Panik in Hamburg!

Es ist zwar mitten im Juli, aber unangenehm kalt und nass an diesem Abend in Hamburg. In der Nähe des Hauptbahnhofes stehen kleine Grüppchen unter dem Vordach des Elektronikmarktes. Einige trinken Bier. Würden nicht alle angespannt auf ihr Handy starren, könnte man denken, die Leute suchen hier nur Zuflucht vor dem Nieselregen.

Doch sie haben etwas vor: "Pokémon Go" spielen. In einer halben Stunde soll hier eine Nachtwanderung beginnen, viele sind extra dafür angereist. Organisiert wurde das Event über Facebook, mehr als 3400 Menschen hatten sich angekündigt. Gekommen sind nur ein paar Hundert, Schuld daran ist nicht nur das miese Wetter.

Denn ausgerechnet an diesem Tag sind die Server des Spiels überlastet und offline, weil seit Samstag in 26 anderen Ländern der Welt ebenfalls ganz offiziell Pokémon mit dem Handy gefangen werden dürfen.

Manche murmeln schon, das könne ja alles nichts mehr werden, bald würden sie aufgeben und nach Hause gehen. Andere schauen hoffnungsvoll auf ihr Handy, auf die Fehlermeldung beim Login-Versuch, man startet die App neu. Und wieder neu. Nichts.

Um 19.30 Uhr, pünktlich zum Veranstaltungsbeginn, geht ein Raunen durch die Menge: Plötzlich sind sie wieder da, die Server. Und mit ihnen die gute Stimmung. Irgendjemand zaubert ein Megafon hervor, animiert die Meute. Eben noch stand man in Grüppchen schüchtern beieinander, plötzlich singen Hunderte gemeinsam den Titelsong der alten Anime-Serie.

In der Slideshow: Der Hype um Pokémon Go
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"Pokémon Go hat diesen Effekt, man lernt dadurch Leute kennen, die man vorher vielleicht nicht angesprochen hätte", erzählt Philip. Eigentlich sind er und sein Kumpel Florian für den Schlagermove nach Hamburg gereist. Doch als sie von der Nachtwanderung hörten, änderten sie ihren Plan.

"Wir haben im Zug ein paar Leute wiedergetroffen, die wir diese Woche beim Spielen kennengelernt haben", freuen sich die beiden. Auch Thamy aus Rotenburg ist begeistert: "Schon früher auf dem Schulhof haben wir alle zusammen die Sammelkarten getauscht. Pokémon ist einfach Kult."

Auch Frauen lieben das Spiel – und Männer akzeptieren das, obwohl viele sonst eher negativ auf "Girl Gamer" reagieren. Eine tolle Besonderheit von Pokémon Go. "Diese Atmosphäre ist unbeschreiblich", sagt Dennis. "Das ist einfach ein total soziales Spiel."

Nach einer halben Stunde lässt endlich der Regen nach und gemeinsam gehen eben noch Unbekannte Richtung Rathaus, um sich um Arenen zu zanken, Pokestops zu besuchen und seltene Pokémon zu jagen.

Und ja, auch beim gemeinsamen Spiel konzentriert sich jeder meist auf das eigene Handy, denn: Soziale Features wie den Tausch von Pokémon oder den direkten Kampf hat Hersteller Niantic noch nicht integriert. Trotzdem: Bei jedem Fang jubeln die Trainer, fangen sich zustimmende Blicke und Schulterklopfer ein.

Gegen 22 Uhr zerfasert die Gruppe, einige bleiben zurück, andere ziehen weiter zum Park Planten un Blomen, um dort seltene Pokemon zu suchen.

Zwar stürzen auch in der Nacht die Server immer mal wieder ab, die Spieler sind trotzdem begeistert. "Super geil", fasste später ein Teilnehmer bei Facebook zusammen. Egal ob man jetzt zum roten, blauen oder gelben Team gehört, ist man sich einig: Das wird wiederholt.

Schon am Montag soll eine neue Nachtwanderung stattfinden. Dann hoffentlich mit besserem Wetter.

Alle reden von Pokémon Go – und plötzlich kriegst du den Titelsong der Pokémon-Serie nicht mehr aus dem Kopf? In diesem Quiz kannst du testen, wie textsicher du noch bist.

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