Ein verwunschener Wald, irgendwo im Nichts. Eine Landschaft so schön, dass man ständig Screenshots machen möchte.

In "Firewatch" spielt man einen Typen namens Henry, der in der einsamen Wildnis von Wyoming nach Waldbränden Ausschau hält. Seine einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Funkgerät. Am anderen Ende ist Delilah, die ebenfalls einen Feuer-Warnposten besetzt, ein paar Kilometer entfernt.

Es könnte so nett sein. Aber irgendwelche Idioten schießen Feuerwerksraketen ab. Das geht natürlich nicht.

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Das Stückchen Wildnis, in dem Henry herumläuft, ist schwer zu durchqueren. Felsen versperren den Weg, Licht und Farben sorgen für Abwechslung. Morgens gibt es noch tiefliegenden Nebel, gegen Abend taucht die Sonne alles in ein goldenes Licht – wäre da nicht Delilah am Funkgerät, könnte man jede Menge Zeit einfach nur herumlaufen und die Natur anschauen.

Aber erstmal gilt es, die Störenfriede zurechtzuweisen. Henry findet zwei betrunkene Teenager, die nackt in einem See baden. Er grumpt sie an, dann ist Ruhe.

Eigentlich ist Henry ein armer Tropf, dessen junge Frau Alzheimer bekommen hat und vor sich hinvegetiert. Oft erkennt sie ihn gar nicht mehr. Henry flieht in die Wildnis und ärgert sich darüber, dass er seine Frau im Stich lässt. Unsicher ist er, etwas stämmig, kein durchtrainierter Actionheld.

So viel sei verraten: Natürlich stimmt mit dem Wald etwas nicht. Tage vergehen, manchmal Wochen, in denen die betörende Landschaft von "Firewatch" zunehmend unheimlich und schließlich bedrohlich wirkt. Obwohl das Spiel eher ruhig angelegt ist, entfalten die mysteriösen Vorkommnisse schnell einen beklemmenden Sog.

Ist Henry wirklich alleine in der Wildnis? Kann er Delilah eigentlich vertrauen?

Als Spieler kann man sich aussuchen, was man der Aufpasserstimme alles über das Funkgerät berichtet – aber das war es dann schon fast mit der Freiheit, "Firewatch" will schließlich eine Geschichte erzählen. Auch wenn es erst so aussieht, als könnte man sich in der Natur völlig frei bewegen: Die Pfade, auf denen Henry durch die Wildnis stapft und klettert, sind weitgehend vorgegeben.

Bevor man sich darüber zu sehr ärgern kann, lenkt einen "Firewatch" aber mit schrecklich-schönen Naturbildern ab. Fünf bis sechs Stunden lassen sich mit dem Spiel verbringen, dann ist Schluss. Henry stolpert durch die Einsamkeit und findet dabei viel über sich und das Leben heraus. Auch wenn die Erzählung letztlich vielleicht zu wünschen übrig lässt, ist "Firewatch" ein faszinierendes kleines Abenteuer.

"Firewatch" gibt es für rund 20 Euro über Steam für PS4, Mac, PC und Linux. Auf einem zwei Jahre alten iMac muss man die Auflösung kräftig runterschrauben, dann läuft es aber einigermaßen ruckelfrei.

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