"Hmmm" oder "Godlike"?

Ob man jemanden attraktiv findet, hat mit Geschmack zu tun. Doch die Technische Hochschule Zürich (ETH) setzt nun lieber auf künstliche Intelligenz. "It's getting hot!" lautet die Botschaft, sobald man auf der Webseite faces.eth.ch ein Foto von sich hochlädt. Anhand eines Algorithmus wird dann Alter, Geschlecht und Attraktivität der Person bemessen.

Die Bewertungsskala geht von “Hmm”, “Ok”, über “Nice”, “Hot” bis hin zu “Stunning” und “Godlike”. Laut einer Mitteilung der ETH haben in den ersten zwölf Stunden bereits mehr als eine Millionen Menschen weltweit das Tool ausprobiert. Dass die Seite weiterhin gut besucht wird, beweist eine Fehlermeldung: Weil die Server überbelastet sind blinkt manchmal ein "Sorry we can't handle your hotness" auf.

Woraus berechnet sich das Attraktivitätsniveau?

Der Algorithmus bezieht sich auf die Daten, die das Start-Up Blinq über seine Dating App erfasst hat: Durch die Hi-oder-Bye-Bewertung der User wurde jedem Bild ein Attraktivitätsniveau zugewiesen. Das hochgeladene Bild wird mit über 13.000 Profilfotos und den dazugehörigen 17 Millionen Bewertungen verglichen. Zudem wurden für den Datenvergleich auch Fotos von verschiedenen Prominenten hinzugezogen. Dass dabei manchmal fragwürdige Ergebnisse entstehen, ist auf Twitter unter dem Hashtag #howhot zu begutachten:

Was steckt dahinter?

Bei all dem Spaß, den das Tool mit sich bringt, übersieht man leicht, was wirklich hinter dem Projekt steckt: Das Computer Vision Lab der Züricher Hochschule präsentiert parallel die Ergebnisse zweier Studien, die zeigen, auf welchen Erkenntnissen die Datenauswertung der Seite beruht und wie genau die Gesichtserkennungs-Software funktioniert.

Die ETH-Entwickler Rasmus Rothe, Radu Timofte und Luc van Gool schreiben dort unter anderem auch, von einem Test mit den populären Instagram-Filtern "X-Pro II" und "Valencia". Diese erhöhen laut den Wissenschaftlern die Chance als “hot” wahrgenommen zu werden. Der Selbsttest mit der Redaktions-Barbie und Videoredakteur Franz zeigt: Der Algorithmus lässt sich teilweise tatsächlich durch die Instagram-Filter austricksen.

Der "Valencia-Filter" (Mitte) steigert bei der Barbie den Hottness-Wert. "X-Pro II" hingegen verjüngt nur.
Hier verjüngt der "Valencia"-Filter (Mitte) um ein Jahr, der "X-Pro II"-Filter senkt hingegen die Attraktivität.

"Habt Spaß"

Wie 20min.ch berichtet, ist die Webseite ein Test, um herauszufinden, ob eine solche Funktion bei den Blinq-Nutzern auf Interesse stößt. Verläuft der Test positiv, soll die Funktion in die Dating App integriert werden. Die Nutzer könnten, dann mehrere Fotos hochladen und die App würde ihnen sagen welches Foto am besten ankommt.

Wie ernst die Bewertungen tatsächlich zu nehmen sind, darüber gibt die Seite selbst Auskunft: Sie weist daraufhin, dass Attraktivität etwas sehr Subjektives ist und sich von Kultur zu Kultur unterscheidet. Stattdessen rät die Seite "Habt Spaß und nehmt die Ergebnisse nicht zu ernst."

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