männern. Sie werden mit graumelierten Haaren und Bärten eher als reifer wahrgenommen. Frauen aber, das erzählen uns Verpackungstexte von Colorationsshampoos und Softtönungen, sind mit grauen Haaren nur eins: nicht so schön wie ohne.

Warum ist das so? Warum erschrecken wir uns, wenn die Haare ergrauen? 

Sind wir eitel, oberflächlich? Oder gar naiv, weil wir unsere Vergänglichkeit ausblenden, bis sie weiß zwischen den Haaren hervorschimmert? 

Es ist doch so: Unser Körper entwickelt sich ein Leben lang. Zähne und Muskeln, Brüste, Bärte, Schambehaarung. Fertig sind wir nie. Aus Wachsen wird Altern, und irgendwann zerfallen wir. Das erste weiße Haar ist die Erinnerung daran.

Sie kam mir vor wie eine Warnung. Mein Körper macht sich so langsam auf den Rückweg, dachte ich, dabei ist das Leben doch jetzt gerade, hier, sehr schön. Ich habe nicht mal Kinder bekommen, vielleicht die anstrengendste Aufgabe, die mein Körper noch bewältigen wird ­und hoffentlich kann. Dafür brauche ich doch meine gesamte Kraft. Verliere ich sie jetzt schon? 

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Und werden omagraue Haare schon bald das Erste sein, das Menschen auffällt, wenn sie mich treffen? Wie sehen sie mich dann: als kraftlos? Gestrig? Überholt?

In den vergangenen Jahren, in meinen Zwanzigern, versuchte ich, herauszufinden, wer ich sein will. Mit den weißen Haare kam die Frage, wie weit ich damit gekommen bin. Wie soll meine Zukunft aussehen? Bringt mein aktueller Weg mich dorthin? Bin ich im richtigen Job? In der richtigen Beziehung? Bin ich glücklich

Und wenn nicht: Sollte ich dann nicht schnell etwas unternehmen, bevor all meine Haare grau sind und ich denke: Jetzt ist es auch egal?

Natürlich weiß ich, dass ich nicht von meinen Dreißigern übergangslos in die Achtziger wechsele – und dass es nie zu spät ist für Veränderungen. 

Wann Haare ergrauen, hat ohnehin auch genetische Ursachen. Eine Kommilitonin überfärbte schon mit Anfang 20 ihre grauen Strähnen. Sie sagen, theoretisch gesehen, nichts darüber aus, wie lange wir noch leben. Trotzdem zwingen sie uns, uns mit dem Altern auseinanderzusetzen, damit, dass wir endlich sind. Dabei merken wir vielleicht, hoffentlich, dass es eigentlich keinen Grund gibt, sich verrückt zu machen.

Denn einerseits zeigen uns graue Haare, dass unser Körper arbeitet und funktioniert. Sie sind ein Zeichen von Vergänglichkeit, aber damit eben auch für Leben. Und sie zeigen nach außen, wie wir uns innerlich verändern. 

Denn jedes graue Haar könnte auch für eine Entscheidung stehen, die wir im Leben getroffen haben und an der wir gewachsen sind – nicht mehr körperlich, aber im Geiste. 

Aus Filmen wissen wir: Die Weisen haben weiße Haare.

Und jedes weiße Haar könnte auch für eine Frage stehen, die wir uns nicht mehr stellen müssen, weil wir die Antwort gefunden haben. Sollte ich auf diese oder jene Party gehen? Wie finde ich Freunde? Was soll ich studieren?

Graue Haare zeigen auch: Ich lasse mich nicht mehr verrückt machen, weder von mir oder anderen, noch von Äußerlichkeiten. 

Ich weiß jetzt ein paar Dinge mehr über mich.

Mal abgesehen davon, dass es auch cool aussehen kann. Lady Gaga, Pink oder Kelly Osbourne färbten sich die Haare sogar grau, der "Granny Style" gilt als Trend. Neulich fielen auch einem guten Freund meine grauen Haare auf. Er sah mich von der Seite an und grinste etwas unverschämt. Dann sagte er: "Ich finde das ziemlich sexy." Gut so. Denn ich werde mir die Haare definitiv nicht färben.


Grün

Das Ozonloch ist zurück – was das für unseren Klimaschutz bedeutet
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Sie greifen die sensible Ozonschicht unseres Planeten an. Die Ozonschicht schützt die Erde – entstehen Löcher in ihr, nimmt die Sonnenstrahlung auf die Erde zu. Die Folge ist die Erderwärmung, ein Teil des gefährlichen Klimawandels.

Weil FCKW so gefährlich ist, wurde es international verboten. Doch nun haben Forscher eine mysteriöse neue Konzentration entdeckt.