Sind Webdienste wie Facebook und Google schuld daran, dass Donald Trump der immer wieder mit Lügen um Wählerstimmen buhlte, US-Präsident werden wird? Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte, er persönlich denke, die Vorstellung sei "ziemlich verrückt", dass Falschmeldungen auf Facebook "die Wahl in irgendeiner Weise beeinflusst" hätten. Hat er recht?

Oder redet sich Zuckerberg einfach raus und stellt den Einfluss seines Netzwerkes geringer dar, als er tatsächlich ist? Während über den Einfluss von Algorithmen und Netzwerkfunktionen wohl noch lange geforscht und diskutiert wird, ist klar:

Neben den Netzwerken sind vor allem Nutzer selbst dafür verantwortlich, dass Fake-News darin so präsent sind – wie zum Beispiel die vermeintliche Nachricht, der Papst habe zur Wahl Trumps aufgerufen.

Trump hatte im Wahlkampf einmal geraten: "Vergesst die Presse, lest das Internet."

Im Folgenden geben wir sieben Tipps, wie man Falschmeldungen oder Foto-Fakes selbst entlarven kann.
1. Ist die Quelle seriös?

Stößt man auf eine spektakuläre Nachricht, sollte man zunächst prüfen, auf welcher Quelle sie beruht. Bei einer Falschmeldung des "Denver Guardian" zu den Demokraten-E-Mails hätte es schon gereicht, den Namen des Mediums zu googeln. Einen "Denver Guardian" gibt es nämlich nicht, wie die "Denver Post", eine real existierende Zeitung, klarstellte.

Seriöse Nachrichtenseiten haben ein Impressum und verschleiern nicht, wer sie betreibt.

Interessant ist auch, was eine Seite bislang so veröffentlicht hat. Ist eine spektakuläre Nachricht vielleicht der erste Beitrag überhaupt? Gibt es die angeblich traditionsreiche Seite möglicherweise erst seit einer Woche? Oder postet die Seite sonst offenkundig blödsinnige Nachrichten?

Hat man den Kontext im Blick, entdeckt man auch Satire-Postings leichter.

Seit Jahren zum Beispiel kommt es vor, dass Internetnutzer "Postillon"-Meldungen für bare Münze nehmen. Die Website verspricht zwar "ehrliche Nachrichten – unabhängig, schnell, seit 1845", veröffentlicht aber Quatschmeldungen wie "Katastrophenschutz warnt: Werwölfe heute Nacht bis zu 15 Prozent größer". Ähnliches gilt für "Die Tagespresse", die sich als "Österreichs seriöseste Onlinezeitung" bezeichnet.

Neben Satire-Seiten gibt es Websites, die mit erfundenen Nachrichten Besucher locken wollen, um über Anzeigen Geld zu verdienen.

Die US-Aufklärungswebsite "Snopes" listet diverse solcher vermeintlicher Nachrichtenangebote auf, darunter etwa "World News Daily Report" und "National Report". Bei Twitter-Accounts sollte man überprüfen, ob ein Tweet wirklich von dem Account kommt, von dem man es annimmt.

2. Was steht wirklich im Artikel - und was nur in der Vorschau?

Gerade bei aggressiv verkauften Artikeln lohnt es sich, im Original-Artikel nachzuschauen, ob der kleine Vorschauschnipsel auf den Artikel und der eigentliche Inhalt zusammenpassen:

Steht die Sensation überhaupt im Text?

Jeder Facebook-Nutzer, der eine Seite betreibt oder eine Community managt, kann beim Posten eines fremden Artikels auch die Überschrift und den Einleitungstext ändern.

Aus aktuellem Anlass: So leicht kann man Überschriften von Medienberichten auf Facebook verfälschen.

Posted by Fabian Reinbold on Thursday, 7 April 2016

Hier zum Beispiel haben wir einen SPIEGEL-ONLINE-Artikel mit der Überschrift "Kristina Schröder zieht sich aus Bundespolitik zurück" mal anders verpackt. Wir hätten auch Quatsch schreiben können wie "Kristina Schröder begeistert von Trumps Frauenbild".

Merken würde man das als Facebook-Nutzer erst beim Klick auf den Artikel.

3. Wo kommt die Information her?

Seriös arbeitende Journalisten machen deutlich, wo ihre Informationen herkommen. Wenn etwa über eine Studie berichtet wird, sollte diese genau genannt oder verlinkt sein.

Und wenn man ein anderes Medium zitiert, kann man auch einfach einen Link setzen.

Bei Medien wie SPIEGEL ONLINE steht am Ende von Meldungen übrigens oft ein Hinweis wie "dpa", "Reuters" oder "AFP". Dieses Kürzel zeigt an, dass die Meldung oder ein Teil ihrer Informationen von einer Nachrichtenagentur stammt. Meldungen aus Agenturen lassen sich nicht immer verlinken.

Wenn es schon Quellen-Erwähnungen oder -Links gibt, lohnt es sich bei kontroversen Meldungen oft, sich durchzuklicken, bis man irgendwann bei der Ursprungsquelle ankommt. Manchmal ist sie uralt oder wird falsch wiedergegeben, was nicht immer böswillig geschehen muss: So kann es zum Beispiel Übersetzungsfehler geben. Wie der Quellencheck konkret aussehen kann, zeigt zum Beispiel dieses Video vom Kanal "Die besorgte Bürgerin":

Seiten wie "We Watch Fake Anonymous" konnten mit teils simplem Quellenaufrufen immer wieder Behauptungen der mittlerweile gelöschten Facebook-Hetzseite "Anonymous.Kollektiv" widerlegen.

4. Falle ich gerade auf einen Fake-Klassiker rein?

Viele Falschmeldungen kursieren monate- oder jahrelang durchs Netz - und trotzdem gibt es immer wieder Nutzer, die darauf reinfallen. Das gilt zum Beispiel für Aufrufe, bei denen behauptet wird, per Bild-Posting könne man den Facebook-AGB widersprechen.

Oft reicht es schon, Stichworte einer Meldung mit dem Zusatz "Fake" ins Google-Suchfeld zu packen. Aufklärungsseiten wie "Mimikama" und "Emergent" und Medienkritik-Portale wie "Übermedien" und das "BILDblog" haben schon über viele wiederkehrende Falschmeldungen berichtet.

Viele aufregende Geschichten entlarven sich per simplem Googlen auch als Urban Legends, als Großstadtmythen.

Das gilt für manche angebliche Horrornachricht rund um Flüchtlinge - wie die "Hoaxmap" zeigt -, aber auch für viele Anekdoten, die jemand von einem ungenannten Dritten gehört haben will, etwa die Geschichte vom Hund, der im Kaufhaus stirbt.

5. Ist die Information wirklich brisant?

Vorsicht ist auch dann geboten, wenn als Quelle nebulös ein Leak angegeben wird. Nur, weil etwa eine E-Mail nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, heißt dass nicht, dass sich darin automatisch eine spektakuläre Enthüllung verbirgt.

Bei Reddit und in anderen Internetforen wurde kürzlich in allerlei Beiträgen, vor allem aus dem Umfeld von Trump-Fans, auf eine von WikiLeaks veröffentlichte E-Mail verwiesen. Dabei wurde mitunter suggeriert, Hillary Clintons Wahlkampfleiter würde sich in der Nachricht kritisch über Deutschlands Umgang mit der Flüchtlingskrise äußern. Ein Klick auf die Quelle beweist aber: Die E-Mail wurde an den Mitarbeiter Clintons geschickt, nicht von ihm.

Auch wenn viele Blogs und Foren eine Nachricht diskutieren – und kein etabliertes Medium –, hat man nicht unbedingt einen Beleg für "Lügenpresse"-Vorwürfe gefunden. Eins von vielen Gegenbeispielen für diese These findet sich etwa bei "Mimikama".

6. Zeigt ein Foto wirklich, was es zeigt?

Gerade kurz nach Naturkatastrophen oder Gewalttaten machen häufig auch Foto-Fakes die Runde. Viele Menschen suchen dann nach Bildern und bekommen zum Beispiel alte Fotos von anderen Ereignissen vorgesetzt.

Vier Schritte – die wir hier detaillierter erklären – können helfen, solche Fakes zu entlarven: von der Bilder-Rückwärtssuche bis hin zum Check der Bildinhalte auf Plausibilität.

7. Kann man anderen Nutzern helfen?

Haben Sie einen Fake entlarvt, kann es nie schaden, andere Internetnutzer an der Erkenntnis teilhaben zu lassen und beispielsweise einen Erklärlink als Kommentar unter ein dubioses Facebook-Posting zu setzen. Bei Facebook sollten Sie auch versuchen, Fake-News zu melden. In einem Untermenü der Meldeoption kann man sogar explizit angeben, dass es sich möglicherweise um eine gefälschte Nachricht handelt.

Und auch wenn die Deutschen aktuell das Gefühl haben könnten, dass in den USA vor allem das Trump-Lager mit Lügen gearbeitet hat: Fakes gibt es aus allen politischen Lagern, immer wieder. So ist etwa eines der bekanntesten Anti-Trump-Postings der letzten Tage Quatsch: ein angebliches Zitat von 1998 aus dem "People"-Magazin, in dem der Bald-Präsident die Republikaner als "dümmste Wählergruppe" des Landes kritisiert.

"Snopes" hatte schon im Herbst 2015 aufgeklärt, dass diese angebliche Äußerung Trumps nie in "People" erschienen ist.

Einmal Googlen hätte gereicht.

Dieser Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.


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So würden Disney-Charaktere im echten Leben aussehen

Kaum ist er draußen, bricht der Trailer zu Disneys Realverfilmung "Die Schöne und das Biest" einen Rekord: 127,6-millionenmal wurde der Trailer innerhalb der ersten 24 Stunden angesehen – damit ist er erfolgreicher als "Fifty Shades Darker" (114 Millionen Aufrufe) und "Star Wars: The Force Awakens" (112 Millionen Aufrufe).

Die Geschichte: Ein verfluchter, entstellter Prinz wartet in einem Märchenschloss auf Erlösung – in diesem Fall in Form von Emma Watson. Hier kannst du dir den Clip noch einmal ansehen.

Warum interessiert das so viele Menschen? Vermutlich, weil es nostalgische Gefühle an den Zeichentrickfilm von 1991 weckt – und weil es Spaß macht, die Figuren "in echt" zusehen. (Und natürlich: Emma Watson!)

Der finnische Grafikdesigner Jirka Väätäinen hat 2011 ein Projekt gestartet, was die märchenhaftem Disney-Charaktere ein kleines bisschen real werden lässt.

Hier kannst du dir eine Auswahl seiner Bilder anschauen: