Bild: Oculus/SPIEGEL ONLINE
7. Welche Spiele gibt es bisher?

Böhm: "Bislang gibt es auf beiden Plattformen vor allem kurze und vergleichsweise simple Spiele. Das ist bemerkenswert: Allein schon vom Preis her zielen beide Headsets auf Hardcore-Gamer, richtige Hardcore-Games gibt es aber nicht. Die Oculus Rift zum Beispiel wird mit 'Lucky's Tale' ausgeliefert, einer Art VR-'Super Mario 64', das ob seiner Niedlichkeit als Kinderspiel durchgehen könnte.

Kremp: "Am interessantesten für mich ist bislang ganz klar 'Elite: Dangerous', ein Weltraumspiel, das es schon länger als Nicht-VR-Spiel gibt. Den Vorgänger 'Elite' habe ich vor 30 Jahren tage- und wochenlang auf meinem C64 gespielt. Dass ich das jetzt wieder erleben kann, in Virtual Reality, ist ein Traum."

Stöcker: "Das geht mir genauso: 'Elite: Dangerous' ist das Spiel, bei dem ich mir am ehesten vorstellen könnte, es längere Zeit in VR zu spielen. Am liebsten dann aber mit einem richtigen Flight-Joystick mit vielen Knöpfen für die komplizierte Bedienung. Und mit einem Lüfter für die Brille."

Diese Games gibt's für die Oculus Rift:
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8. Wird es auch bekannte Spiele wie "Fifa", "Minecraft" oder "Grand Theft Auto" in VR geben?

Böhm: "Langfristig bestimmt. 'Minecraft' zum Beispiel ist gerade für die Gear VR erschienen, auch eine Rift-Version ist angekündigt. Bis zu einem 'GTA VR' wird es wohl noch dauern. Es gibt zwar Fanprojekte, durch die man normale Spiele in VR spielen kann. Einem guten VR-Spiel merkt man aber an, dass die Designer es für VR optimiert haben - von der Menübedienung über die Art, wie sich der Spieler fortbewegt, bis zum Spieltempo. Spiele wie das genannte 'Lucky's Tale' oder 'Chronos' zeigen zumindest, dass nicht nur Spiele mit Ego-Perspektive gut in VR funktionieren. Ein VR-'Fifa', bei dem man per Kopfbewegung die Tribünen-Kamera schwenken oder näher ans Geschehen herangehen kann, kann ich mir gut vorstellen."

Stöcker: "Mehrere große Spielefirmen, etwa Ubisoft und Electronic Arts, haben zwar VR-Titel angekündigt, welche genau das sein werden und wann sie kommen, ist aber noch unklar. Für die Firmen lohnen sich teure VR-Produktionen natürlich erst dann wirklich, wenn die potenzielle Kundschaft groß genug ist."

9. Will man als Besitzer eines VR-Headsets jemals wieder auf normalen Monitoren spielen?

Kremp: "Ja. Auf Dauer sind mir die aktuellen VR-Brillen einfach noch zu anstrengend. Trotzdem ist der Weg zurück zum Bildschirm so ähnlich wie der Umstieg auf einen Desktop-PC, nachdem man an einem Tablet oder einem Touchscreen-Laptop gearbeitet hat: Man will ständig Dinge tun, die mit der Hardware nicht möglich sind."

Stöcker: "Es ist ein bisschen wie mit 3D-Filmen im Kino - das ist mal ganz nett, aber man käme nicht auf die Idee, dass jeder Woody-Allen-Film deshalb nun in 3D gedreht werden sollte."

Und diese Spiele hat die HTC Vive:
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10. Ist VR mehr als eine Jahrmarktattraktion?

Stöcker: "Jahrmarktattraktion trifft es ziemlich gut, bisher, mit allen Vor- und Nachteilen. Man wird definitiv viele Gäste damit beeindrucken können, wenn sie sich die Brille einmal aufsetzen dürfen. Aber ob man wirklich Stunden mit einem Gerät am Kopf verbringen will, das sich nach kurzer Zeit anfühlt wie eine etwas zu enge, schwere, beheizte Skibrille?"

Böhm: "Es gibt einige VR-Spiele, bei denen ich es mittlerweile spannender finde, Leute beim Ausprobieren zu beobachten, als selbst zu spielen. Das gilt etwa für das Kletterspiel 'The Climb', das mir schlicht zu anstrengend ist, allem Wow-Effekt zum Trotz. Aber wenn jemand zum ersten Mal VR erlebt und mit offenem Mund im Raum steht, macht mich das irgendwie auch glücklich."

So sieht ein VR-Zombiespiel im Test aus:

11. Setzt sich VR diesmal durch - oder wird es ein kurzer Hype?

Kremp: "Auszuschließen ist das mit dem Hype nicht. Zum einen müssen dringend die Preise für die Hardware fallen. Zum anderen muss es gute und nicht zu teure Anwendungen und Spiele geben, damit VR nicht schnell wieder langweilig wird."

Böhm: "Wichtig für die VR-Branche wird es vor allem sein, möglichst viele Menschen in ein gutes Headset zu stecken - denn so richtig versteht man den Reiz der Technik erst, wenn man mal ein gutes Spiel oder eine gute Animation selbst erlebt hat. Ich jedenfalls habe noch niemanden gesehen, der nach einer Rift- oder Vive-Demo sagte, er fände das nicht beeindruckend."

Stöcker: "Ich glaube an VR, aber ich glaube auch daran, dass es noch dauern wird, bis die Technologie massenmarktreif ist. Beim Rollenspiel 'Fated: The Silent Oath' zum Beispiel sieht man: Normal schlecht animierte Computermenschen wirken in VR noch viel hölzerner. Auch eine zauberhafte Fantasy-Umgebung ist nicht so toll, wenn schon in zehn virtuellen Metern Entfernung alles zu flimmern anfängt. Wenn das alles aber eines Tages perfekt aussieht, werden die Leute nicht mehr wegwollen."

12. Sollte man mit dem Brillenkauf noch warten - auf die nächste Geräte-Generation oder auf Sonys günstigeres Headset Playstation VR?

Stöcker: "Playstation VR ist - dem für die Brille zuständigen Entwicklungschef Simon Benson zufolge jedenfalls - technisch nahezu gleichwertig mit den Brillen von Oculus und HTC. Doch die Hardware der Konsole hinkt hinter der eines aktuellen High End-PC hinterher. Folgerichtig sehen Playstation-VR-Spiele oft etwas weniger scharf, etwas weniger knackig aus als die der PC-betriebenen Brillen. Um Spaß in VR zu haben, reicht eine PSVR aber vermutlich vollkommen aus. Sony hat etwa mit 'The Playroom' auch ein Party-Spielepaket im Angebot, das Rollen auch für die Spieler vorsieht, die keine VR-Brille aufhaben."

Böhm: "Vergessen sollte man beim Dreier-Vergleich nicht, dass es auf der Playstation VR wohl schwierig bis unmöglich sein wird, Apps zu nutzen, die nicht aus dem offiziellen Store kommen, etwa von unabhängigen Entwicklern. Manches Highlight oder manche Skurrilität wird einem da vermutlich entgehen."

Kremp: "Unabhängig vom einzelnen Gerät wird sich bei den Brillen technisch in den nächsten Jahren noch viel tun. Dass man bei der Vive seine Hände sehen kann, ist ein Anfang. Ich will aber eigentlich meinen ganzen Körper sehen, um mich in der VR besser orientieren zu können."

Kunstprojekt – So sehen VR-Brillenträger in London aus:
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13. Was war der schönste Moment beim Testen?

Kremp: "Ich erinnere mich an den Moment, als ich in einer Vive-Demo bei 'The Lab' in einer Roboterwerkstatt bastelte und plötzlich Seitenwände und Decken weggeklappt wurden und eine gigantische Halle um mich herum offenbarten. Das hat mir Angst gemacht, weil ich plötzlich auf einem Stahlträger in großer Höhe zu stehen schien. Ein tolles Beispiel für die Möglichkeiten von VR."

Stöcker: "Im Oculus-Demopaket 'Dreamdeck', einer Ansammlung von kurzen VR-Momenten, gibt es einen Moment, in dem man einem lebensgroßen Tyrannosaurus Rex gegenübersteht, der einen anbrüllt. Das zeigt, was VR allen anderen Medienformen voraus hat: Sie setzt den Spieler ins Verhältnis zu seiner Umwelt. Der simulierte Dinosaurier wirkt wirklich riesig, weil man selbst eben klein vor ihm steht und er schließlich sogar über einen hinwegspaziert. Das kann das Kino nicht."

Böhm: "Am meisten gefreut habe ich mich, als ich die Vive bei mir zu Hause zum Laufen gebracht hatte, nach allerlei Vorarbeit fürs Sensor-Anbringen, mit mehreren Verlängerungskabeln und einer dubiosen Konstruktion aus einem Bügelbrett, einem Wäschekorb und einem Ministativ, um zwei Meter Höhe zu erreichen. Ansonsten habe ich beim 'Job Simulator' oft über mich selbst lachen müssen: 'Habe ich jetzt ernsthaft riesige Freude daran, virtuell einen Hotdog zuzubereiten?'"

14. Und, wird jetzt eine VR-Brille angeschafft?

Kremp: "Jedes Mal wenn ich eine VR-Brille aufsetze und ein Spiel oder eine Demo ausprobiere, spüre ich den dringenden Wunsch, mir so etwas anzuschaffen. Aber dann bremst mich die Erkenntnis: Mit der Brille ist es nicht getan, ich bräuchte auch noch einen neuen Spiele-PC, der deutlich über 1000 Euro kosten würde. Außerdem: Traue nie einer Version 1.0. Ich warte lieber auf die nächste Generation."

Stöcker: "Im Moment würde ich für eine Brille plus PC eher kein Geld ausgeben. Auch die Spiele, die ich bislang für Playstation VR - das dritte große High End-Headset - ausprobieren konnte, reizen mich nicht genug, um wirklich das Bedürfnis zu haben, mir zur Konsole noch eine VR-Brille zuzulegen. Das kann sich mit anderen Titeln aber noch ändern."

Böhm: "Ich bin froh, dass wir eine Oculus Rift auf Redaktionskosten bekommen haben - sonst hätte ich mir wohl privat eine vorbestellt, so sehr fasziniert mich das Thema VR. Nach unserem Vergleich hätte ich momentan aber lieber eine HTC Vive, wegen des Spielerlebnisses im Raum und mit den Handcontrollern. Blöd nur, dass meine Wohnung zu klein ist. Das ist der einzige Grund, warum ich mir erst einmal keine Vive für zu Hause kaufe. Vielleicht fällt mir aber auch noch ein guter Umbauplan ein."

Hinweis: Die Oculus Rift haben wir auf eigene Kosten bestellt. Die Vive wurde uns für gut eine Woche von HTC als Testgerät zur Verfügung gestellt.

Zusammengefasst: Drei Netzwelt-Redakteure haben die Oculus Rift und die HTC Vive getestet - und waren von der Hardware angetan, vom Softwareangebot aber nicht vollends überzeugt. Wenn man daheim viel Freiraum und einen guten PC hat, ist wohl die Vive mit ihren Handcontrollern und der Möglichkeit, sich im Raum zu bewegen, das interessantere Produkt - aber auch das teurere.

Erschienen ist der Test zuerst auf SPIEGEL ONLINE.

Noch mal von vorne? Hier ist der 1. Teil des VR-Tests:


Fühlen

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