Bild: Hasnain Kazim
Die 16-Jährige aus Wien zählt nun zu einflussreichsten Teenagern der Welt – und wird gehasst.

Alles begann mit einem Chat. Als sich Rayouf Alhumedhi vergangenes Jahr mit zwei Freundinnen unterhielt und die beiden ein Emoji nutzten, das ihnen ähnlich sah, suchte Rayouf vergeblich nach einem Bild, das zu ihr passt. "Es gab keins", sagt sie. "Kein Mädchen mit Kopftuch."

Wieso ist das Kopftuch so wichtig? "Weil ich eines trage", antwortet Rayouf. "Und ganz ehrlich: Ich trage es freiwillig und gern. Viele Leute in meiner Schule kennen mich nur als das Mädchen mit dem Kopftuch."

Rayouf – cremefarbenes Kopftuch, weißes Sweatshirt, Jeans, silberfarbene Sneakers – ist 16 und lebt in Wien. Sie ist die Tochter eines Diplomaten aus Saudi-Arabien, ihre Geschichte erzählt sie in der Cafeteria der Vienna International School.

Der Traum vom Emoji wurde Wirklichkeit

Nachdem sie sich in keinem Emoji wiederfand, wurde Rayouf aktiv, sie wollte das ändern. Auf eine Anfrage an Apple erhielt sie zwar keine Antwort. Im Internet erfuhr sie aber, was sie zu tun hatte. Sie schrieb das Unicode-Konsortium an, das die Standards für Schriftzeichen – und eben auch Emoji - festlegt. 

In dem Gremium sitzen die wichtigsten Technikfirmen der Welt wie Google, Apple und Microsoft. Dort fand man Gefallen an dem Vorschlag und der Person dahinter.

Rayouf fand einflussreiche Fürsprecher, darunter Alexis Ohanian, US-Investor und Mitbegründer der Nachrichtenplattform Reddit, der sich für Vielfalt im Netz einsetzt. Man stellte eine Kampagne auf die Beine und bat Rayouf, einen Vorschlag für ein Bild einzureichen. Sie wurde nach San Francisco eingeladen, um ihre Idee vorzustellen, kam mit Journalisten in Kontakt.

(Bild: Rayouf Alhumedhi)

Das war vor gut einem Jahr. Seit Anfang November, seit einem Update des Apple-Betriebssystems iOS, ist Rayoufs Traum vom passenden Emoji nun Wirklichkeit: Jetzt lässt sich im Chat ein Mädchen mit violettem Kopftuch posten.

In der Liste des "Time"-Magazins

Das "Time"-Magazin rief sie an und teilte ihr mit, man habe sie in diesem Jahr zu den 30 einflussreichsten Teenagern der Welt erkoren, ob sie etwas dagegen habe. Rayouf lacht. "Was hätte ich sagen sollen? 'Nein, ich will keinen Einfluss!'?" Die Liste wurde diesen Monat veröffentlicht – und Rayoufs Welt steht seither kopf.

Journalisten aus aller Welt wollen jetzt mit ihr sprechen, sie treffen, filmen, fotografieren. "In den zurückliegenden Wochen habe ich etwa 50 oder 60 Interviews gegeben", sagt sie. Die österreichische Tageszeitung "Die Presse" nennt sie "Wiener Teenagerin, weltberühmt".

Tausende Menschen schicken ihr Nachrichten und feiern sie für ihr Engagement. Sie kramt ihr Handy hervor, klickt auf Instagram und zeigt ihren Posteingang. "Thank you!!!", schreibt da jemand. "We love you, Rayouf!", jemand anderes. Dutzende Nachrichten gehen täglich bei ihr ein. Es sind vor allem junge Musliminnen, die sich bei ihr bedanken.

Rayouf, die neben Arabisch ein sehr amerikanisches Englisch spricht - ihr Deutsch hält sie für nicht ausreichend akzentfrei, weshalb sie sich scheut, es zu sprechen -, weiß trotz ihrer Jugend genau, dass es um viel mehr geht als um ein Emoji. Mehr als nur um das Bildchen eines Kopftuch tragenden Mädchens, das man jetzt per Smartphone verschicken kann.

Es geht darum, dass ich und viele andere Frauen sich jetzt in diesem Bereich repräsentiert fühlen.
Rayouf Alhumedhi

"Es geht darum, dass ich und viele andere Frauen sich jetzt in diesem Bereich repräsentiert fühlen", sagt sie. "Es gibt mehr als eine halbe Milliarde Frauen auf der Welt, die ihren Kopf bedecken. Für sie gab es bislang kein Emoji. Aber auch sie nutzen das Internet und Smartphones, also ist es doch prima, dass es jetzt auch für sie ein Symbol gibt, mit dem sie sich identifizieren können", sagt Rayouf. 

Im Netz äußern viele aber auch Bedenken.

Das Emoji verharmlose die "Islamisierung der Gesellschaft", es stelle das Kopftuch als Normalität für junge Mädchen und sogar Kinder dar, heißt es zum Beispiel.

Rayouf sieht sich auch mit Hasskommentaren konfrontiert, spätestens, seit Johann Gudenus, Politiker der rechtspopulistischen FPÖ und Vizebürgermeister von Wien, die Nachricht von der "Time"-Magazin-Liste auf seiner Facebook-Seite mit dem Kommentar "Irrsinn" versah. Am Tag darauf teilte Gudenus die Nachricht von einer achtjährigen Kindsbraut, die in ihrer Hochzeitsnacht verblutet war, mit dem Kommentar "Aber Hauptsache manche freuen sich über ein Emoji mit Kopftuch...".

"Österreicher brauchen und wollen keine Islammode!", postet jemand. "Wir wollen diese Fetzenpinguine nicht!", schreibt ein anderer Internetnutzer. "Ab nach Hause!", heißt es in vielen Varianten. Selbst vor Vergewaltigungsfantasien und Morddrohungen scheuen manche nicht zurück.

Was macht das mit einer 16-Jährigen? Sie zuckt mit den Schultern. "Ach, ich weiß ja, dass das Kopftuch ein umstrittenes Thema ist. Ich bestreite gar nicht, dass es Unterdrückung gibt und dass sich vieles ändern muss. Aber bin ich nicht genau das Gegenteil von dem Bild, das viele vom unterdrückten islamischen Mädchen aus Saudi-Arabien haben?"

Als sie das fragt, leuchten ihre Augen. Rayouf sagt, ihr genüge es, wenn sich viele Menschen über das Emoji freuten. "Ich hoffe, dass es den Leuten zeigt, dass die Wahrheit komplizierter ist."

Rayouf ist sich bewusst, dass sie einer Elite angehört und sich Freiheiten erlauben kann – als Diplomatentochter, geboren nahe der saudischen Hauptstadt Riad. Dort ist sie die ersten sieben Jahre aufgewachsen, dann folgten die Einschulung in Wien und Jahre in Berlin, dann die Rückkehr nach Österreich

"Es gibt Veränderungen in meinem Heimatland - langsam, aber es gibt sie", sagt sie. "Man darf nicht vergessen, dass Saudi-Arabien ein vergleichsweise junges Land ist."

Versteht sie sich selbst als Botschafterin ihres Landes? Oder des Islam? Sie lacht und schüttelt den Kopf. "Ich bin nur Botschafterin meiner selbst."

Nach dem Abitur wolle sie gern Informatik studieren, in England vielleicht oder in den USA, erzählt sie. Aber dann wolle sie unbedingt wieder nach Saudi-Arabien und dort mit ihren Computerkenntnissen als Aktivistin arbeiten und die Gesellschaft verändern. 

Ihr Ziel sei es, Vorurteile zu bekämpfen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Haha

"Saturday Night Live" zeigt, welche Geister Donald Trump heimsuchen
Und Alec Baldwin ist natürlich wie immer: großartig.

Mit den neuesten Problemen von Donald Trump Schritt zu halten, ist gar nicht so einfach.

  • Mal retweetet er IS-Propaganda-Videos, die er irgendwo auf Twitter entdeckt hat;
  • mal nennt er eine Senatorin Pocahontas – vermutlich, weil sie nach eigener Aussage von amerikanischen Ureinwohnern abstammt;
  • und ständig ist da die Frage, wie sehr ihm Wladimir Putin im Wahlkampf geholfen hat – und ob Trump davon wusste. 

Aber zum Glück gibt es ja "Saturday Night Live". Wie fast jede Woche hat Alec Baldwin auch diesen Samstagabend Donald Trump auf die Schippe genommen. Ganz nebenbei fasst die Show natürlich auch zusammen, wer oder was Donald Trump gerade besonders in Bedrängnis bringt. Dieses Mal ließen die Macher der Show die Geister erscheinen, die Donald Trump derzeit heimsuchen dürften, wenn er alleine im Oval Office sitzt.