Wenn Diskriminierung anders wirkt und was wir daraus lernen können

"So war das noch vor einiger Zeit. Und dann hat mir ein gemeiner Typ im Auto den Hintern mit einem bösartigen Kommentar gerettet", schreibt Jay unter einem Vorher-Nachher-Bild von sich auf Instagram.

Zwischen den Bildern liegen drei Jahre und 60 Kilogramm.

Unter dem Beitrag erzählt Jay, wie sie abgenommen hat: Neben viel Sport, gesunder Ernährung und Ehrgeiz half ihr dabei auch der abfällige Kommentar eines Fremden.

Mir hat ein Mann auf der Straße hinterher gewiehert – eine Anspielung auf mein breites Hinterteil. Da ist mir erst bewusst geworden, wie andere Menschen mich sehen: als Dicke.
Jay

Ausgerechnet fat shaming – das Diskriminieren dicker Menschen – soll Jay zum Abnehmen motiviert haben? Das passt eigentlich nicht in unser Weltbild von Toleranz und body positivity.

Denn Menschen aufgrund ihres Gewichts zu diskriminieren geht gar nicht. Das findet auch Oliver Mann, Professor am Adipositas-Centrum des Universitätsklinikums Hamburg: "Übergewicht ist eine Krankheit und nicht nur ein äußeres Erscheinungsbild."

Zu Übergewicht trägt zudem oft auch das Umfeld der Betroffenen bei – Eltern, die ihren Kindern falsche Gewohnheiten beibringen, Lehrer und eine Politik, die Zucker in Lebensmitteln fast unbegrenzt zulässt.

Ist man schließlich adipös, verlangt der Körper immer mehr zuckerreiche Nahrung. Aus eigenem Willen abzunehmen wird nahezu unmöglich. "Dann zu sagen 'Iss weniger, du bist fett' ist in etwa wie zu einem Heroinkranken zu sagen: 'Lass das mit dem Heroin, iss lieber einen Apfel'", sagt Mann. Jemanden in so einer Situation zu fat shamen sei deshalb meistens kontraproduktiv und schädige das angeschlagene Selbstbewusstsein nur weiter.

Dass es in Einzelfällen auch anders kommen kann, zeigt der Fall von Jay. Sie nahm das fat shaming zum Anlass, ihre bisherigen Gewohnheiten zu ändern. "Bei mir hat fat shaming wie ein Weckruf gewirkt", erzählt sie.

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Vorher sei ihr nie bewusst gewesen, dass sie deutliches Übergewicht hatte. "Meine Freunde haben mich trotzdem immer akzeptiert und bei den Männern kam ich auch nie schlecht an." Trotzdem: Als Dicke wollte Jay nicht wahrgenommen werden. 

Denn Dicke haben es in unserer Gesellschaft schwer, weiß auch Professor Oliver Mann. "Man sieht im Übergewicht ein Zeichen von Schwäche, einen Mangel an Disziplin. So nach dem Motto: 'Der isst so viel, deshalb ist er selbst dran schuld, dass er dick ist.' 

Und niemand wird gern als faul oder charakterschwach wahrgenommen - selbst wenn jeder weiß, dass das eigentlich ein schwachsinniges Vorurteil ist.

Also fing Jay an, Sport zu machen und ihr Essverhalten zu überdenken. Sie joggte täglich 10 Kilometer, boxte im Studio. Statt aus Langeweile oder Frust zu essen, hielt sie sich an feste Mahlzeiten. Seit dem gemeinen Kommentar auf der Straße hat Jay 60 Kilogramm abgenommen. Während einer Schwangerschaft kamen noch einmal 20 dazu – die hat sie inzwischen wieder abtrainiert.

So dick wie früher möchte sie nie wieder werden. "Ich esse immer noch wahnsinnig gern, aber ich verbrenne es durch meinen Sport auch wieder. Es ist eine ganz neue Lebensqualität, einfach shoppen zu gehen, ohne dafür in den Übergrößenladen zu müssen."

Dafür bin ich dem Mann, der mich beleidigt hat, wirklich dankbar.
Jay

Adipositas-Experte Mann sieht nicht nur Mitmenschen, sondern auch Ärzte in der Verantwortung: "Wenn jemand wegen eines Schnupfens zum Arzt geht und gelbe Augen hat, wird der Arzt ihn darauf ansprechen und die Leber auf Krankheiten testen. Wenn jemand aber wegen eines Schnupfens zum Arzt geht und offensichtlich stark übergewichtig ist, spricht der Arzt ihn in der Regel nicht darauf an. Das muss sich ändern." 

Wer einen Body-Mass-Index über 30 hat, könnte schädliches Übergewicht haben – body positivity hin oder her. Mann rät deshalb dazu, Menschen, die einem nahestehen, anzusprechen, wenn diese offensichtlich übergewichtig sind oder zu viel essen. 

"Übergewicht ist durchaus ein Anlass zur Sorge. Man muss da nur mal die Folgekrankheiten bedenken", sagt Mann. Gäbe es weniger Übergewicht, gäbe es auch weniger Diabetes, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch wenn das fat shaming in Jays Fall positive Auswirkungen hatte, ist es dennoch falsch, Menschen aufgrund ihres Gewichts zu diskriminieren, zu beleidigen und zu demütigen. Kritik sollte immer in einer angemessenen Weise formuliert werden.

Dennoch stimmt beim fat shaming, so menschenverachtend es auch erscheint, zumindest ein Grundgedanke: Dick sein ist nicht schön.

Nicht aus optischen Gründen, und nicht, weil dicke Menschen faul sind. Sondern schlichtweg, weil starkes Übergewicht ungesund ist. Es ist und bleibt Auslöser für Folgeerkrankungen – eine Tatsache, die man auch in Zeiten von body positivity nicht vergessen sollte.


Fühlen

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