Die App will wahr machen, was "Elitepartner" nur verspricht.

Seit Menschen herausgefunden haben, dass man im Internet nicht nur Katzenbilder angucken und USB-Sticks bestellen kann, wird es vor allem auch zu einem Zweck genutzt: Online-Dating.

Der Markt für Dating-Apps ist inzwischen ziemlich gesättigt – und trotzdem versuchen Anbieter immer wieder, mit alternativen Konzepten den Platzhirschen wie Tinder oder Parship die Nutzerinnen und Nutzer abzuwerben.

Einer dieser alternativen Anbieter ist "The Inner Circle": eine App, die eigenen Angaben zufolge "ehrgeizige, ähnlich denkende Menschen" in Kontakt bringen soll. Qualität statt Quantität, so das Leitmotto.

So unterhaltend es auch ist, links oder rechts zu swipen – die Wahrheit ist, dass die meisten Profile wahllos und nicht ansprechend sind.
Von der Website von "Inner Circle"

Um sicherzugehen, dass auch wirklich nur die Exklusivsten der Exklusiven die App nutzen können, "kuratieren und genehmigen wir jedes Mitglied", so das Versprechen der Macher. Profile aus privaten und beruflichen Netzwerken werden dazu gecheckt, heißt es, und für jeden, der aufgenommen werde, ein anderer abgelehnt.

"The Inner Circle" gibt es schon länger, doch bisher konzentrierte sich das Unternehmen vor allem auf den US-Markt (Business Insider). Nun wirbt es auch offensiv in Deutschland – seit einigen Wochen ist mein Instagram-Feed voll mit den Anzeigen für die App.

Schwarzweißbilder von Männern in teuren Anzügen und noch teureren Autos – der Kampagne nach zu urteilen will "Inner Circle" wahr machen, was "Elitepartner" nur verspricht.

Zeit, zu testen, ob die App das tatsächlich halten kann.

Die Registrierung 

Als ich mich anmelde, habe ich tatsächlich kurz Angst, dass ich für den "Inner Circle" nicht gut genug bin. Was, wenn die Leute bei ihrem Background-Check bemerken, dass ich zuhause am liebsten Jogginghose trage und sich mein Monatsgehalt nur im vierstelligen Bereich bewegt? 

Ich grüble schon darüber nach, welches Bild ich für meine "Bewerbung" verwenden soll, als ich merke, dass eigentlich alles ganz einfach ist: Anmelden kann ich mich über meinen Facebook oder LinkedIn-Account. Ich entscheide mich für mein – nicht besonders aussagekräftiges – Facebook-Profil, drücke auf "Registrieren".

Jetzt beginnt die kritische Phase, denke ich. 

Was ich mir vorstelle: Dass die Profiler und Internetdetektive in den "Inner Circle"-Hauptquartieren anhand meiner Instagram-Fotos überprüfen, dass ich auch wirklich Moët trinke statt Monster.

Was wirklich passiert: Innerhalb von zehn Minuten wird meine Registrierung genehmigt. Es gab schon Situationen, in denen es für mich schwieriger war, in eine Großraumdisco zu kommen. Falls also überhaupt eine Überprüfung der Anmeldungen stattfindet, kann sie nicht besonders gründlich sein. 

Das Profil

Um wirklich im Elite-Dating-Club mitzuspielen, muss ich noch ein paar Informationen angeben: 

  • ein Bild (um einen guten Eindruck zu machen, nehme ich eines, auf dem ich zumindest ordentlich gekämmt bin),
  • mein Geburtsdatum,
  • einen Job (auch wenn ich befürchte, dass "Redakteurin" für die meisten "Inner Circler" nach Arbeitsamt klingt).

Alles andere im Profil ist optional – die Möglichkeiten aber vielfältig:

  • Tags zum Beispiel, mit denen man sich als Vegetarier, Filmfan oder Tanzmaschine ausweisen kann,
  • Größe, Körperform,
  • und Kinder.

Und zuletzt darf es dann schon gerne etwas elitärer werden:

  • Studienabschlüsse, besuchte Hochschulen, Branche,
  • Lieblingsstädte und Länder,
  • Empfehlungen von Restaurants oder Bars.

Als Frau kann ich nur nach Männern suchen – LGBT-Dating könne "The Inner Circle" aktuell noch nicht anbieten, heißt es in den FAQs.

Die App

In der App werde ich von einer Reihe von Profilen von Männern in meiner Umgebung begrüßt, durch die ich mich durchklicken kann. Die Oberfläche ist dabei recht übersichtlich. Anders als zum Beispiel auf Tinder muss man nicht sofort entscheiden, ob einem jemand gefällt.

Falls etwas dabei ist, gibt es drei Möglichkeiten: Ich kann jemandem eine Nachricht schicken, ihm "zuzwinkern" (was mir spontan ähnlich latent übergriffig vorkommt wie "anstupsen" oder gar "gruscheln"), oder aber, höchste Eskalationsstufe, ihn "liken". 

Liket der andere mich auch, bekommen wir einen Match – und der Luxushochzeit in St. Tropez steht nichts mehr im Wege. Zumindest theoretisch.

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Die Anderen

Beim Durchscrollen merke ich schnell: Die Männer auf "Inner Circle" präsentieren sich tatsächlich anders als auf anderen Datingportalen. 

Ich sehe Anzüge statt Surfershorts, Hochglanzfotos statt Spiegelselfies, Segelboote statt Rennräder. Die "Inner Circle"-Nutzer reden gerne von ihrer Arbeit (Work hard, play hard. Oder halt: Work hard, work hard.) Falls sie doch mal frei haben, hängen sie in exklusiven Cocktail-Bars ab – oder auf dem Golfplatz. Obwohl ihre Hobbys sich anhören wie die des durchschnittlichen Klischee-Zahnarztes, haben sie durchweg Jobs mit englischen Bezeichnungen. 

Mein Eindruck: Wer einen gut frisierten Mann mit Hornbrille, Gewinnbeteiligungen und dunkelgrauem Mercedes sucht, freut sich bestimmt über die Auswahl bei "Inner Circle". Ich persönlich habe allerdings eher Schwierigkeiten, unter den Senior Consultants und Marketing Managern jemanden auszumachen, der mir sympathisch ist.

Die Kontaktaufnahme

Weil der Test sonst keinen Spaß macht, überwinde ich mich trotzdem und interagiere mit ein paar Menschen. Marcel soll beispielsweise Arzt sein (ein Job, unter dem ich mir was vorstellen kann!), und unter all seinem Gel lächelt Josef ja eigentlich ganz nett.

Ich like mal hier, mal da, sende ein "Hallo" und ja, ich zwinkere sogar. Dann lege ich das Telefon weg – und warte ab.

Die große Enttäuschung

Als ich ein paar Stunden später wieder nachschaue, hat sich tatsächlich einiges getan – ich habe neue Profilbesuche, Nachrichten. Allerdings: Kann ich nichts davon anschauen. 

Erst jetzt wird mir klar, dass die wirkliche Exklusivität von Inner Circle darin liegt, dass die interessanten Funktionen nur zahlenden Kunden vorbehalten sind. Oder denen, die die App aggressiv in ihrem Freundeskreis bewerben.


Um eine einzige Nachricht zu lesen, müsste ich zwei Freunde überreden, sich auch im Inner Circle anzumelden, oder aber ein Abonnement abschließen. Fünf Euro soll das kosten, für welchen Zeitraum, wird auf der Bezahlseite nicht klar.

Und mir ist es dann auch egal – denn spätestens jetzt habe ich die Lust auf den inneren Zirkel verloren.

In Vorkasse zu gehen für Männer, von denen ich nicht einmal weiß, ob ich mit ihnen reden will, sehe ich nicht ein. 

Und wenn "Qualität" beim Daten gleichbedeutend mit dem Posen mit teuren Fortbewegungsmitteln ist, setze ich vielleicht doch lieber auf Quantität. Denn Vielfalt ist mir lieber als geschniegelte Langeweile.


Today

Das ist kein Handy, sondern eine Pistole – und damit ein Problem
In den USA wird sie bereits eifrig beworben.

Es liegt gut in der Hand, das schlanke Design erinnert an ein iPhone. Auf dem Rücken ist eine Kamera angebracht – mit der man perfekte Selfies machen könnte. 

Könnte. 

Selfies machen kann man mit dem Ding aber nicht – denn es ist zum Schießen gedacht.