Bild: dpa/Wikipedia/Pixabay Montage: bento
Offenbar sind Einträge frisiert worden.

Abgeordnete und Mitarbeiter des Sächsischen Landtags können keine Wikipedia-Einträge mehr anonym bearbeiten. Die Sperre gilt für Zugriffe aus dem Netz der sächsischen Verwaltung für einen Monat – aber nicht für Nutzer, die sich bereits vor der Sperre bei der Wikipedia registriert hatten.

Was ist passiert?

Ein anonymer Nutzer hatte den Wikipedia-Eintrag des Sächsischen Landtages bearbeitet. Der Unterpunkt "Rassismus" war gelöscht worden. Begründung: Hier fehlten die Belege, es sei ein reiner Meinungsartikel. (T-Online)

Wer kann auf Wikipedia bearbeiten?

Prinzipiell kann jede Person Einträge bearbeiten, ergänzen oder verändern. Auch anonyme Nutzerinnen und Nutzer können dies mit entsprechenden Belegen und Begründungen tun. Über die Löschung eines Beitrags oder einer Kategorie entscheidet letztlich ein Administrator. 

Dabei wurde im strittigen Teil über Rassismus eine Studie zitiert, die von der Sächsischen Staatsregierung selbst in Auftrag gegeben worden war, der sogenannte "Sachsen-Monitor". Ergebnis: Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind in Sachsen deutlich stärker ausgeprägt als im Rest Deutschlands. (WikipediaTagesspiegel

Von fehlenden Belegen kann also nicht die Rede sein.

Wie ist die Änderung aufgefallen?

Ein Bot prüft, von welchen IP-Adressen Änderungen vorgenommen werden und postet automatisch anonyme Änderungen auf Twitter, die aus Bundeseinrichtungen oder dem Bundestag kommen. Der Bot meldete eine Änderung aus dem Netz des Bundesinnenministeriums. Das BMI sieht sich allerdings nicht in der Verantwortung:

Das BMI hat einen Teil seiner IP-Adressen weitergegeben, diesen konkreten Adressraum an den "Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste".

Was ist ein Adressbereich?

Es handelt sich dabei um ein einen Anbieter, von dem aus viele verschiedenen Rechner online gehen können. Der Adressbereich, von dem aus die Wikipedia-Änderung vorgenommen wurde, gehört dem Staatsbetrieb "Sächsische Informatik Dienste" (SID) und umfasst mehr als 2000 Adressen. 

Der SID ist der IT-Dienstleiser der sächsischen Landesverwaltung, also das, was beispielsweise t-online für viele Privathaushalte ist – der Betreiber, über den man Zugang zum Internet hat. 

Ist damit bewiesen, dass die Änderungen aus dem Landtag kamen?

Nicht zu 100 Prozent. Es konnte aber zurückverfolgt werden, dass die IP-Adresse, von der aus die Änderungen vorgenommen wurden, zu dem Adressbereich des "Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste" gehört. Die Änderungen wurden von einem der Dienstrechner vorgenommen, die zu diesem Adressbereich zählen. Genauer konnte die IP-Adresse noch nicht zugeordnet werden.

Welche Folgen hat die Änderung? 

Laut dem Sperr-Logbuch von Wikipedia wurde am 25. April um 14:25 Uhr der IP-Block, der die Änderung vorgenommen hat, vom Administrator für einen Monate gesperrt:

Dieser Block beinhaltet fast alle Computer der sächsischen Verwaltungen und des sächsischen Landtags. (T-Online)

Wurden noch andere Einträge von der IP-Adresse bearbeitet? 

Ja.

  • In dem Eintrag von Angelika Barbe – die 2017 noch Mitarbeiterin der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung war und jetzt Pegida-Mitglied ist – wurde Pegida von "fremdenfeindlich" zu "islamkritisch" erklärt.
  • Bei André Wendt, einem AfD-Landtagsabgeordneter, war nach der anonymen Bearbeitung die Information entfernt worden, dass er Asyl für in ihren Heimatländern verfolgte Homosexuellen ablehnt. 

Das Sächsische Staatsministerium äußerte sich nach einer Prüfung des Falles auf Twitter. Der Zugriff sei nicht durch das Staatsministerium erfolgt, jedoch "ist die IP-Adresse dem Sächsischen Verwaltungsnetz (SVN) zuzuordnen".


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