Bild: Esther Vargas / via flickr.com / Lizenz: CC BY-SA 2.0
Das EU-Parlament hat neue Regeln fürs Roaming beschlossen.
Was ist passiert?

Das EU-Parlament hat beschlossen, die Roaming-Gebühren für Anrufe im Ausland abzuschaffen. Zumindest ein bisschen. Ab dem 15. Juni 2017 müssen Handy-Anbieter ihren Nutzern erlauben, gebuchte Minuten, SMS und Datenvolumen ohne Aufschläge im EU-Ausland zu nutzen. Völlig verschwindet das Roaming dennoch nicht: Die EU-Kommission will noch Obergrenzen festlegen, bei deren Überschreitung dann doch wieder Zusatzkosten fällig werden.

Warum dauert das so lange?

Schon zum 30. April nächsten Jahres sinken die Roaming-Gebühren: Provider dürfen auf den Minutenpreis nicht mehr als fünf Cent draufschlagen. Eine SMS darf zwei Cent, ein Megabyte Datenvolumen fünf Cent teurer sein. Bisher dürfen Telekom-Konzerne pro Minute bis zu 19 Cent Aufschlag verlangen.

Gibt es einen Haken?

Allerdings. Provider müssen offenbar nur einen Tarif anbieten, der diese Bedingungen erfüllt. Es könnten also andere Tarife angeboten werden, die Kunden mit günstigen Konditionen locken - und die dann doch wieder teures Roaming vorsehen.

Dir kommt das alles bekannt vor?

Ursprünglich wollten die EU-Abgeordneten Roaming-Gebühren schon zum 15. Dezember 2015 verbieten. Die EU-Kommission und besonders die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten drängten auf einen späteren Zeitpunkt. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, ist der Staat Großaktionär des größten Telekom-Konzerns.

Für die großen Anbieter – Deutsche Telekom oder Vodafone etwa – ist Roaming ein Supergeschäft: Sie können für Auslandstelefonate viel höhere Preise verlangen, ohne dass ihre Kosten deutlich höher wären. Warum sollte ein Anruf nach Straßburg auch mehr kosten als einer nach Freiburg?

Die Regierungen, die im Rat der Europäischen Union an EU-Gesetzgebung mitarbeiten, waren die besten Verbündeten der Telekom-Konzerne. Man muss da nicht an Zufall glauben.

Besonders bitter: Die Änderungen beim Roaming wurden im gleichen Gesetz verhandelt wie die Netzneutralität. Bei beiden haben die Telekom-Unternehmen weitgehend ihren Willen bekommen: An teuren Auslandstelefonaten verdienen sie noch mindestens zwei Jahre lang, durch die Einschränkung der Netzneutralität könnten sich ganz neue Geschäfte für sie auftun.

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