Bild: dpa/Peter Dasilva
Was dafür spricht – und was dagegen.

Wie kann es sein, dass ein Populist wie Donald Trump Präsident der USA wird? Eine von vielen Antworten auf diese Frage: Facebook trägt Schuld daran – zumindest ein bisschen. Kann das sein?

Was spricht dafür?
  • Der Newsfeed

Bei Facebook verbreiten sich im großen Stil Falschmeldungen. Darunter sind Fakes wie "Der Papst befürwortet Trump", "Hillary Clinton kaufte für 137 Millionen Dollar illegale Waffen" oder "Hillary Clinton ruft einen Bürgerkrieg aus, wenn Trump gewählt wird".

Nicht nur bei Facebook verbreiten sich solche Meldungen, doch durch die Größe des Netzwerks können solche Meldungen eine besonders große Wucht entfalten. 45 Prozent der erwachsenen Amerikaner bekommen ihre Nachrichten über Facebook – und nicht über die Webseiten von journalistischen Angeboten. (journalism.org)

Der Newsfeed-Algorithmus begünstigt, dass sich Falschmeldungen weiter verbreiten: Die emotional aufgeladene Nachrichten verleiten Nutzer zum Klicken und zum Teilen. Facebook spielt einem anschließend ähnliche Meldungen aus, nach dem Muster: Was mich schon mal interessiert hat, wird mich noch ein weiteres Mal interessieren.

Facebook ist mittlerweile der "most efficient distributor of misinformation in human history", schreibt Journalist Max Read.

Einen Faktencheck kann man bei Facebook nicht erwarten, denn das Unternehmen versteht sich nicht als journalistisches Angebot. Doch Facebook selektiert schon lange Nachrichten nach publizistischen Prinzipien – zum Beispiel bei Nacktbildern und rechter Hetze.

Erst im August erklärte Facebook, dass man, ähnlich wie bei einem E-Mail-Filter, gegen Clickbaiting vorgehen wolle. Algorithmen und Mitarbeiter könnten durchaus Falschmeldungen aussortieren.

Doch Facebook profitiert auch von ihnen: Menschen regen sich über Falschmeldungen auf, diskutieren darüber. Das Ergebnis: Nutzer sind länger auf Facebook. Das ist gut fürs Geschäft.

  • Nutzer bleiben in ihrer Blase

Wenn alle nur noch die Beiträge zu sehen bekommen, die ihnen gefallen, stecken sie in einer sogenannten Filterblase. Sie nehmen ihre Umwelt nur noch durch Meinungen wahr, die ihren entsprechen. Andere Sichtweisen oder Widersprüche fehlen.

So wie Facebook den Newsfeed sortiert, begünstigt das Filterblasen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg verteidigt seine Plattform: Das Problem sei, dass Nutzer eben nicht auf Beiträge klicken würden, die nicht ihrer Meinung entsprächen.

Abhilfe kann jeder selbst schaffen: Wer sich diverse Facebook-Bekanntschaften sucht und mit den Beiträgen interagiert, schafft es alleine aus der Filterblase. Aber reicht das?

Was spricht dagegen?
  • Unzufriedenheit der Wähler

"Wenn du Facebook für die Ergebnisse der Präsidentenwahl beschuldigst, bist du ein Idiot", schreibt Recode. Die These: Ein soziales Netzwerk allein könne nicht den Wahlausgang beeinflussen. Die Wähler seien unzufrieden mit der Situation in Amerika gewesen und wollten den etablierten Politikern einen Denkzettel verpassen.

Vor allem diejenigen fielen auf Falschmeldungen herein, die sie auch glauben möchten – weil sie zu ihrem Weltbild passen. Facebook ist dann nur ein Verstärker von ohnehin existierenden Meinungen.

Auch Zuckerberg ist davon – wenig überraschend – überzeugt: "Personally, I think the idea that fake news on Facebook, of which it’s a very small amount of the content, influenced the election in any way, I think is a pretty crazy idea. Voters make decisions based on their lived experience."

  • Clinton war keine starke Kandidatin

Darüber hinaus sind sich viele sicher, dass Hillary Clinton eine zu schwache Kandidatin ohne Charisma war. Im Gegensatz zu Trump zeigte sie wenig Veränderungswillen. Die Amerikaner hatten aber genug vom Ist-Zustand. Dazu passt, dass weniger Wähler zur Abstimmung gegangen sind: Donald Trump hat nicht haushoch gewonnen, stattdessen sind viele Demokraten nicht zur Wahl gegangen.

Wie stehst du zu Falschmeldungen?
Quellen:
  • Donald Trump Won Because of Facebook (nymag.com)
  • If you’re blaming Facebook for the presidential election results, you’re an idiot (recode.net)
  • Wieso Lügengeschichten so gut funktionieren (brodnig.org)
  • Mark Zuckerberg says fake news influencing the US election is "a pretty crazy idea" (qz.com)


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Nach Trump-Wahl: Lasst uns aus unserer Wut etwas machen!

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Erste Gefühle: Schock. Angst. Resignation. Aber auch: Wut. Wie konnte das passieren? Und warum? Seit das Wahlergebnis feststeht, protestieren in New York, Washington und Chicago Tausende Menschen, unter ihnen viele Studenten (bento). "Nicht mein Präsident", rufen sie.