Bild: EPA / Rhona Wise

Im US-Wahlkampf werden traditionell alle Register gezogen. Neben teuren Fernseh- und Radiowerbespots, Plakat- und Social-Media-Kampagnen setzen beide Lager dabei auch immer mehr auf Apps und Spiele. Das Wahlkampfteam von Hillary Clinton hat nun eine App herausgebracht, die Unterstützer mit einem spielerischen Ansatz zu mehr Engagement im Wahlkampf bewegen soll.

"Hillary 2016" heißt das iPhone-Spiel. Es wurde von Programmieren, die auch an Farmville mitgearbeitet haben, zusammen mit ehemaligen Mitarbeitern der Dreamworks Studios ("Kung Fu Panda", "Shrek") entworfen. (TechCrunch)

In dem Spiel geht es darum, seine eigene Wahlkampfzentrale durch tägliche Aufgaben auszubauen und zu verschönern. Wer in der App Quizze beantwortet, bei Wahlkampf-Veranstaltungen und Reden "eincheckt" oder Freunde wirbt, erhält dann Punkte, Medaillen und sogar Fan-Geschenke, wie zum Beispiel signierte Autogrammkarten.

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Warum funktioniert so etwas?

Der Ansatz, der diese eigentlich langweiligen Tätigkeiten spannend machen soll, nennt sich "Gamification". Das Wort kommt, klar, von "Game". So nennt man es, wenn auf monotone Tätigkeiten die Mechanismen von Videospielen angewendet werden. Denn diese halten den Spieler bei Laune, indem sie ihn nach jeder vollbrachten Heldenleistung mit Erfahrungspunkten, Achievements oder Level-Aufstiegen belohnen. Und das motiviert, selbst wenn man dafür das 3000. Monster verhauen muss. (Harvard Business Manager)

If you want creative workers, give them enough time to play.
John Cleese

Gamification hat in den letzten Jahren einen wahren Boom erlebt, hunderte Online-Kurse, Studiengänge und Weiterbildungen gibt es inzwischen alleine auf dem deutschen Markt. Anwendung findet das Konzept zum Beispiel in der Industrie, etwa bei großen Anlagen, die fast nur von Robotern bearbeitet werden. Damit den Menschen, die dann nur noch hier und da einen Knopf drücken müssen, nicht langweilig wird, werden die Prozesse für sie spielerisch "aufgehübscht". (FAZ)

Das funktioniert, weil Gamification offenbar bestimmte Triebe des Menschen anspricht, vor allem den Drang nach einem höheren Status (Medaillen) und Erfolg (Punkte). (badgeville)

Die lustige Merkel-App?

In der Politik wirkt das dennoch ein wenig eigentümlich, zumindest durch die deutsche Brille. Man stelle sich einmal vor, Leute würden ernsthaft eine lustige "Angela Merkel 2017 App" verwenden. Was sollte man da tun? Seine eigene CDU-Wahlkampfzentrale mit Kuckucksuhren und Gartenzwergen verschönern? Einmal am Tag mit Horst Seehofer boxen? In einem Quiz raten, zu welchem Thema sich die Kanzlerin bisher nicht geäußert hat? Kleine Gabriels in einem schwarz-roten Pokéball fangen? Ist Frauke Petry der Endgegner?

Andererseits ist Gamification in der Politik, in Schule, Kultur und politischer Bildung seit Jahren auf dem Vormarsch. Auch das Abstimmungssystem der Piratenpartei, "Liquid Feedback", enthält spielerische Komponenten. Alexander Lange, der Chef des Berliner Computermuseums, sagte dazu: "Ziel ist, lust- und effektvollere Teilhabe- und Mitbestimmungsmöglichkeiten zu etablieren." (SPIEGEL)

Die großen Bundestagsparteien nutzen bereits Apps, um Informationen weiterzugeben. Diese sind aber noch eher "trocken". Hier und da wird auch ein Quiz eingestreut (beispielsweise bei der Linken), aber der große, politische Farmville-Klon blieb uns bisher erspart. In der tatsächlich existierenden Merkel-App (die zum letzten Bundestagswahlkampf genutzt wurde) konnten Wahlkampfhelfer ihre gelaufenen Schritte zählen und neu gewonnene Kontakte speichern.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland jemand auf die Idee kommt, im Wahlkampf ein "richtiges Spiel" einzusetzen. Hoffentlich müssen wir uns dann nicht fremdschämen.

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