Bild: Pixabay/Lokaler; Montage: bento

Überall, wo du bist, ist auch dein Smartphone. Mobilfunkanbieter nutzen das: 

Telekom und O2 speichern Daten ihrer Nutzer – und verkaufen sie an Dritte weiter. Das soll helfen, zum Beispiel Staus und Shoppinglaunen besser vorherzusehen.

Was erst mal gruselig klingt, ist ein Vorgeschmack auf die Stadt der Zukunft. 

Zwei Beispiele, wo solche Daten schon jetzt genutzt werden:
Die Daten helfen, Verkehrsknoten vorherzusehen. Auf deinem Handy bekommst du so überfüllte Straßen angezeigt, die gerade erst im Entstehen sind:
Oder du bekommst Tipps, wann ein Restaurant oder ein Geschäft besonders überlaufen ist:
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All das geht, weil unter anderem Telekom und O2 Nutzerdaten anonym abschöpfen – und dann vermarkten. Die Geschäfte sind legal, das Geschäft mit Standortdaten ist ein großer Markt. Aber was für Informationen werden da überhaupt abgerufen? Und wie lange werden diese Daten gespeichert? Die wichtigsten Antworten im Überblick:

1. Was sammeln Telekom und O2 genau?

Die Anbieter sammeln sogenannte Netznutzerdaten. Das sind Daten, die bei Anrufen, bei SMS-Nutzung oder beim mobilen Datenverkehr entstehen – also jedes Mal, wenn du mit deinem Handy im Netz bist.

So kann festgestellt werden, wo sich wann wie viele Handynutzer aufhalten. Gespeichert wird der Standort der Funkzelle sowie deren Auslastung – also wie viele Menschen sich gleichzeitig über diese Zelle eingeloggt haben.

Die Mobilfunkanbieter wissen auch, wer sich wann und wo aufhält. Diese Daten werden aber nicht verkauft. Die Telekom versichert gegenüber bento: "Es ist nicht feststellbar, wer konkret in einer Zelle ist und wo genau sich jemand in einer Zelle aufhält."

Auch Telefónica, der Mutterkonzern hinter O2, erklärte bento, dass nur anonymisierte Daten abgerufen werden: "Wir verkaufen keine einzelnen Bewegungsdaten oder sonstige Kundendaten." 

Soll heißen:

Die Mobilfunkanbieter wissen, wie viele Menschen sich an einem bestimmten Ort aufhalten. 

Neben dem Standort werden jedoch noch sogenannte soziodemografische Datenpunkte gesammelt: Geschlecht, Alter und Postleitzahl.

2. Warum machen die das?

Um die Daten an die zu verkaufen, denen sie nützen. Rollen da gerade mehrere Autos auf einen Stau zu? Wo steigt die Luftverschmutzung? Tummeln sich im Weihnachtsgeschäft mehr Menschen im Elektromarkt statt in der Confisérie?

Städteplaner, Kommunen und die Besitzer von Shoppingcentern haben ein großes Interesse, zu wissen, wo jemand stehenbleibt und wo nicht. Die Städte Stuttgart und Nürnberg nutzen in Pilotprojekten bereits solche Daten für ihre Verkehrsplanung (Stuttgarter Zeitung). 

Und O2 arbeitet mit mehreren Firmen zusammen, die gezielt Werbung auf Handys ausspielen wollen – den Dienst nennen sie "More Local". Will zum Beispiel ein Drogeriemarkt junge Frauen in der Nähe erreichen, kann O2 Nutzerinnen zwischen 25 und 35 eine SMS schicken, wenn sie an der Drogerie vorbeilaufen. O2 bietet also gezielte Werbung an, ähnlich wie es Facebook auch macht.

Die Mobilriesen haben für ihre Datensammlungen eigene Firmen gegründet:

  • Bei der Telekom ist das seit März 2015 das Tochterunternehmen Motionlogic (Telekom).
  • Und beim O2-Mutterkonzern Telefónica seit Anfang 2017 Next (Telefónica Deutschland Blog).

"Digitale Lösungen können einen wichtigen Beitrag zum Wohl aller leisten", sagte dieses Jahr Florian Marquart, Next-Verantwortlicher für Datenanalysen, auf der Fachmesse CeBit. "Der dafür nötige Datenschatz muss gehoben werden." Telefónica schätzt, dass der Markt für die Datensammler allein in Deutschland bis 2022 jährlich um 30 Prozent wächst.

3. Wie kann ich der Datenspeicherung widersprechen?

Beide Mobilfunkanbieter haben ein sogenanntes Opt-Out-Verfahren – über eine Homepage, bei der der Kunde der Datensammlung widersprechen kann.

  • Hier geht’s zum Opt-Out der Telekom
  • Und hier findest du das Opt-Out von O2

Die Widerspruchseiten haben die Anbieter freiwillig eingerichtet. Die Menschen sollen die Hoheit über ihre Daten behalten und ihr digitales Leben souverän gestalten können", heißt es in einem Blogeintrag von Telefónica.

Und auch die Telekom verspricht Datensicherheit. Das Opt-Out gebe es bereits seit 2015. Von den 42 Millionen Mobilfunkkunden haben es bislang laut Telekom 8000 in Anspruch genommen – wahrscheinlich weil die meisten Kunden gar nicht wissen, dass es die Datenverwertung gibt.

4. Wo sind die Grenzen, was dürfen O2 und die Telekom nicht?

Die Unternehmen kennen von ihren Kunden – logisch – Namen und Anschrift. Gleichzeitig sammeln ihre Tochterunternehmen Standortdaten. Damit die Kundendaten nicht mit den gewonnenen Bewegungsdaten kombiniert werden können, gibt es strenge Auflagen. 

Die Töchterunternehmen handeln nur mit ausgespielten Bewegungsdaten – an die anderen Details kommen sie gar nicht erst heran. Motionlogic gehört nicht zum "inneren Zirkel der Deutschen Telekom", sagt auch eine Sprecherin. Das Verfahren sei von der Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung überprüft und als "legal" bewertet worden.

Was konkret verkauft wird, sind sogenannte aggregierte Daten, also zusammengefasste Datenpakete. Städte und Unternehmen gewinnen so Erkenntnisse aus der Masse an Menschen, die an einem Ort sind. Einzelne Profile werden nicht vermarktet.

Aber auch wenn die Bewegungsdaten anonym sind – Studien zeigen, dass sich trotzdem sehr viel aus ihnen herauslesen lässt. Ein paar Einzelfälle, die die Anfälligkeit der Datenanalyse zeigen:

Aus den Bewegungsdaten eines Smartphones lässt sich errechnen, wo man in Zukunft sein wird – auf bis zu drei Meter genau. Das haben drei britische Informatik-Studenten an einem Datensatz von 200 Freiwilligen demonstriert. (Zur Forschung)
Forscher der Universität Texas haben in einer Studie die Anonymisierung von Netflix gebrochen und rückgängig gemacht.
Bereits in den Neunziger Jahren gelang es Forschern, aus einem "anonymisierten" Datensatz mit Krankendaten die Krankenakte des Gouverneurs von Massachusetts herauszufinden. Genau der hatte vorher Anonymität versichert. (Zur Forschung)
Und die Königliche Gesellschaft Großbritanniens sagt: "Eine beträchtliche Menge an Studien [hat] gezeigt, dass die Sicherheit von persönlichen Daten in Datenbanken durch Anonymisierung nicht garantiert werden kann."
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Der riesige Datenberg reicht also aus, um einen Smartphone-Nutzer zum gläsernen Menschen zu machen – eigentlich anonyme Daten lassen sich "de-anonymisieren".

5. Wie soll trotzdem Sicherheit garantiert werden?

Die Telekom sagt bento, die Daten ihrer Nutzer würden "mit einem technisch automatisierten Verfahren" verfremdet und "in Echtzeit verschlüsselt". Rückschlüsse auf Einzelpersonen seien ausgeschlossen. 

Und auch eine Telefónica-Sprecherin sagt, es gebe "vielschichtige technische und organisatorische Sicherungsmaßnahmen" zum Schutz der Nutzer.

  • Ist es wirklich so einfach? 

Sandro Gaycken ist Experte für Cybersicherheit, wir haben ihn zur Arbeit von Telekom und O2 befragt. Auch er sagt, man könne davon ausgehen, dass die Unternehmen sorgsam mit den Nutzerdaten umgehen. Schon allein, weil 2018 die in der Branche lange erwartete EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt. Sie regelt, wo Unternehmen nachrüsten müssen, um Sicherheit für ihre Kunden zu gewährleisten. 

Wer die Richtlinien nicht einhält, kann mit Strafen in Höhe von vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes bestraft werden – was bei großen Unternehmen wie der Telekom oder Telefónica sehr teuer werden kann. Allerdings sei die Verordnung auch "sehr offen formuliert", sagt Gaycken. Die Politik gebe nur einen Rahmen vor, viele Grauzonen würden bleiben.

Vollkommene Sicherheit gebe es in Bezug auf die eigenen Daten sowieso nicht: "Hacker kommen da sowieso immer dran", sagt Gaycken. Allerdings ist die Frage, ob sie es denn wollen: 

Bewegungsdaten sind ziemlich langweilig – es gibt dafür also gar keinen signifikanten Schwarzmarkt.
Sandro Gaycken

Grün

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