Als Google auf seiner I/O-Konferenz im Mai zwei neue Chat-Apps ankündigte, war Allo der Star. Gesteuert von künstlicher Intelligenz soll die neue Messenger-App beispielsweise automatisch passende Antworten auf neue Nachrichten formulieren und etwa bei der Wahl eines Restaurants behilflich sein können. Über die Videochat-App Duo gab es dagegen weniger zu sagen. Zuerst veröffentlicht wurde nun aber Duo.

Ab Dienstag soll die Software für iOS und Android verfügbar sein – am Vormittag war sie allerdings noch nicht in den deutschen App-Stores von Apple und Google erschienen.

Wir konnten die App bereits vorab testen. Was dabei sofort auffällt, ist die Schlichtheit der App. Nach dem Start wird der größte Teil des Bildschirms vom Bild der Selfie-Kamera eingenommen. Darunter befindet sich ein großer Knopf mit der Bezeichnung "Videoanruf", mehr Bedienelemente gibt es zunächst nicht.

1. Kein Login nötig

Eine namentliche Registrierung oder ein Google-Login sind nicht nötig, um die App nutzen zu können. Stattdessen gibt man seine Mobilfunknummer ein, die Google mithilfe einer SMS verifiziert. Der Vorteil dieses Verfahrens: Man muss weder ein eigenes Telefonbuch für die neue Videochat-App anlegen, noch irgendein Online-Adressbuch dafür pflegen, sondern benutzt einfach das Telefonbuch seines Handys.

Dort werden automatisch alle Kontakte angezeigt, die bereits Duo nutzen. Zum Testzeitpunkt waren das nur sehr wenige. Freunden und Bekannten, die Duo noch nicht haben, kann man per Knopfdruck eine Einladungs-SMS senden lassen.

2. Bitte Lächeln!

Eine besondere Funktion von Duo wird erst sichtbar, wenn man von der App aus angerufen wird. Statt nur den Namen des Anrufers anzuzeigen, bringt die App ein Live-Vorschaubild des Anrufers. Auf Android-Smartphones erscheint das Bild sogar auf dem Sperrbildschirm.

Google erhofft sich von dieser "Kuckuck" genannten Funktion einen freundlicheren Einstieg in Videochats. Wer sein Gegenüber bereits vor Gesprächsbeginn sieht, so die These, wird ihm eher mit einem Lächeln gegenübertreten.

3. Zur Not gibt es nur Ton

Ob man dieses Lächeln sehen kann, hängt freilich von der verfügbaren Bandbreite ab. Je nachdem, ob man mit dem Handy in einem schnellen WLAN oder per LTE, UMTS oder gar bloß EDGE in ein Mobilfunknetz eingeloggt ist, wird die Videoqualität angepasst.

Beim Testen konnten wir schon eine Verringerung der Videoqualität feststellen, wenn wir innerhalb der Redaktion in Ecken gingen, die schlechter von WLAN erfasst werden. Verbindungsabbrüche gab es aber nicht, nicht einmal, wenn wir vom WLAN ins Mobilnetz wechselten. Geht die Bandbreite noch weiter zurück, soll der Videostream zugunsten der Audioübertragung gestoppt werden. So bleibt man wenigstens in Verbindung, auch wenn man einander nicht mehr sehen kann.

4. Duo kann ganz wenig ganz gut

Funktionell kann es Googles Duo weder mit Microsofts Skype noch mit Apples Facetime aufnehmen. Beide Konkurrenzprodukte bieten viel mehr Möglichkeiten. Gruppenchats beispielsweise sind mit Duo nicht möglich. Ebenso wenig gibt es PC- oder Mac-Versionen der neuen App. Das Rad hat Google mit Duo also nicht neu erfunden.

Dafür haben die Entwickler des Internetkonzerns Videochats so einfach wie normale Telefonanrufe gemacht. Alles was stören oder den Anwender verwirren könnte, wurde weggelassen. Genau darin liegt der Charme von Duo: Die App kann nur eine Sache, aber die kann sie gut.

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Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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