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"Es geht nicht um Sex, wirklich"

Wer wissen will, wie sich der Sex der Zukunft anfühlt, muss nach Düsseldorf fahren. Denn im dortigen NRW-Forum gibt es derzeit einen Darkroom, der voller Sexroboter sein soll. Wer will, darf sie auch ausprobieren, berichtet der WDR. Der Raum ist Teil des zweitägigen Digitalfestivals "META Marathon". Das Ausstellungsgebäude hat rund um die Uhr geöffnet, 42 Stunden am Stück. Wer will, kann zwischen Robotern auf einem Feldbett schlafen, mit ihnen "leben, lieben, feiern und arbeiten", wie die Veranstalter schreiben.

Bilder von vor Ort zeigen (aus dem beleuchteten Teil des Festivals) unbeholfen mit Robotern flirtende Besucher und eindrucksvoll benannte Sexmaschinen wie den "Nekropneum Fuckenbrust Neckhammer 40k", der offenbar die Vorzüge von dicken Silikonbrüsten und hydraulik-betriebenen Riesendildos an einem Ort verbinden soll. 

Sieht so die Zukunft aus?

Was auf christlich-konservative Politiker vermutlich wie ein mit EU-Mitteln geförderter Skandalversuch wirkt, soll in Wirklichkeit konstruktive Debatten ermöglichen. Das "META Marathon"-Festival versteht sich als Plattform für Künstlerinnen und Künstler, Forscherinnen und Forscher – und für Menschen, die gerne einmal mit Robotern schmusen möchten.

Doch neben den Sex- und Kuschelrobotern gibt es auf dem Festival auch Maschinen, die Cocktails mixen, Nägel lackieren oder Orchester dirigieren können. Besonders stolz sind die Organisatoren aber auf den Auftritt von "Sophia". 

Der humanoide Roboter eines Hongkonger Unternehmens soll in Düsseldorf zwei Diskussionsveranstaltungen moderieren. "Sophia" imitiert menschliche Gestik und Mimik, versteht einfache Frage und kann Smalltalk über das Wetter führen. Der allerdings selbst mit Schauspieler Will Smith eher gruselig wirkt:

Für überzeugende Flirts reicht das zwar vermutlich noch nicht, doch zumindest Politiker ließen sich in der Vergangenheit immer wieder ehrfürchtig mit "Sophia" fotografieren. Saudi-Arabien verlieh ihr 2017 symbolisch als erstem Roboter die Staatsbürgerschaft. Und:

Sophia hat schon Angela Merkel die Hand geschüttelt.
Irit Bahle, NRW-Forum Düsseldorf (WDR)

In Wirklichkeit geht es nicht um Sex mit Maschinen, sondern etwas viel grundsätzlicheres

Doch auch, wenn das Lachen, Weinen und Liebemachen mit Robotern für viel Aufmerksamkeit sorgt, geht es auf der "META Marathon" zwischen all den Kabeln und Sensoren eigentlich um etwas ganz anderes: Wie wollen wir in Zukunft leben? 

Einmal angenommen, Sexroboter in Darkrooms sind wirklich unsere Zukunft: Wäre es dann ein erstrebenswertes Ziel, so Sex zu haben? Würden wir es genießen, keine Verantwortung mehr übernehmen zu müssen und uns unseren Fantasien hingeben zu können? Oder wäre es einfach trauriges Masturbationshandwerk, das diejenigen trösten soll, die bei Mitmenschen einfach keine Chance mehr haben? 

Die Frage nach der Macht von Robotern ist immer auch eine Frage nach der Macht zwischen Menschen. 

Wer bestimmt eigentlich, wie wir in Zukunft leben? Um das zu diskutieren, kann man in Düsseldorf noch bis Sonntag an die Roboter-Bar gehen. Oder in den Darkroom. Wie viele Besucher dort bereits drin waren, konnten die Veranstalter der "META Marathon" bis Samstagnachmittag übrigens noch nicht sagen.


Food

Warum Himalaya-Salz, Goji-Beeren und Noni-Saft aus dem Biomarkt teurer Unsinn sind
Fünf Produkte aus dem Biomarkt, die du dir sparen kannst

Wer sich bewusst ernähren möchte – für die eigene Gesundheit und die Umwelt – landet beim Lebensmitteleinkauf schnell in Biomärkten. Die Produkte, die es hier gibt, müssen ja besonders gesund, frei von Pestiziden und fair gehandelt sein, denkt man.

Vielen werden solche Wunder-Wirkungen nachgesagt, dass es ans Esoterische grenzt: Salz, das einen von innen reinigt, Früchte, die Tumore zurückbilden sollen, Bienensekret, das Energie gibt. Klar, dass diese Produkte dann auch besonders teuer sind.

Dass die Versprechen oft Unsinn sind, zeigt sich unter anderem am Beispiel Himalaya-Salz.

Ein Biomarkt in Leipzig hat – auf mehrfachen Kundenwunsch – das aus den Regalen verbannte Himalaya-Salz wieder ins Sortiment aufgenommen (Kölner Stadtanzeiger). Allerdings nicht, ohne seine Kunden über einige Hintergründe zu dem Produkt aufzuklären: Das Salz stamme überhaupt nicht aus dem Himalaya. Und "Himalaya"-Salz sei auch nicht gesünder als andere Steinsalze. Nur teurer.