Bild: Unsplash / Montage: bento
Schönen Dank, Autocorrect!

Als Frau finde ich mich in der Sprache oft nicht wieder. Weil viele sich einfach weigern, die weibliche Form und Anrede zu benutzen. 

Die 80-jährige Marlies Krämer kämpft seit Jahrzehnten dafür, dass sich das ändert. Sie hat durchgesetzt, dass sie in ihrem Pass als "Inhaberin" und nicht als "Inhaber" bezeichnet wird – und sorgte mit einer Unterschriftenaktion dafür, dass nicht nur Wetter-Tiefs nach Frauen benannt werden, sondern auch Hochs. Zuletzt verklagte sie die Sparkasse, weil sie in Formularen immer als "Kunde" und nicht als "Kundin" angesprochen wurde. (bento

Frauen fehlen aber nicht nur in offiziellen Dokumenten und Wetterbezeichnungen, sondern auch in meinem Alltag. Jeden Tag, wenn ich mich über WhatsApp unterhalte, über Threema, über Telegram, fällt es mir auf. 

Ich schreibe die weibliche Form eines Wortes – und das passiert:

Die weibliche Form wird als Fehler markiert, die männliche nicht. Junggesellinnen feiern wohl keinen Abschied von ihrem Junggesellinnentum – denn dieses Wort gibt es laut dem Wörterbuch von Smartphone-Betriebssystemen einfach nicht. Weder bei iOS von Apple, noch bei Android von Google. Der Abschied vom Single-Dasein scheint den Junggesellen vorbehalten. 

Und nicht nur das – es gibt sehr viele Wörter, die mein Handy offenbar nicht kennt:
Autokratin
Diktatorin
Rapperin
Beleuchterin
Barkeeperin
Influencerin
Kapitänin
Muslima
Magistra
Türsteherin
Kickboxerin
Filmeditorin
Deppin
YouTuberin
Vorständin
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Bei WhatsApp, iMessage, Threema, Telegram, beim Facebook-Messenger, in Tinder-Unterhaltungen, in meinem E-Mail-Programm, in meinen Handynotizen, bei Texten, die ich auf Snapchat, Instagram oder Facebook verfasse, zeigt mir die rote, gestrichelte Linie: Fehler im System. Das gehört so nicht.

Weder ich noch eine andere deutsche Frau soll demnach rappen, ein Schiff lenken oder im Alleingang ein Land regieren. 

Dabei brauchen wir eine Sprache, die auch Frauen einschließt. In unserem Alltag, auf unseren Handys. 

Was die Vorsitzende der Jungen Union, Antonia Niecke, bei der Debatte um Einbeziehung von Frauen in die Sprache als "Genderwahn" bezeichnet, nenne ich geschlechtersensible Sprache.

Was der AfD-Vorsitzende Alexander Wolf als "Eingriff in die natürlich gewachsene Kultur und Tradition unserer Sprache" beschreibt, halte ich für ein notwendiges Einbeziehen von Frauen. Nicht nur fehlen Frauen in den Vorständen von Unternehmen – sie fehlen auch in unseren Handy-Wörterbüchern, die wir jeden Tag nutzen. 

Und außerdem: Die Tatsachen widersprechen diesen Ausgrenzungen:

  • Nicki Minaj ist der Beweis dafür, dass Frauen rappen können. 
  • Maria Theresia, Kaiserin von Österreich, hat uns gezeigt, dass Frauen schon im 18. Jahrhundert Autokratinnen sein konnten. 
  • Und nicht erst seit Nicole Langosch im vergangenen März als erste deutsche Frau das Kommando über einen Riesendampfer – der Aida – übernommen hat, können Frauen Kapitänninen sein. (Stern)

Es ist schon schlimm genug, dass Mädchen in bestimmten Berufsfeldern wenige bis keine Frauen sehen. Wenn sie dann aber auf die Frage "Was möchtest du mal werden?" bei WhatsApp mit "Kickboxerin", "Barkeeperin" oder "Türsteherin" antworten und ihnen die rot gestrichelte Linie direkt zu verstehen gibt, dass das eigentlich nicht vorgesehen ist, kann das zukunftsweisend für sie sein. 

Denn dass Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst und Realität mitgestaltet, ist keine Erfindung von Feministinnen. Studien haben gezeigt, dass Frauen beim Generischen Maskulinum – das besagt, Frauen seien bei der männlichen Form auch mitgemeint – eben nicht automatisch mitgedacht werden und dazugehören. Werden Frauen und Männer beispielsweise gebeten, ihren liebsten Romanhelden zu nennen, dann nennen sie eher einen Mann, als wenn sie gebeten werden, einen Romanhelden oder eine Romanheldin zu nennen. (bento)

Wer sich nicht täglich von seinen Messengern daran erinnern lassen möchte, dass Frauen sprachlich aus Teilen der Gesellschaft ausgeschlossen sind, kann sein Handy selbst schlauer machen:

  • Android-Nutzerinnen und -Nutzer können Wörter einfach selbstständig zum Wörterbuch hinzufügen, indem sie darauf tippen und die entsprechende Funktion auswählen. Außerdem lernt die Android-Tastatur Wörter selbstständig, die man öfters benutzt. 
  • Apple-Nutzer und -Nutzerinnen können Wörter etwas umständlicher über "Einstellungen – Allgemein – Tastatur – Textersetzung" hinzufügen

Denn weder Google noch Apple scheinen sich dieser Sache annehmen zu wollen. Auf meine Frage, warum ihre Autokorrektur-Systeme diverse weibliche Formen nicht berücksichtigen und ob die Unternehmen vorhaben, das zu ändern, bekam ich tagelang – bis zur Veröffentlichung dieses Artikels – keine Antwort. 

Frauen gehören in Vorstände, hinter Steuerräder, sie sollten Cocktails mixen und – wenn sie wollen – auch Zuhälterinnen sein. Das nennt man Gleichberechtigung. 


Gerechtigkeit

Türkische Gemeinden lassen Kinder in Deutschland Krieg spielen
Soldat-Uniformen und "Märtyrer-Tode".

Kinder in Armee-Uniformen halten die türkische Fahne hoch, andere marschieren über die Bühne wie über ein Kriegsfeld. In ihren Händen halten einige Jungen kleine Maschinengewehr-Modelle, dann trauern offenbar mehrere Mädchen um die gefallenen "Männer". Die Kinder sind im Grundschulalter, manche wirken noch jünger.

Die verstörenden Szenen kommen nicht aus der Türkei selbst – sondern aus Gemeinden in Deutschland.

In mehreren Moscheen des Religionsverbandes Ditib sollen Kinder solche Kriegsszenen aufgeführt haben. Die Idee dahinter: So sollen sie auch aus Deutschland dem türkischen Staat und Präsident Recep Tayyip Erdogan huldigen.