"The Show" von Filip Syta

Im Hauptquartier des Suchmaschinenkonzerns geht es so richtig rund: Da wird gekokst, was das Zeug hält, Joints werden rumgereicht, und wenn die Mitarbeiter nicht am Pool herumlungern, haben sie Sex miteinander. So jedenfalls zeichnet Filip Syta in seinem Buch "The Show" das Bild eines Internet-Unternehmens namens "Show".

Filip Syta sagt, er habe bei Google in Dublin gearbeitet. Sein Buch erscheint im Selbstverlag und ist unter anderem bei Amazon erhältlich.

Doch das dürfte nur eine Schutzmaßnahme sein. Die Parallelen zu Sytas ehemaligem Arbeitgeber Google sind kaum zu übersehen. Beide Firmen sind in Kalifornien ansässig, Show in San Francisco, Google einige Kilometer südlich davon in Mountain View. Beide machen zweistellige Milliardenumsätze im Jahr, sind im Suchmaschinengeschäft und locken mit guten Gehältern junge, talentierte Mitarbeiter an.

Einer davon war für zwei Jahre auch Syta. Als Anzeigenverkäufer gehörte er zu jenen, die von vielen um ihren Arbeitsplatz beneidet werden, hatte ein gutes Gehalt und einen Arbeitgeber, der sich um ihn kümmerte. Das er trotzdem das Handtuch warf, die Firma verließ, habe unter anderem am Zynismus seiner Kollegen gelegen.

Die hätten sich beispielsweise beklagt, weil sie in zwei aufeinanderfolgenden Jahren von der Firma Tablets zu Weihnachten geschenkt bekommen hatten, sagte er dem "Business Insider". Die Quengelei sei dann so laut gewesen, dass sie ihre Gratis-Tablet schließlich in neue Smartphones haben umtauschen dürfen. Man würde solche Dinge eben nicht mehr wertschätzen, wenn man immer alles bekommt, was man will.

The Show von Filip Syta

Ein Kernproblem sei, dass sich viele der hochbegabten Google-Mitarbeiter bei der Arbeit langweilen würden. Die Firma ziehe stets die Besten an, viele direkt von den Hochschulen, und nehme ihnen viele Dinge des täglichen Lebens ab. So gebe es auf dem Firmengelände eine Reinigung, Zahnärzte, Massagedienst, Swimmingpools und mehr. Zudem würden Bewerber oft für Jobs engagiert, die sie unterfordern.

Das Ergebnis sei Langeweile, so Syta. Eine Langeweile, die viele mit Drogen, Alkohol und wahllosem, gedankenlosem Sex zu bekämpfen suchen. In seinem Buch geht das so weit, dass zwei Mitarbeiter der Anzeigenabteilung vollauf damit beschäftigt sind, die Kollegen mit Kokain und anderen Drogen zu versorgen. In "The Show" ist die Nachfrage danach so groß, dass die als Drug Lords bezeichneten Männer fünf Gehilfen engagieren müssen, die beim Verteilen des Stoffs helfen.

Da wundert es kaum noch, wenn Syta an anderer Stelle im Buch davon erzählt, wie einzelne Mitarbeiter und ganze Abteilungen ihre Zahlen manipulieren, um vor ihren Chefs und Kunden gut auszusehen. Kontrolliert würden solche Angaben ohnehin nicht, so Syta. Stattdessen würden die Lügengebilde von Hierarchiestufe zu Hierarchiestufe weitergetragen.

Auf die Frage, wie viel von der Story, die er in seinem Buch zusammengewoben hat, wahr oder doch wenigstens von wahren Begebenheiten inspiriert worden ist, antwortet Syta dem "Business Insider" selbstbewusst: "90 Prozent". Wenn dem so ist, müssen seine Aufenthalte im Google-Hauptquartier allerdings sehr intensiv gewesen sein. Denn während seiner Zeit als Mitarbeiter des Unternehmens war Syta nicht in Kalifornien, sondern im irischen Dublin angestellt.

Google selbst scheint sich an Sytas Schilderungen bisher nicht zu stören. Wohl auch, weil "The Show" von der Öffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt blieb. Vier Wochen nach seiner Veröffentlichung in den USA steht das nur als Taschenbuch erhältliche Werk bei Amazon auf Platz 3806 der Verkaufs-Charts.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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