Was ist Peeple?

Auf Peeple soll man die Persönlichkeit von Bekannten, (Ex-)Freunden und Kollegen bewerten können. "Yelp für Menschen", wird Peeple bereits genannt. Eigentlich kommt die App erst im November raus, dennoch gibt es bereits Kritik an der Idee. Gründerin Julia Condray und die Peeple-Macherinnen aus San Francisco müssen sich folgendes anhören:

Kann man wirklich über jeden schreiben?

Zumindest über jeden, der über 21 ist und das auch auf seinem Facebook-Profil angibt. Außerdem muss die Handynummer der bewerteten Person angeben, damit die eine Nachricht bekommt. Dann kann aber jeder über jeden kommentieren. Sowohl die Namen der Kommentatoren als auch der Bewerteten sind für alle öffentlich – und auch, ob sie sich aus einem privaten, persönlichen oder romantischen Zusammenhang kennen.

Die Macherinnen wehren sich gegen den Vorwurf, eine Plattform für Cyber-Mobbing zu schaffen: Jeder könne bösartige Kommentare melden, die nach einer Prüfung von den Betreibern gelöscht werden können. Wie gut das selbst einem Weltkonzern wie Facebook gelingt, weiß man spätestens, seitdem rechte Horden dort gegen Flüchtlinge hetzen.

Außerdem werde eine negative Bewertung auf "Peeple" nicht sofort freigeschaltet, sagen die beiden Gründerinnen. Man habe 48 Stunden Zeit, in der man sich mit dem Kommentator aussprechen könne.

Warum gruselt uns das?

"Charakter ist Schicksal" heißt es diabolisch auf der Peeple-Website. Sollten die fiesen Ex-Kollegen wirklich Schiedsrichter spielen? Wer wird wohl eher eine Peeple-Bewertung über dich posten: Der sanftmütige Ex-Freund, der deine Entscheidung respektiert? Oder der wütende Troll, der es "der Schlampe noch mal richtig geben will"?

Sogar die Verzögerung der Hasskommentare könnte die Folgen der App noch verschlimmern: Man kann sich die zwei Tage, nachdem sich die Ex-Kollegen zum Shitstorm verabredet haben, ja mal plastisch vorstellen. Sie bietet eine wunderbare Chance für rachsüchtige Verlassene, den (noch) guten Ruf des Ex-Partners zwei Tage lang als Geisel zu nehmen, um Zuneigung zu erpressen. Und solange nichts veröffentlicht ist, ist es wohl auch noch kein justiziabler Rufmord.

Sogar wenn Peeple-Gründerin Julia Cordray versucht, die guten Seiten des Rating-Portals zu betonen, klingt das grässlich: „Die Menschen recherchieren intensiv, bevor sie ein Auto kaufen. (…) Warum sollte man das gleiche nicht auch in anderen Bereichen des Lebens tun?“, sagt sie der "Washington Post".

Also, Frau Cordray, ich versuch es mal so: Menschen sind keine Autos. Oder Restaurants. Wie liebevoll und empathisch jemand ist, lässt sich schwerer in 1-5 Sternen zusammenfassen, als wie labberig die Pommes waren.

Aber wenn Sie es drauf anlegen: 1 Stern gibts von mir: Offenbar ziemlich empathielose Person, die drauf und dran ist, ein anti-soziales Netzwerk in die Welt zu setzen. Und die auf Kritik mit trotzigen Allgemeinplätzen reagiert.

Aber vielleicht tue ich Ihnen ja Unrecht. Schreiben Sie mir doch mal. Sie haben 48 Stunden.

In Deutschland haben vier Freunde eine App für anonyme Sprüche gestartet - wie sie mit Hass und Trollen umgehen, lest ihr hier.