"Schock und Schreie bei Lidl!"

Diese Schlagzeile mit der Aufnahme einer Menschenmenge vor einem Lidl geistert auf Facebook umher. Das Foto ist zumindest echt geklaut: Es stammt von einer Lidl-Eröffnung in Polen im November 2014. Aber die angebliche Aktion, wegen der die Menschen den Supermarkt stürmen: ausgedacht. Fake.

Früher haben die Blender auf wesentlich einfachere Art und Weise Facebook-Nutzer getäuscht, in dem sie angeblichen H&M- oder Rewe-Gutscheine verlosten. Nun geben sie sich nicht mehr mit der Nennung einer Marke zufrieden, sondern schreiben außerdem noch gefälschten Nachrichtenartikel:

Ein Klick auf den Facebook-Beitrag brachte Nutzer auf einen Artikel, der angeblich von Zeit Online stammen soll. Titel: "Chaos durch größte Werbeaktion in der Geschichte von Lidl". In dem Artikel wird eine Lidl-Werbeaktion beschrieben und ein dubioses Gutschein-Gewinnspiel beworben.

Mittlerweile schickt Facebook klickende Nutzer auf die echte Lidl-Seite. Aber das heißt nicht, dass die Betrüger ihre Masche so schnell aufgeben.

So wird das Gewinnspiel angepriesen:

Die Aktion ist zeitlich begrenzt gültig, nur solange der Vorrat reicht. Wenn Sie das lesen, ist es wahrscheinlich schon zu spät. Möchten Sie wissen, ob Sie auch teilnahmeberechtigt sind, müssen Sie die folgenden Schritte durchführen:
1. Besuchen Sie die offizielle Website: Lidl Gutschein-Aktion.
2. Die Lidl-Gutscheine sind gültig bis zum 3. August 2016, die Anzahl ist begrenzt.
3. Die Gutscheine werden Ihnen kostenlos zugeschickt, in der Regel am nächsten (Arbeits-)Tag. Sie können möglicherweise die Gutscheine auch bei einem Lidl in Ihrer Nähe abholen.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um Zeit Online, das hier irgendwelche Gutschein-Gewinnspielchen bewirbt.

Die dargestellte Webseite unter der Adresse nachrichten247.com ist eine dreiste, jedoch gut gemachte Fälschung. Es handelt sich hierbei nicht um einen Artikel von Zeit Online.

Die ganze Show, inklusive der gefakten Kommentare auf der Seite, ist Teil einer eher hinterhältigen Lockstrategie: Die gefälschten Angaben und geklauten Bilder sollen ein Gutschein-Gewinnspiele ankurbeln, wie man sie immer wieder auf Facebook findet. Als Veranstalter wird eine Firma in Bulgarien genannt.

Was dahinter steckt

Es geht hier um sogenannte “Lead-Generierung”, also um die Erstellung von Datensätzen zu einer Person. Name, Adresse, Alter, Interessen, Telefonnummern und so weiter. Je mehr Informationen in einem solchen Datensatz stecken, desto höher ist sein Verkaufswert.

Richtig: sein Verkaufswert. Denn diese Daten werden gehandelt. Wer an dieser Art von Gewinnspielen teil nimmt, schenkt einer Firma seine Daten – und die räumt sich weitgehende Rechte ein. Was anschließend mit den Daten passiert, lässt sich nicht mehr kontrollieren.

Wie man den Fake erkennt
  1. Die Facebook-Seite, von der die Nachricht geteilt wird, ist unbekannt und hat nur etwas über 100 Likes.
  2. Der angebliche Artikel sieht zwar nach Zeit Online aus, aber die Adresse beginnt nicht mit http://www.zeit.de.

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Gerechtigkeit

In Rostock verhindern Bürger eine Asylunterkunft – drei Protokolle vom Geschehen

Die Stadt Rostock hat entschieden, eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge zu schließen – und die Eröffnung einer geplanten zweiten Unterkunft für Familien abzusagen. Der Grund: Sicherheitsbedenken (SPIEGEL ONLINE). Im Netz bejubelten die einen die Entscheidung, andere bewerten sie als Kapitulation der Politik vor "besorgten Bürgern".

Beide Unterkünfte hätten Flüchtlinge im Stadtteil Groß-Klein untergebracht, einer Plattenbausiedlung neben dem Stadtteil Lichtenhagen. Lichtenhagen genießt bereits traurige Berühmtheit: Dort hatten im Sommer 1992 Hunderte Randalierer mehrere Tage lang eine Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für Vietnamesen angegriffen. (Der NDR mit einer Chronologie der Ereignisse).

Auch in Groß-Klein war es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Anwohnern gekommen. Eine organisierte Truppe von etwa 15 Rechtsextremisten habe mehrfach Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht, sagte der Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn zu bento.