Bild: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Es gibt eine Möglichkeit, die Drosselung zu umgehen.

Vor wenigen Tagen hatte Apple einen Pressebericht bestätigt, laut dem der Konzern die Leistung von älteren iPhones per Update gedrosselt habe. Nun haben Verbraucher in den USA deshalb Klagen eingereicht.

Worum geht es genau?
  • Einige Nutzer werfen Apple vor, die Geräte bewusst langsamer zu machen, um die Kunden zum Kauf aktueller Modelle zu bewegen.
  • Apple hatte dagegen mitgeteilt, dass bei älteren iPhone-Modellen hohe Leistungen gedrosselt werden, um den Akku zu schonen – zum Wohle der Verbraucher.

Wer klagt?

  • Zwei iPhone-Besitzer aus Los Angeles haben am Donnerstag im US-Bundesstaat Kalifornien eine Sammelklage gegen Apple eingereicht. Sie fordern Schadensersatz von dem Konzern aus Cupertino. Laut Klageschrift habe Apple "absichtlich eingegriffen, um die Leistung zu verringern" und daher hätten die Kläger "nicht das erhalten, wofür sie gezahlt haben". Nach eigenen Angaben haben die Kläger sowohl das iPhone 7 als auch ältere Modelle benutzt.
  • In einer weiteren Klage vom gleichen Tag fordern fünf Kunden vor einem US-Bundesbezirksgericht in Illinois eine Entschädigung von Apple. In der Begründung der Kläger heißt es, Apple habe mit "Software-Updates absichtlich die Leistung des iPhone 5, des iPhone 6, einiger iPhones 7 sowie bisher unbekannter iPhone-Modelle verlangsamt oder gedrosselt". Dieses Vorgehen von Apple sei unter anderem "trügerisch" und "unmoralisch".
Was droht Apple?

Es handelt sich dabei um Sammelklagen, wie sie in Deutschland in dieser Form nicht möglich sind. Das bedeutet: Bei einer Niederlage müsste Apple nicht nur die Kläger entschädigen, sondern auch andere Kunden in den USA, die ein betroffenes iPhone besitzen.

Laut Klage seien das Kunden in mehreren Bundesstaaten, die ihre älteren iPhones aufgrund der schwachen Leistung durch ein neueres ersetzt haben – ohne von Apple informiert worden zu sein, dass ein schwacher Akku der Grund für den Leistungseinbruch ist.

Es geht in beiden Fällen um viel Geld. In den Gerichtsunterlagen gehen die Kläger aufgrund der großen Anzahl an iPhone-Besitzern davon aus, dass der Streitwert die Summe von jeweils fünf Millionen Dollar übersteigt.

(Bild: dpa)

Wie wehrt sich Apple?

Grund für den Frust der Kunden ist vor allem die mangelhafte Informationspolitik des Konzerns. Denn erst nach massiven Beschwerden der Kunden unter anderem bei Reddit hat Apple mitgeteilt, dass Modelle per Software ausgebremst werden, wenn etwa der Akku zu alt ist, kaum noch geladen ist oder bei sehr niedrigen Temperaturen genutzt wird.

Der Konzern wehrt sich gegen den Vorwurf, Kunden durch die Drosselung zum Kauf eines neuen iPhones zu motivieren. Es gehe vielmehr darum, alte Akkus nicht zu sehr zu strapazieren – und die Geräte auch nach vielen Jahren funktionsfähig zu halten.

Gegenüber dem Onlineportal "Techcrunch" hatte Apple in einem offiziellen Statement zugegeben, dass die Geschwindigkeit älterer iPhone-Modelle bei Belastungsspitzen ausgebremst werde. Der Grund dafür sei, dass ältere Lithium-Ionen-Akkus davor geschützt werden sollen, bei kurzfristig erhöhtem Stromverbrauch überlastet zu werden.

Wie kann ich die Drosselung umgehen?

Da die Akkus nach einiger Zeit nicht mehr so leistungsfähig seien, könne eine Leistungsspitze dazu führen, dass die Geräte sich einfach unerwartet abschalten. Nach Hersteller-Angaben haben die Akkus in der Regel nach 500 Ladezyklen nur noch 80 Prozent der Leistung.

Wer auch nach mehreren Jahren die volle Leistung aus seinem iPhone herausholen möchte, kann die Software-Bremse offenbar umgehen, wie Reddit-Nutzer berichten: Bei ihnen sei das iPhone wieder mit besserer Leistung gelaufen, nachdem sie den Akku schlicht ausgetauscht hätten.

Woran erkenne ich, dass mein iPhone gedrosselt wird?
  • Ob es Zeit für einen neuen Akku ist, wird übrigens seit der iOS-Version 10.2.1 in den iPhone-Einstellungen unter "Batterie" angezeigt.
  • Wer dort den Hinweis "Die iPhone-Batterie muss möglicherweise gewartet werden" liest, der muss damit rechnen, dass die Spitzenleistung seines Geräts nachlässt.
  • Dann sollte man seinen Akku entweder selbst tauschen oder von einem Profi auswechseln lassen.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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