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So wichtig ist diesen Rollstuhlfahrerinnen das neue Rollstuhl-Emoji

Jetzt ist es bestätigt: Das Unicode-Konsortium hat die endgültige Emoji-Liste für 2019 genehmigt. Das bedeutet, dass wir insgesamt 230 neue Emojis im Laufe des Jahres 2019 auf unsere Smartphones und in soziale Netzwerke bekommen werden. (Unicode.org)

Neben einem gähnenden Emoji, einem Faultier, Otter und Flamingo (bento) oder einem Handzeichen, das als "Kneifen" gemeint ist, aber garantiert nicht so verwendet werden wird (bento), kommen jetzt auch Emojis, die Vielfalt und Inklusion symbolisieren. So gibt es bald Händchen haltende Paare in vielen Kombinationen in Geschlecht und Hautfarbe. 

Und auch Menschen mit Behinderung wird es als Emoji geben: Es gibt Männer und Frauen mit Blindenstock oder im Rollstuhl oder auch Gehörlose. Außerdem Arm- und Beinprothesen, Blindenstöcke, Rollstühle, Ohren in verschiedenen Hautfarben mit Hörgeräten und viele mehr. 

So sehen alle neuen Emojis 2019 aus:

Endlich Inklusion unter den Emojis! Aber brauchen wir das?

Man könnte so argumentieren: Inzwischen gibt es ganze 2823 verschiedene Emojis. Die meisten Emojis, die Menschen darstellen, zeigen eh nur Gesichter. Gesichter, denen man nicht ansieht, ob sie im Rollstuhl sitzen oder gehörlos sind. Braucht es da noch extra Bilder? 

Wir haben diejenigen gefragt, die es wissen müssen. Drei junge Rollstuhlfahrerinnen haben uns erzählt, was sie von den neuen Emojis halten: 

Janina, 27: "Es ist ein sichtbares Zeichen für Inklusion. Ich kann damit auch unbekannten Personen ohne viel Firlefanz mitteilen, dass ich einen Rollstuhl habe. Damit können schon vorab viele Barrieren abgebaut werden bzw. diese entstehen gar nicht erst. Und auch für gehörlose Menschen sind die Emojis aus ähnlichen Gründen nützlich: sie verwenden das Smartphone und vor allem Messenger als Communicater, weil sie ja eben nicht sprechen können."

Alexa, 19, berichtet regelmäßig auf Facebook von ihrem Leben im Rollstuhl: "Ich finde es gut, dass 2019 Emojis mit Handicap kommen sollen. Es ist nötig, denn Menschen mit Handicap gehören nunmal zum Leben dazu. Ich hab mich tatsächlich benachteiligt gefühlt weil es für jeden anderen Menschen Emojis gab nur nicht so richtig für Menschen mit Handicap. Mir fehlt bei den neuen Emojis im Rollstuhl nur ein freundliches Gesicht."

Tanja, 31, berichtet als "Rollifräulein" über ihren Alltag"Grundsätzlich finde ich die neuen Emojis super – und überfällig. Diversität sollte längst überall zu sehen sein. Was ich besonders gut finde: Dass es sowohl einen manuellen Rollstuhl gibt als auch einen Elektrorollstuhl. Außerdem ist es toll, dass es nicht nur Menschen im Rollstuhl gibt, sondern auch Menschen mit Blindenstock, jemand, der Gebärdensprache spricht und auch noch Prothesen angezeigt werden. Ich werde die Emojis auf jeden Fall dort benutzen, wo ich über meine Behinderung schreibe: Also zum Beispiel, wenn ich mal wieder zu einer Verabredung zu spät komme, weil ein Aufzug defekt ist oder gleich ganz fehlt. Was ich noch vermisse: Emojis, die Menschen mit Behinderungen in Verbindung mit anderen zeigen. Für Menschen ohne Behinderungen gibt es ja auch Paar-Emojis oder verschiedene Familienemojis. Da wird eine große Chance vertan, die Idee, die hinter der Inklusion steht, abzubilden: Dass Menschen mit und ohne Behinderungen in Verbindung stehen und nicht alleine für sich bleiben müssen."

Wann wird es die neuen Emojis geben?

Das dauert noch ein paar Monate. Die verschiedenen Geräte-Hersteller und Plattformen passen die Vorschläge jetzt erst ihren eigenen Designrichtlinien an. "Die neuen Emojis tauchen normalerweise im September oder Oktober auf den Mobiltelefonen auf", so das Unicode-Konsortium, "manche Plattformen veröffentlichen sie aber auch früher." (SPIEGEL ONLINE)

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