Freuzeit, Folge 6: Online-Auktionen sind jetzt der heißeste Marktplatz

Sonntag ist eigentlich der Tag für Flohmarkt – für Stöbern, Schätze und Schnäppchen. Solange aber alle wegen Corona brav zu Hause bleiben, gibt es eine Alternative: Online-Auktionen. Nein, nicht Ebay, sondern die Live-Übertragungen echter Versteigerungen von Auktionshäusern. Gerade jetzt (aber auch sonst) streamen viele Auktionshäuser live im Internet – und durch den Menschen mit dem Holzhämmerchen hat das auch online Eventcharakter.

Online-Auktionen für alle!

Auktionen müssen kein Hobby von reichen alten Damen sein. Natürlich gibt es Luxus-Auktionshäuser, aber eben auch kleine Häuser, bei denen es viele Schnäppchen gibt. Man kann günstige Antiquitäten ersteigern – einen Beistelltisch aus der Gründerzeit für 40 Euro, eine Biedermeier-Kommode für 120 Euro – oder genauso nützliche, kuriose und einfach nur schöne Dinge wie auf dem Flohmarkt. Es ist ein verwirrend-gutes Gefühl, das Wunschobjekt nicht einfach kaufen zu können, sondern es erst gewinnen zu müssen. Wer nicht gleich mitsteigern will, kann auch bloß "bummeln" und sich vom Livestream berieseln lassen.

Freuzeit

Wer sich selbst und seine Mitmenschen nicht gefährden möchte, geht zur Zeit nur nach draußen, wenn es sein muss. Aber was macht man eigentlich, wenn man alle Serien durchgeguckt hat? In dieser Reihe sammeln wir Tipps und Hinweise, für die Freizeitgestaltung zu Hause. Ein unterschätzter Podcast, ein DIY-Projekt, ein Spiel, eine Buchreihe? Du hast eine gute Idee? Schreib uns an fuehlen@bento.de.

Wie funktioniert das?

Weltweit ist Invaluable das größte Portal für Online-Auktionen, für Deutschland empfehle ich Lot-tissimo. Dort sind rund 300 der etwa 400 deutschen Auktionshäuser versammelt, dazu ein paar aus weiteren europäischen Ländern. Diese stellen dort ihre Kataloge ein, die kannst du durchblättern oder gleich nach deinem Wunschobjekt suchen. Die Webseite ist übersichtlich und selbsterklärend. Fast jeden Tag finden Live-Auktionen statt. Viele Häuser streamen das Geschehen im Saal – auch, wenn dort zurzeit nur ein Auktionator sitzt und ein paar Menschen, die Computer und Telefone bedienen. Trotzdem macht es mit Stream deutlich mehr Spaß.

Bieten kannst du vorab mit einem schriftlichen Maximalgebot (ähnlich wie bei Ebay), oder live am Telefon oder über die Website. Dort erscheint jeder Artikel auf dem Bildschirm, der gerade angeboten wird – als würde jedes Flohmarkt-Teil einzeln an dir vorbeigetragen und du musst nur die Hand heben, wenn du es haben willst. Ganz schön praktisch – diesen Service kriegt sonst nur Horst Lichter. Aber Achtung, ein Artikel ist meist nur wenige Sekunden lang verfügbar, es geht alles sehr viel schneller, als man anfänglich glaubt. Der Preis steigt mit jedem neuen Gebot, üblich sind Schritte von zehn Prozent.

Anders als auf dem Flohmarkt kannst du dir die Artikel in Ruhe anschauen, ohne, dass dir jemand etwas aufschwatzt. Zudem kannst du die zum Teil sehr spannenden Bietergefechte der anderen live mitverfolgen. Kaufen muss niemand, der sich zur Live-Auktion anmeldet. Gucken kostet nichts, genau wie auf dem Flohmarkt. Aber der "Bieten"-Button ist verbindlich und manchmal doch sehr verführerisch einfach zu bedienen. Gerade im Rausch des Biet-Adrenalins. Deshalb: Setz dir vorsichtshalber immer ein Limit und behalte dabei auch das Aufgeld im Blick, das bei jeder Auktion am Ende noch hinzukommt.  

Hätte es dieser große deutsche Dichter ohne eine Online-Auktion in das Wohnzimmer der Autorin geschafft? Vermutlich nicht.

(Bild: privat)

Das macht dir Spaß, wenn du sonst...

... gern auf Flohmärkten bummelst, aber dir das soziale Drumherum Schwierigkeiten macht. Gucken verpflichtet nicht zum Kauf, Gefeilsche gibt es hier zwar auch – allerdings geht das immer weiter rauf und niemand trifft sich mit dir in der Mitte. Am Ende wirst du noch beglückwünscht, denn du hast schließlich gekämpft und gewonnen. Schnäppchenjägerinnen können dicke Beute machen, denn nicht selten bist du als Einzige an einem Objekt interessiert und bekommst es zum Limitpreis, der meist unter dem eigentlichen Wert liegt.

Wie lange kann ich mich damit beschäftigen?

Bis die Augen viereckig werden oder dein Konto leer ist. Denn Live-Auktionen gibt es jeden Tag irgendwo. Auch wenn dich nichts so sehr interessiert, dass du es kaufen möchtest, ist es spannend, Auktionen live zu verfolgen. Sie haben auf jeden Fall Eventcharakter und das nicht nur in einer Zeit, in der keine Events stattfinden dürfen. Und wenn Corona vorbei ist, bist du dann schon ein echter Profi und bereit für deine erste Auktion als Saalbieter vor Ort, ganz ohne Berührungsangst.

Hilft es gegen Einsamkeit?

Bei Auktionen, die live gestreamt werden, auf jeden Fall. Du bestaunst gemeinsam mit Auktionsfans die Objekte und der Auktionator vermittelt dir das Gefühl, ganz nah dabei zu sein. Bei Auktionshäusern, die auf Kameras und Mikros verzichten, ist eine Auktion nur Online-Shopping mit einer Extraportion Adrenalin.

Hier noch ein paar wichtige Auktions-Vokabeln für den Start:

Bieternummer: Das ist die Nummer, die dir bei der Anmeldung für eine Auktion zugeteilt wird, damit alles anonym bleibt. Wenn du ein Los gewinnst, wird sie genannt und notiert.

Los oder Lot heißen die einzelnen angebotenen Artikel.

Rufpreis oder Limit ist der Preis, den der Auktionator als erstes für ein Los nennt und der dann mindestens geboten werden muss. Der kann sich decken mit oder unterscheiden vom

Schätzpreis des Loses. Nicht jedes Auktionshaus gibt einen an und selbst wenn, liegen die Zuschlagpreise oft weit darunter oder auch weit darüber.

Zuschlag bedeutet: Das Los geht zum letztgenannten Preis weg. Aber Vorsicht: Zum Zuschlagspreis, auch Hammerpreis genannt, kommt immer noch das

Aufgeld: Zwischen 15 und 30 Prozent – je nach Haus – kommt am Ende noch auf den Hammerpreis drauf. Vorher also immer einmal nachrechnen, wie weit du gehen willst. Falls du über das Portal bietest, bekommt auch das nochmal drei Prozent, das kannst du vermeiden, indem du per Telefon mitbietest.

"Ist bei mir" sagt der Auktionator, wenn es schriftliche Vorgebote für ein Los gibt, er bietet stellvertretend bis zum Maximalgebot der Interessenten mit.

Abschließende Punktebewertung:

Spaß: 4/5 – So aufregend das Neue an Live-Auktionen zunächst ist und so spannend die Objekte sind, die du selbst ins Auge gefasst hast – so öde kann es sein, wenn vor dem Objekt deiner Begierde erstmal eine Stunde lang alte Briefmarkensammlungen versteigert werden. Deshalb ein Punkt Abzug.

Lernfaktor: 4/5 – Du machst dich mit dem Auktionsgeschäft vertraut und kannst einiges über Kunstgeschichte lernen. Und natürlich kannst du viel besser bei "Bares für Rares" klugscheißern.

Gemeinschaftsgefühl: 3/5 – Du kämpfst mit Menschen, die du nicht siehst, um etwas, das jemand live anpreist, der ebenfalls woanders ist. Aber wenn du es bekommst, sagt er deine Bieternummer in die Kamera und "Herzlichen Glückwunsch". Hach.

Social-Media-tauglich: 3/5 – Natürlich kannst du eine Live-Story von deiner Lieblingsauktion machen oder deine gewonnenen neuen Schätze fotografieren und teilen.


Fühlen

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