Bild: Square Enix

"Final Fantasy" ist für mich DAS Urgestein des Rollenspielgenres. Gigantische Welten, zwiegespaltene Helden und epische Geschichten über Verlust und Selbstopferung sind die Markenzeichen der japanischen Videospielreihe.

Seit 1987 versucht "Final Fantasy", sich immer wieder neu zu erfinden – ohne dabei die riesige Anzahl von Fans zu verprellen. Das ist aber, bei so viel Experimentierfreude, nicht immer gelungen. Der mittlerweile 15. Ableger des Spiels ist für diesen November angekündigt.

Für bento durfte ich jetzt eine erste Vorabversion von "Final Fantasy XV" für mehrere Stunden testen und mir eine eigene Meinung bilden, ob es den hohen Erwartungen nach zehn Jahren Entwicklungszeit gerecht wird.

Über den Autor

Sebastian Maas spielt Final Fantasy seit Teil VII, das ihm damals eine komplett neue Welt eröffnete. Denn wer vorher nur Jump'n'Runs kannte, wurde hier plötzlich extrem gefordert: Die Story über die Zerstörung der Natur, die sich über vieeeele Stunden Spielzeit entwickelt! Dieser beeindruckende und vielschichtige Bösewicht Sephiroth! Die Musik! Die großartigen Beschwörungen!
Sein absoluter Favorit ist aber Teil VIII, mit der tragischen Story um das Vergessen der eigenen Vergangenheit und dem eindringlichen Soundtrack, der ihm heute noch manchmal im Kopf nachhallt.

Vorhang auf: Die Charaktere
(Bild: Square Enix)

In Final Fantasy 15 spielt man Prinz Noctis, einen grummeligen Tween mit schwarzen Stachelhaaren. Begleitet wird er von seinen drei besten Freunden: Gladiolus (ein Muskelberg), Ignis (ein Streber) und Prompto (ein Emo). Die vier verwöhnten Jungs reisen am Anfang des Spiels vom heimischen Hofe in einen Nachbarstaat, wo Prinz Noctis aus politischen Gründen heiraten soll.

Die vier Jungs sind mir (als erwachsenem Westeuropäer) mit ihrer schwarzen Kluft zu uniform, zu hipsterig, zu unsympathisch. Gut vertont sind sie allerdings: Bei den langen gemeinsamen Autofahrten machen sie sich etwa darüber lustig, dass sich einer in die eben getroffene Mechanikerin verguckt hat. Die englische Sprachausgabe hat mir dabei noch etwas besser gefallen als die deutsche, vor allem Ignis britischer Akzent.

Schon kurz nach Beginn des Spiels wird klar, dass ein sich anbahnender Krieg der Reise und Hochzeit im Wege stehen wird. Noctis' durch einen magischen Kristall geschützter Heimatstaat wird nämlich von einem bösen Imperium bedroht. Diese Hauptgeschichte wird auch in einer Animeserie und einem Animationsfilm weitergesponnen. Der Film "Kingsglaive" soll gemeinsam mit dem Spiel erscheinen, die Animeserie "Brotherhood" gibt es auf YouTube.

Trotz der groß angelegten Geschichte fehlt mir etwas. In den alten "Final Fantasy"-Teilen gab es wirklich spannende, absurd witzige und vor allem liebenswürdige Charaktere. Man denke nur an Barret mit dem MG-Arm oder den Blitzball spielenden Idealisten Wakka. Diese fehlen mir in "FFXV" wirklich sehr. Hoffentlich kommt da im späteren Verlauf des Spiels noch etwas Abwechslung dazu. (Außerdem: Wo sind die Frauen?)

(Bild: Square Enix)
Die Missionen und Minigames

Wenn man nicht gerade der Hauptgeschichte um den Krieg und Noctis' Schicksal nachgeht, gibt es einiges zu entdecken. Einen Großteil des Spiels machen dabei die sogenannten Jagdmissionen aus. Denn die offene Spielwelt wird von teilweise gigantischen und meist sehr gefährlichen Monstern bevölkert, die den anderen Bewohnern das Leben schwer machen.

Nach einem kurzen Gespräch mit einem hilfsbedürftigen Auftraggeber geht man dann auf die Suche. Die meisten Biester streunen einfach durch die offene Welt, andere müssen erst angelockt werden und sind zum Teil nur mit besonderer Herangehensweise zu besiegen. Dafür liefern sie aber auch anständige Belohnungen.

Im Test hatte ich es mit einem mutierten Riesennashorn zu tun, das erst nach etwa zehnminütigem Kampf zu Boden ging. Ob die Missionen langfristig begeistern können oder auf Dauer nur stupide Laufarbeit sein werden, ist leider noch nicht abzusehen.

(Bild: Square Enix)

Neben den Jagmissionen gibt es aber auch Minigames, Noctis zum Beispiel ist ein begeisterter Angler. An festgelegten Plätzen kann er seine Angel auswerfen und mit etwas Geduld und Geschick zieht man Fische an Land.

Aus den gefangenen Fischen macht Teamkollege Ignis dann beim gemeinsamen Campen eine leckere Mahlzeit, die für den nächsten Tag Boni auf die Statuswerte gibt. Das Campen dient außerdem dazu, in der Stufe aufzusteigen, Boni zu aktivieren und die besonders gefährlichen Nachtmonster zu umgehen.

Die Open World
(Bild: Square Enix)

In "FFXV" ist man zu Fuß, mit dem Riesenvogel Chocobo oder mit dem Auto unterwegs. Da es aber an jeder Stelle etwas zu entdecken oder einzusammeln gibt, wandert man oft abseits der Pfade und Straßen. Und das dauert.

Jedes Mal, wenn man aus dem Auto ein- oder aussteigen will, gibt es eine ellenlange Animation. Jedes Mal, wenn man Rast macht, um Erfahrungspunkte zu sammeln, dauert dies einige Minuten. Mir selbst ging diese Behäbigkeit schon nach einer Stunde Spielzeit auf die Nerven.

Wenn man einfach nur zum nächsten Missionsziel unterwegs ist, kann man schon mal mehrere Minuten einfach nur geradeaus laufen bedeuten. Mehr Leben würde der Spielwelt wirklich gut tun, auch wenn die Landschaft und ihre Bewohner an sich schön dargestellt sind.

Das Kampfsystem
(Bild: Square Enix)

Anders als in den meisten Vorgängern verzichtet das Spiel auf ein Rundensystem und Zufallskämpfe. Gegner sind auf der offenen Karte schon aus der Ferne sichtbar, so kann man in den meisten Fällen selbst entscheiden, ob man den Kampf wagen möchte.

Im Gefecht selbst steuert man nur Protagonisten Noctis selbst, den drei Begleitern kann man zwar Kommandos für Kombo-Angriffe geben, ansonsten schlagen sie sich aber selbst durch.

Generell ist das Game deutlich actionlastiger als die alten Teile: Noctis kann mehrere Nahkampfwaffen verwenden und im Kampf zwischen diesen wechseln. Die Wahl zwischen schnellen, aber leichten oder langsamen, aber harten Angriffen erfordert etwas Geschick und Erfahrung. Auch ausweichen und Kontern muss man nun selbst per Tastendruck.

Noctis soll auch zaubern können; die Magie soll zudem mit Gegenständen kombinierbar sein. Ein Eiszauber, der den Gegnern schadet und gleichzeitig die Truppe heilt? Kein Problem, dafür gibt es ein Rezept. Im Test konnte ich das System aber leider noch nicht wirklich ausprobieren.

Als alter FF-Veteran hat mich das Kampfsystem eher gestört. Zu oft geht wegen der störrischen Kamera die Übersicht verloren, zu oft hackt man einfach nur möglichst lange auf einen Gegner drauf, bis er endlich stirbt. Das fühlte sich weniger nach "Final Fantasy" und mehr nach "Dark Souls" an.

Die Technik

"Final Fantasy" kann grafisch nicht mit neuesten PC-Spielen mithalten. Das Spiel erscheint auf Playstation 4 und Xbox One, sieht dafür aber wirklich gut aus. Die Sicht in der offenen Welt ist vergleichsweise weit, plötzlich aufploppende Landschaften sind mir nicht aufgefallen. Dafür aber viele liebevolle Details, die sogar von den Charakteren kommentiert werden. Als ich einmal mitten in der Wüste auf eine paar umgeknickte Strommasten stießt, fragten sich die Jungs beispielsweise lebhaft, was für ein Wesen dort wohl randaliert haben könnte.

Die Gesichter der Charaktere sind toll animiert, ebenso die teilweise gigantischen Monster, mit denen man es zu tun bekommt. Wer in der seit einiger Zeit verfügbaren Demo mal gegen den beängstigenden Behemoth kämpft, hat auf einmal deutlich mehr Respekt vor den riesigen Biestern als früher.

Leider störten in der getesteten Vorabversion aber auch kleinere Bugs die Laune. Zum Beispiel hat sich das Game immer an der selben Stelle aufgehängt, nachdem man in einem Shop einkaufte. An anderer Stelle gab es Fehler beim Autosave, sodass die letzte halbe Stunde noch einmal gespielt werden musste.

(Bild: Square Enix)
Wann kommt es raus?

Final Fantasy 15 soll noch vor Weihnachten dieses Jahres auf Playstation 4 und Xbox One erscheinen. Eigentlich war es für den 30. September angekündigt, wurde nun aber auf den 29. November verschoben. (Kotaku)

Bis dahin hat Entwickler Square Enix noch einiges zu tun.

Spoiler-Warnstufe orange

Wir verraten hier etwas über die Serie oder den Film. Nicht das komplette Ende. Nicht die Mörder-Überraschung. Falls du dich aber ärgerst, wenn wir hier gleich Ereignisse vorwegnehmen: Lieber erst anschauen und dann hierher zurückkommen.

Ein kleines Geheimnis für Fans

Vor den von mir getesteten Kapiteln des Spiels gab es einen exklusiven Blick auf das bisher nicht bekannte "Kapitel 0". In dem etwa einminütigen Videoclip sah man die vier Helden, nun auf einmal erwachsen und mit männlichen Bärten. Sie verstecken sich vor einer gehörnten, brennenden Gestalt. Feuergott IFRIT! Bisher war mir nur bekannt, dass von den Bestia der Donnergott Ramuh und die Wasserschlange Leviathan im Spiel vorkommen würden. Beide wurden im letzten Trailer gezeigt.

Beim Stöbern in der offenen Welt stolperte ich dann über ein anklickbares Objekt, auf dem die Rede von den mythischen sechs Göttern war, die die Spielwelt erschaffen haben sollen. Neben Ifrit fielen da auch noch die altbekannten Namen Shiva und Bahamut.

(Bild: Square Enix)

Lass uns Freunde werden!

Noch mehr Games auf bento


Gerechtigkeit

Ich habe einen Spion angerufen – und wollte ihn zum Ausstieg bewegen

Büros verwanzen, Handys tracken und dann einen Martini an der Bar bestellen. Meine Vorstellung von Geheimagenten ist eine Mischung aus James Bond und Stasi – ein paar Vorurteile, viel Unwissen und ein bisschen Angst.

Und plötzlich habe ich die Chance, mit einem echten Spion zu telefonieren.=">