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"Spezialdienste"

Müssen Gamer künftig extra zahlen, damit ihr Internet schnell genug ist? Sieht ganz danach aus. Das EU-Parlament hat gerade den Weg freigemacht für "Spezialdienste", für die Provider neue Gebühren erheben dürfen. Telekom-Chef Timotheus Höttges erklärt jetzt, wie er sich das vorstellt:

In Zukunft wird es eben auch die Möglichkeit geben, einen Dienst für ein paar Euro mehr in gesicherter Qualität zu buchen.

Als Beispiele nennt er Videokonferenzen, Online-Gaming, Telemedizin, selbststeuernde Autos und vernetzte Industrie.

Wer jetzt genau zahlen soll – die Nutzer von Online-Gaming, die Anbieter solcher Spiele oder sogar beide, ist noch nicht klar. Was aber klar ist: Die Telekom möchte mitverdienen und nicht länger nur zusehen, wie andere über ihre Leitungen Geschäfte machen.

Die neue Einnahmequelle hat das EU-Parlament gerade erst ermöglicht. Die Abgeordneten beschlossen Regeln zur Netzneutralität. Dahinter steckt das Prinzip, dass Provider nicht bestimmte Daten bevorzugt behandeln dürfen. Statt aber Netzneutralität festzuschreiben, wie es bereits in den USA geschehen ist, ließen die EU-Abgeordneten Hintertüren für die Provider zu: sogenannte "Spezialdienste".

Kritiker hatten gewarnt, dass Unternehmen wie die Telekom ohne echte Netzneutralität versuchen würden, für schnelles Internet Geld zu verlangen und so den Wettbewerb zu schwächen. Damit extra für schnelle Verbindungen kassiert werden kann, müssen "normale" Verbindungen zu wünschen übrig lassen. Kurz nach der Abstimmung nennt die Telekom nun Details, die es in sich haben:

Gerade Start-ups brauchen Spezialdienste, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können. Google und Co. können sich weltweite Serverparks leisten, damit die Inhalte näher zu den Kunden bringen und die Qualität ihrer Dienste so verbessern. (...) Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur.

Statt also ein schnelles Netz für alle zu bauen, sollen schnelle Verbindungen künftig extra kosten. Nicht nur für Telemedizin, sondern auch für Start-ups und Gamer.

Was für Folgen das nach sich zieht, lässt sich schon jetzt beobachten: Die Telekom hat einen Deal mit Spotify. Wer den Musikdienst über die Telekom bucht, kann unterwegs Musik streamen, ohne dass das vom Datenvolumen abgezogen wird. Andere Musikdienste sind damit deutlich im Nachteil.

Außerdem betreibt die Telekom nicht nur Infrastruktur, sondern tritt auch selbst als Anbieter von Inhalten auf. Über T-Entertain gibt es HD-Fernsehen sowie Filme und Serien auf Abruf. Künftig könnte so ein kostenpflichtiges Angebot als "Spezialdienst" durchgehen, während Videos von YouTube und Netflix ruckeln und stottern.

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