Bild: dpa/Jens Büttner

Soziale Netzwerke dienen extremistischen Gruppierungen als Werkzeuge für ihre Propaganda. Dort vernetzen sie sich, werben neue Mitglieder an und verbreiten ihre "Werbe"-Videos. Dafür kapern die Extremisten auch regelmäßig Trending-Topics wie #ParisAttacks, aber auch Justin Bieber-Hashtags. Twitter will zukünftig stärker gegen diese Gruppierungen vorgehen. In seinem offiziellen Blog hat das Unternehmen bekanntgegeben, seit März 2015 bereits 125.000 Konten gesperrt zu haben. Diese sollen vor allem mit dem IS in Verbindung gestanden haben.

Wie will Twitter gegen extremistische Nutzer und Gruppierungen vorgehen?

Die Anzahl der Mitarbeiter sei erhöht worden. Diese sollen sich zum Beispiel intensiver um Rückmeldungen von Nutzern kümmern. Twitter sei außerdem in engem Kontakt mit anti-extremistische Organisationen wie "People Against Violent Extremism (PAVE)" und stünde mit Institutionen wie dem FBI in Verbindung, um Einzelfällen nachgehen zu können. Ende 2015 hatte Twitter seine Regeln zu Hasskommentaren bereits geändert.

Nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hatte das Web-Kollektiv Anonymous unter dem Hashtag #OpISIS letztes Jahr bereits Aktionen gegen den IS gestartet. Die Aktivisten sammelten zum Beispiel die Namen von Twitter-Accounts, hinter denen sie Mitglieder oder Sympathisanten des "Islamischen Staats" vermuten. Mehr als 100.000 Accounts wollen die Aktivisten bereits identifiziert haben, viele der Accounts verschwanden aus dem Netz – vermutlich, weil auch die Polizei und die Twitter-Betreiber daraufhin aktiv wurden. bento

Warum ist das so schwierig?

Es gibt keinen automatischen Algorithmus mit dem sich extremistische Gruppierungen einfach ausfindig machen lassen. Es sei schwieriger "terroristische Inhalte ausfindig zu machen als Copyright-Verletzungen oder Kinderpornographie" (The Guardian). Zum Einen gebe es vergleichsweise wenige Terroristen auf der Welt und deswegen auch weniger Daten. Zudem seien sich extremistischen Gruppierung der Tatsache bewusst, dass sie unter ständiger Überwachung stehen. Eine Copyright-Verletzung eines bestimmten Films oder Musikstückes kann sich in seiner Form nicht verändern, um nicht aufzufallen - extremistische Gruppierungen schon. The Guardian

Bringt das was?

Twitter macht mit dieser neuen Vorgehensweise vor allem gute Öffentlichkeitsarbeit, setzt damit aber auch ein Zeichen im Kampf gegen den Terror. Das Internet besteht jedoch aus vielen verschiedenen Netzwerken, auf die Terroristen jederzeit ausweichen können oder parallel aktiv sein können. Zudem kann innerhalb von Sekunden ein neuer Account eröffnet werden.

Was machen andere soziale Netzwerke gegen Hass und Gewalt?

Facebook hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, endlich gegen Hasskommentare vorzugehen. Dafür arbeite des Unternehmen mit einem externen Dienstleister zusammen. Dieser soll eine dreistellige Zahl von Mitarbeiter zur Verfügung stellen, um Hasskommentare zu entfernen. "Mit dieser Investition möchte Facebook dafür sorgen, dass Meldungen von Inhalten, die gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen, noch effektiver bearbeitet werden können", sagte Facebook-Sprecherin Tina Kulow dem SPIEGEL. bento