Bild: Slippery Slope
Das funktioniert nur leider nicht so, wie sich die Behörde das vorstellt.

Ein Onlinegame vom FBI soll Jugendliche über Extremismus informieren: "Slippery Slope". Leider ist der Inhalt langweilig aufbereitet, die Grafik schlecht und die Steuerung mittelmäßig. Dabei ist die Idee im Ansatz gar nicht dumm.

So geht das Spiel:
(Bild: Slippery Slope)

Der Spieler bewegt sich als Ziege über eine Wiese und versucht, Steinen und Büschen auszuweichen. Gelingt das nicht, verliert er ein Leben und es erscheint ein Satz – zum Beispiel: "Der Feind ist für diese Ungerechtigkeit verantwortlich." Nach sechs Leben endet das Spiel mit der Aufforderung: "Vermeide verzerrte Logik". Dabei soll das Spiel eine Metapher sein, in der die Hindernisse Extremisten verkörpern.

"Don't be a puppet"

Nach dem Spiel landet der Spieler auf einer Seite, die über Extremisten und ihre Arbeitsweise informiert. Die Botschaft der Seite: "Sei keine Marionette".

In einem Video erklärt Jim Comey, Leiter des FBI: "Wir haben einen wachsenden Trend gewaltsamer extremistischer Gruppen beobachtet, die versuchen, Teenager zu rekrutieren." Das Spiel solle über Extremismus informieren und dabei helfen, zu erkennen, wenn Personen rekrutiert werden. "Das Programm ist für jeden in den Vereinigten Staaten offen, der teilnehmen möchte, aber es ist für Teenager entworfen", schreibt das FBI auf seiner Webseite (FBI). Dabei ist es als Unterrichtsmaterial für Schulen gedacht.

(Bild: Slippery Slope)

Das Projekt "Don't be a puppet" wurde bereits im November 2015 einem Testpublikum gezeigt – und sollte eigentlich daraufhin veröffentlicht werden. Die Webseite wurde jedoch scharf kritisiert, deswegen entschied das FBI, die Seite zu überarbeiten. Zuvor ging es darauf ausschließlich um islamischen Extremismus ("The New York Times"). Die neue Version der Seite klärt auch über andere Formen von Extremismus auf, zum Beispiel darüber, wie Umweltaktivisten Abtreibungsgegner oder Bürgerwehren arbeiten.

„Lehrer in Klassenräumen sollten nicht zum verlängerten Arm des Gesetzes werden.“
Arjun S. Sethi, Jura-Professor am Georgetown University Law Center

Doch das war nicht die einzige Kritik: Das Programm basiere auf fehlerhaften Theorien zur Radikalisierung, sagte Arjun S. Sethi, Jura-Professor am Georgetown University Law Center im Interview mit der "New York Times". Beispielsweise sei die Annahme falsch, "dass Individuen sich alle genau gleich radikalisieren und dass das komplett äußerlich erkennbar wäre". Er kritisierte außerdem die grundlegende Idee hinter der Seite – "Lehrer in Klassenräumen sollten nicht zum verlängerten Arm des Gesetzes werden", sagt Sethi ("The New York Times").

Gescheiterte Regierungsprojekte

Die australische und britische Regierung haben bereits ähnliche Programme gestartet – und konnten damit auch nicht punkten. Das "Radicalisation Awareness Information Kit" der australischen Regierung wurde verspottet, weil es behauptete, alternative Musik zu hören, wäre ein Warnzeichen für gewaltsamen Extremismus ("The Sydney Morning Herald"). Ähnlich weltfremd zeigt sich die Webseite "Educate Against Hate" der britischen Regierung: Als Warnzeichen für Extremismus nennt sie "übertrieben viel Zeit online oder mit dem Handy verbringen" und "deutliche Veränderung des Aussehens und/oder der Kleidung".

(Bild: Slippery Slope)
Spannendes Thema, schlechte Umsetzung

Abgesehen von der pixeligen Grafik und der schwierigen Steuerung hätte das Spiel inhaltlich wirklich spannend sein können – ist es aber nicht. Die Seite benutze "Quizze, Videos und andere interaktive Materialien" schreibt das FBI in einer Pressemitteilung (FBI). Tatsächlich ist sie aber sehr langweilig aufbereitet. Noch dazu bleibt sie teilweise oberflächlich.

Es ist natürlich wichtig, Jugendliche über Extremismus zu informieren und sie vor der Rekrutierung zu schützen. Prinzipiell ist auch die Idee gut, sich dem Thema spielerisch zu nähern und Jugendliche so neugierig zu machen.

Die Umsetzung ist dem FBI jedoch nicht gelungen. Der anderen Seite gelingt das erschreckenderweise deutlich besser: Denn gleichzeitig veröffentlicht der "Islamische Staat" Propagandavideos im Stil von GTA ("The Telegraph") – einem der kommerziell erfolgreichsten Videospiele überhaupt.

Wer das Spiel selbst testen möchte, kann das hier auf der Seite des FBI tun.