Bild: dpa/Martin Schutt, Pixabay; Montage: bento

Der hier: "Wir sind doch nicht das Sozialamt der Welt!"

Oder der: "Durch all die Muslime wird unsere abendländische Kultur untergehen!"

Oder auch der hier: "Die Systemmedien schreiben ja nie die Wahrheit!"

Das alles sind Sätze, die du so oder so ähnlich an Weihnachten hören könntest. In Deutschland ist gerade eine Spaltung der Gesellschaft spürbar – und die reicht auch bis in die Familien hinein. Beim Feiertagsbraten geht es dann plötzlich nicht mehr um Papas neue Krawatte – sondern um den Syrienkrieg, die Flüchtlingsfrage oder Medienkritik.

Das kann anstrengend werden – der Chat-Bot "SOSWeihnachten" will dir daher mit Argumenten helfen.

"SOSWeihnachten" ist eine Facebook-Seite, die verspricht, dich im Kampf gegen Vorurteile zu unterstützen. Über den Facebook-Messenger kannst du mit dem Chat-Bot texten, er schickt automatisch Antworten. Viele klassische Vorurteile gibt der Bot selbst zur Auswahl vor – und liefert dann Argumente und Gegenfragen für die Diskussion.

Zum Durchklicken – Das antwortet "SOSWeihnachten" auf klassische Vorurteile:
Oft heißt es: "Die kommen alle nach Deutschland!" Der Bot aber meint:
Außerdem seien "alle Flüchtlinge Terroristen", für Deutschland bestehe Gefahr. Hier empfiehlt der Bot:
Und auch auf die Aussage, dass Flüchtlinge "reihenweise" deutsche Frauen vergewaltigen, gibt es eine Gegenrede:
Medien werden mittlerweile häufig als "staatsgelenkte "Lügenpresse" bezeichnet. Es herrsche Zensur in Deutschland. Das ist die Antwort darauf:
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Und wie gut ist der Chat-Bot nun insgesamt?

Es geht so. Was gut ist:

  • Alle Antworten sind kurz und knapp.
  • Mit jeder Antwort kommt eine Gegenfrage, um ins Gespräch zu kommen.

Was aber schlecht ist:

  • Der Bot hat nur Antworten zu vorgegebenen Fragen – mit individuellen Problemen kannst du nicht kommen.
  • Der Bot geht wenig in die Tiefe. Fakten und Statistiken bietet er kaum.

Fazit:

"SOSWeihnachten" ist eine nette Spielerei für jene, die sowieso wissen, dass Deutschland keine Diktatur ist und Flüchtlinge keine Massenbedrohung für unser Miteinander sind. Wenn es bei Gesprächen in der Familie hart auf hart kommt, kann er aber kaum weiterhelfen.

Allerdings kannst du dir ein Beispiel an der Methode des Bots nehmen: Auf Stimmungen und Gefühle reagieren und selbst fragen, wo genau denn Sorgen bestehen. Das hilft mehr als jede "Ist so"-"Ist nicht so"-Debatte.

Mehr Argumente nötig? Hier vielleicht:


Fühlen

Zwischen Liebe und Vorurteilen: Wenn eine Deutsche einen Flüchtling heiratet

Menschen heiraten, weil ihre Beziehung gut funktioniert, weil sie Steuern sparen wollen oder weil sie sich schon lange lieben.

Laura, 27, und Omar, 25, heirateten, weil sie endlich zusammen sein wollen. Sie teilten wenig miteinander, bevor sie beschlossen, ihr restliches Leben gemeinsam zu verbringen.

Als ein Imam das Paar an einem heißen Tag im Juli in der Hamburger Al-Nour-Moschee traute, wohnte Laura noch in einer Studenten-WG und Omar in einem Flüchtlingscamp.