Bild: Instagram/chiaraferragni
Erst in verständlicher Sprache wird klar, wie problematisch sie sind.

Verstanden? Nein? Ich auch nicht. Das ist ein Abschnitt der AGB von Instagram. Ein Satz, 102 Wörter.

Jeder Instagram-Nutzer hat den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt, nur wenige dürften sie gelesen und vollends verstanden haben.

Dabei wäre das hilfreich, denn in dem 12-seitigen Anwaltsdeutsch verstecken sich wichtige Hinweise.

  • Instagram gibt ganz offen zu, dass Werbung nicht immer als solche erkennbar sein muss.
  • Instagram gibt auch zu, dass die Firma deinen Account jederzeit sperren kann. Ohne Angabe von Gründen.
  • Oder dir deinen Nutzernamen wegnehmen kann. Auch ohne Angaben von Gründen.
  • Und Instagram beschreibt auch, welche deiner Daten wie verwendet werden dürfen.

Um das zu verstehen, ist es allerdings hilfreich, mindestens sechs Semester Jura studiert oder viel zu viel Zeit zu haben. Nicht immer drückt sich Instagram in den AGB kompliziert aus. Allerdings schreckt schon die Länge ab.

Die Anwältin Jenny Afia hilft uns nun. Sie ist Mitglied in der Arbeitsgruppe "Growing Up Digital" der britischen Kinderbeauftragten und hat die AGB in einfacher Sprache zusammengefasst.

Jetzt passen die AGB auf eine Seite und sind lesbar.

Jenny Afia richtet sich damit in erster Linie an die vielen Jugendlichen, die Instagram nutzen. Auch Erwachsenen würde allerdings wohl erst durch so eine Übersetzung auf den ersten Blick klar, dass die Bedingungen durchaus problematisch sind.

Ein paar Beispiele aus der Zusammenfassung von Jenny Afia:

  • Offiziell gehören deine Bilder und Videos dir, aber wir dürfen sie nutzen und sie auch andere auf der ganzen Welt nutzen lassen. Andere Leute bezahlen uns möglicherweise für die Nutzung, aber dich werden wir dafür nicht bezahlen.
  • Du bist für die Informationen verantwortlich, die du auf Instagram postest. Aber wir können deine persönlichen Infos speichern, nutzen und an andere Unternehmen weitergeben. Darunter fallen: Name, E-Mail-Adresse, Schule, Wohnort, Bilder, Telefonnummer, Likes und Dislikes, wo du wohnst, wohin du gehst, wer deine Freunde sind, wie oft du Instagram benutzt und jede weitere persönliche Information, die wir finden können – zum Beispiel dein Geburtsdatum, deine Chatpartner und deine privaten Nachrichten.
  • Wir können dir Werbung anzeigen, die auf deinen Interessen basiert. Das kannst du nicht verhindern und es wird nicht immer klar sein, dass es Werbung ist.
  • Wir können dich dazu zwingen, deinen Nutzernamen aufzugeben. Aus jedem beliebigen Grund.
  • Wir können deinen Instagram-Zugang jederzeit sperren, aus jedem beliebigen Grund und ohne vorherige Ankündigung.
  • Wir können deine Posts und andere Inhalte löschen. Ohne es dir mitzuteilen. Wenn wir das tun, bekommst du keine Entschädigung und du hast kein Recht, dich zu beschweren.
  • Posts oder Accounts, die gegen diese Regeln verstoßen, können wir blockieren, verändern oder löschen, wir müssen das aber nicht. Wir sind nicht dafür verantwortlich, wenn jemand gegen die Regeln verstößt; aber wenn du das tust, bist du verantwortlich.

Hier kannst du die gesamte Übersetzung im englischen Original als PDF sehen (Seite 10).

Nochmal im Klartext: Alle Blogger tragen plötzlich die gleichen Schuhe oder Sonnenbrilen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die gerade neu auf dem Markt sind und die Blogger nicht für die Schuhe bezahlt haben, sondern Geld dafür bekommen, sie euch anzupreisen – möglicherweise, ohne euch darauf hinzuweisen. Dieses Recht behält sich Instagram vor, so steht es auch in den AGB.

Nicht immer merkt man das. Nur selten ist es so offensichtlich wie einst bei Naomi Campbell. Die kopierte sogar die Anrede der Nachricht eines Adidas-Mitarbeiters mit in die Bildunterschrift (mehr dazu bei bento).

Jemand postet Hasskommentare unter deine Fotos? Instagram kann die löschen und tut das womöglich auch, fühlt sich aber nicht dazu verpflichtet.

Um solche Details zu verstehen, wäre also eine einfache und klare Aufbereitung sinnvoll. Die britische Kinderbeauftragte hat ihre Regierung nun aufgefordert, Dienste wie Instagram gesetzlich zu verpflichten, ihre AGB verständlich aufzuschreiben. Auch in der EU soll es 2018 eine entsprechende Richtlinie geben (Fluter).


Haha

Das ist das Bekloppteste, was du mit Excel machen kannst
145.678, 145.679, 145.680

Gegen Langeweile kann man Sinnvolles tun: Für Freunde kochen, laufen gehen, eine Serie streamen. Oder man drückt stundenlang einen Pfeil auf der Computertastatur.