"Deutsche Hummus" steht unter dem Bild einer Leberwurst. Darunter: tausende Likes. Der Instagram-Account @deutschedings postet erst seit wenigen Tagen Memes über typisch deutsche Produkte und Personen, hat damit aber schon fast 17.000 Follower gewonnen. Ähnlich sieht es bei den @alman_memes2.0 aus: Der Account liegt nach einem guten Monat bei fast 32.000 Abonennten. Der Erfolg dieser Kanäle ist mehr als ein witziges Internet-Phänomen – er sagt eine Menge über unsere Gesellschaft aus.

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Kräftig, deftig, würzig, gut.

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Wütendes Fax von Philipp Amthor ist raus.

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In meiner Kindheit war die Faustregel für einen guten Witz ziemlich einfach: Man nehme eine spezifische Bevölkerungsgruppe, werfe ein in der Gesellschaft waberndes Vorurteil gegen sie in den Topf und überspitze das Ganze zu einer Pointe.

Es wurde über Blondinen gelacht, über Polen, über drei Vertreter unterschiedlicher Religionen, die sich in einer Bar treffen. 

Wenn Deutsche über Deutsche lachten, dann auch nur über "die anderen": Norddeutsche über Bayern, Bayern über Sachsen, alle über Schwaben. Worüber allerdings selten Witze gemacht wurden, war die größte aller Gruppen: der gesellschaftliche Mainstream. 

Zum Glück ändert sich das, denn wenn wir etwas aus den vergangenen zehn Jahren im Internet gelernt haben, dann ist es, dass wirklich alles, aber auch alles Meme-Potenzial hat. Der deutsche Alltag ist dafür das beste Beispiel – mit all seinen Routinen und der eingespielten Verschrobenheit, mit der sich viele Menschen in diesem Land begegnen.

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Flughafen-Almans = Endgegner

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Tupperschulden sind Ehrenschulden

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Doch Selbstironie war in der Vergangenheit im deutschen Durchschnittshumor eben nicht so verankert wie in manch anderen Ländern. In England haben Comedians schon lange den Witz darin erkannt, sich selbst oder ihre Kultur ins Lächerliche zu ziehen. Währenddessen ist bei uns gefühlt jedes Jahr Mario Barth mit seinen Witzen über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen Anwärter auf den deutschen Comedypreis.

Wie sind wir also von "Kommt ein Rabbi in eine Bar" zu den Alman-Memes gelangt?

Unser kollektiver Humor hat sich häufig gegen andere und selten gegen uns selbst gerichtet. Nun wird er ausgerechnet von den Menschen geprägt, denen häufig die Rolle dieser "anderen" zugewiesen wurde: Menschen mit Migrationshintergrund amüsieren sich schon lange über die typisch deutschen Almans mit dem ständigen Bedürfnis, an der Kasse die Centbeträge passend zu zahlen oder Blätter mit Laubbläsern zu beseitigen:

Comedians mit Migrationshintergrund haben schon deutlich früher den Witz an der eigenen Position in der Gesellschaft erkannt als es bei ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen der Fall war. 

Haben wir davon gelernt? Und entwickelt der deutsche Mainstream-Humor durch die Außensicht auf uns Almans endlich eine Selbstironie? 

Vielleicht. Das wäre jedenfalls ein schönes Zeichen für unsere Gesellschaft. 

Denn ausgerechnet einige Almans (hinter beiden Accounts stecken Menschen ohne Migrationshintergrund) haben nun die seit Jahren auf Twitter kursierenden Deutschland-Witze übernommen, spinnen sie auf Instagram weiter und erreichen damit offenbar einen Mainstream. 

Das lässt hoffen, dass wir die Randgruppen-Witze hinter uns lassen und endlich gemeinsam über dieses merkwürdige Land lachen können, in dem wir alle leben. 


Today

Videospielsucht gilt jetzt als Krankheit – dieser Forscher ist dagegen

Nach der Arbeit eine Runde Playstation auf dem Sofa zocken, mit Freunden in virtuelle Welten tauchen und Highscores knacken: In Deutschland spielten im vergangenen Jahr 34 Millionen Menschen mindestens gelegentlich Computer- und Videospiele (Statista). Aus diesem Spaß wird Ernst, wenn ein Mensch mehr als zwölf Monate alle anderen Aspekte des Lebens diesem Spiel unterordnet. Wenn er etwa seine Freunde verliert, seine Körperhygiene vernachlässigt. Dann leidet er unter Videospielsucht – so definiert es zumindest die Weltgesundheitsorganisation (WHO). (SPIEGEL ONLINE)

Videospielsucht ist von der WHO nun offiziell als Krankheit anerkannt und als "Gaming Disorder" in den internationalen Katalog der Krankheiten aufgenommen. Unter dem Code 6C51 können Ärztinnen und Ärzte ab jetzt eine solche Störung diagnostizieren. So können Betroffene leichter Hilfe finden und langfristig ihre Behandlungskosten von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

An der Entscheidung der WHO gibt es Kritik – auch aus der Wissenschaft: 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA und Europa haben sich gemeinsam dagegen ausgesprochen. Warum?

Das haben wir den Junior-Professor Malte Elson gefragt. Der 33-Jährige forscht und lehrt zu Themen zur Psychologie der Mensch-Technik-Interaktionen an der Ruhr-Universität Bochum.