Bild: EA

"Enemy Pilot on Board" warnt mich die kleine Leuchte in der Ecke meines Displays. Ich versuche noch, per Tastendruck einen Elektroschock auszusenden, als mich von links ein Stakkato von Raketen trifft. Mein gigantischer Kampfroboter geht in einem Flammenmeer zu Boden, während ich glücklicherweise auf meinem Schleudersitz davon katapultiert werde und mich mit letzter Kraft in den Büschen verstecke. Wo leider schon der gegnerische Pilot mit geladener Waffe auf mich wartet.

Alltag in der Robo-Welt von "Titanfall 2". Der zweite Teil des Roboter-Gemetzels kam Ende Oktober auf den Markt. Seitdem haben wir es im Einzel- und Mehrspielermodus auf Herz und Nieren getestet. Aber lohnt sich der Kauf des Mech-Spektakels, oder setzt man doch lieber ein anderes Spiel auf den Weihnachts-Wunschzettel? Mit "Battlefield 1" und "Call of Duty: Infinite Warfare" stehen in diesem Jahr immerhin genug Titel zur Auswahl.

Titanfall 2

Das Spiel von Respawn Entertainment und Publisher EA ist für Xbox One, PC und die PlayStation 4 erhältlich. Auf der Electronic Entertainment Expo (E3) wurde es mit dem Offiziellen Game Critics' Award als bestes Online-Multiplayer-Spiel ausgezeichnet.

Um den Multiplayer-Modus spielen zu können, sind auf den Konsolen die Mitgliedschaften bei "Xbox Live Gold" oder "Playstation Plus" nötig.

Spoiler-Warnstufe grün

In diesem Beitrag verraten wir ein bisschen was über die Serie, das Spiel oder den Film — aber eigentlich nichts, was dir den Spaß verderben könnte.

Worum geht es?

Die Story im Einzelspieler-Modus ist leider furchtbar austauschbar: In einer weit entfernten Galaxie kämpfen zwei Fraktionen um die Vorherrschaft auf von Menschen kolonisierten Planeten. Die hochgerüstete Fraktion IMC verkörpert das ultimative Böse, heuert Söldner an und arbeitet an einer geheimen Waffe, die ganze Planeten auslöschen kann. (#starwarslässtgrüßen)

Man selbst übernimmt die Rolle von Jack Cooper, einem jungen Rebellen, der nach einem gescheiterten Angriff zum Piloten befördert wird und den "BT" genannten Titan seines Mentors steuern darf. Titans sind etwa sechs Meter hohe Kampfroboter, die dem Spieler sowohl als Fahrzeug und als Partner zur Seite stehen.

Doch auch die "Piloten" selbst sind eine Art Supermensch. Mit ihren Jetpacks fliegen sie durch die Lüfte, laufen an Wänden entlang und klettern auf die gegnerischen Roboter.

Die Solo-Kampagne

Auf der Suche nach seinen Kameraden metzelt man sich in der knapp acht Stunden dauernden Kampagne durch gegnerische Horden. Als Zwischenbosse lauern dem Spieler die Söldner der "Apex Predators" auf, von denen jeder eine andere Taktik anwendet: Mal ein verbissener Nahkampf mit dem Schwert, mal ein Fernkampf mit einem fliegenden Gegner.

Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sind diese Kämpfe schon sehr anspruchsvoll, meistens benötigte ich mehrere Anläufe für die Bossgegner. Aber auch die Standardgegner (Soldaten, Drohnen, Raubtiere) sind ungewöhnlich stark, so dass man sich meist schnell nach Deckung umschaut oder mit dem Jetpack das Weite sucht, wenn man eine Bombendrohne auf Verfolgungskurs entdeckt.

Leider bleiben die Geschichte und die spielerischen Elemente der Kampagne weitestgehend blass. Nur der wirklich genial designte Zeitreise-Level sticht hier heraus und sorgt fast schön für Zelda-artigen Rätselspaß. Meist kämpft man sich aber einfach durch große Horden von Gegnern oder löst Geschicklichkeitsaufgaben, indem man von Wand zu Wand springt und tödlichen Hindernissen ausweicht. Das sieht gut aus und ist ein Zugewinn zu der enttäuschenden Kampagne des ersten "Titanfall", aber alleine noch kein Kaufargument.

Aber zum Glück bietet "Titanfall 2" ja noch den Mehrspielermodus.

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Der Mehrspieler-Modus

Hier erwartet mich das wahre Herz von Titanfall. Anders als in der Kampagne hat kann man aus sechs verschiedenen Titans wählen und diese spielerisch und optisch anpassen. Vom langsamen, aber starken "Legion" bis zum flinken und mit dem Schwert kämpfenden "Ronin" kann man seine Taktik jederzeit auf das gegnerische Team einstellen. Einige Features der Solo-Lampagne, wie die automatisch zielenden Raketensalven, wurden zugunsten der Fairness gestrichen.

Bevor man mit seinem Robo-Kumpel in die Schlacht zieht, muss man sich jedoch als verletzlicher Pilot durchschlagen. Durch das Erfüllen von Missionszielen (im genialen Modus "Bounty Hunt" zum Beispiel das Abschießen von computergesteuerten und menschlichen Gegnern) steigert sich die Titan-Leiste – bis man dann bei 100 Prozent per Tastendruck den namensgebenden "Titanfall" anfordern kann. Und der Moment, wenn der eigene Roboter rauschend vom Himmel fällt und krachend auf dem Schlachtfeld landet, ist den Ärger wirklich wert.

Gekämpft wird meist in kleinen Gruppen von 5 gegen 5. Das sorgt für deutlich kürzere Ladezeiten und schnellere Action als beim Genre-Kollegen Battlefield 1.Durch die Jetpacks und Greifhaken der Piloten kommt der Feind nicht nur von vorne oder hinten, sondern auch von oben. Das erhöht die Geschwindigkeit und macht "Titanfall 2" zu einem anspruchsvollen Shooter.

Ein besonders befriedigendes Gefühl ist es übrigens, als Pilot einen gegnerischen Titan aufs Korn zu nehmen. Wenn man sich schlau anstellt, kann man der gefährlichen Maschine sogar die Batterien klauen und damit die Titans von Teamkollegen heilen. Stellt man sich jedoch dumm an, wird man zertrampelt oder unter Strom gesetzt. Aber irgendwas ist ja immer.

Das Matchmaking läuft leider nicht immer perfekt, zu oft wurden offline gegangene Teamkollegen nicht ersetzt oder die Teams ungleichmäßig aus Anfängern und Profis besetzt. Trotzdem bietet "Titanfall 2" eine sehr entspannte Lernkurve und auch Einsteigern die Möglichkeit, sich schnell nach oben zu arbeiten. Nach wenigen Matches hat man den Dreh raus und kann auch gegen Profis etwas ausrichten.

Fazit

Der Multiplayer-Modus macht wirklich verdammt viel Spaß. Durch ein Belohnungssystem, das neue Waffen, Fähigkeiten oder kosmetische Veränderungen an Titan und Pilot bietet, wird man dauerhaft weiter motiviert. Anders als bei Genrekollegen hat man bei "Titanfall" trotzdem nicht den Eindruck, dass deutlich länger spielende Kontrahenten einen Ausrüstungsvorteil haben. Durch die schnellen Ladezeiten und die etwa zehnminütigen Matches kann man auch "nur mal eben für ein oder zwei Runden" online gehen, ohne gleich den ganzen Abend zu verplanen.

Die Solokampagne ist leider nicht so überzeugend, und sollte eher als langes Tutorial für den Mehrspieler-Modus angesehen werden. Der kann nämlich sonst, durch die vielen Möglichkeiten, schnell überfordern.

Wer trotzdem Lust auf kurzweilige Action mit großen Robotern hat, darf hier bedenkenlos zugreifen. Es lohnt sich.


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