The revolution will not be facebookinized

Bei Geld hört die Freundschaft auf. Nicht nur unter Freunden, sondern auch bei Twitter. So darf der Fall von Kurt Prödel eigentlich nicht weiter verwundern. Die Geschichte läuft wie folgt:

Kurt Prödel, ein Webkünstler aus Köln, hat alle Elfmeterschüsse der deutschen Mannschaft im Spiel gegen Italien übereinandergelegt. Das Video hat er auf Twitter veröffentlicht. Das Problem: Er verwendet dafür unerlaubter Weise Videomaterial von der UEFA. Die UEFA macht keine Gefangenen und veranlasst die Löschung des Videos. Twitter kommt diesem Wunsch nach, möchte den Vorgang aber auf Nachfrage nicht kommentieren.

(Bild: Facebook)

Rein rechtlich betrachtet einwandfrei. Mit Blick darauf aber, welche Inhalte bei Twitter am Ende erwünscht sind, wird einmal mehr deutlich, wem Social-Media-Plattformen prinzipiell näher sind: nicht der Kunst, sondern der werbetreibenden Industrie und großen Medienpartnern.

Hätte Kurt Prödel sein Video in einem Museum ausgestellt, wäre er wahrscheinlich dafür gefeiert worden. Da Social-Media-Plattformen nun aber keine Dauer-Kunstausstellung sind, sondern auf Profit ausgelegte Unternehmen, musste das Video weichen.

In einer Welt, in der die großen Vier (Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter) immer stärker zu den ersten Anlaufstellen für Informationen und Kunst werden, ergeben sich Probleme:

  • Wer definiert, was Kunst ist?
  • Wer bestimmt, was freie Meinungsäußerung ist?
  • Wie sehr werden die Wünsche von Geschäftspartner bevorzugt?
  • Was sind die Wertvorstellungen der Plattformen?
  • Was sind die Alternativen in einer Welt, deren Medienmenü immer stärker von den großen Vier bestimmt wird?
Du bist das Produkt
(Bild: imago)

Vieles davon läuft in einer Grauzone zwischen staatsrechtlich verankerten Grundrechten und den Hausregeln privatwirtschaftlich organisierter Unternehmen ab. Der Nutzer muss sich jedenfalls stets darüber im Klaren sein, dass er sich auf kommerziellem Boden befindet, sobald er die Welt von Twitter, Facebook, Snapchat oder Instagram betritt. Die Plattformen dürfen kostenfrei genutzt werden, dafür ist der Nutzer das Produkt. Die Spielregeln der Hausherren lauten: Alles unterliegt dem Diktat einer kommerziellen Verwertbarkeit. Wer steuert, was du liest, der steuert am Ende auch, was du konsumierst.

So dürfte es auch nicht überraschen, dass nur wenige kritische Geschichten über Facebook auf Facebook viral gehen. Wer schießt sich schon gern selbst ins Bein? Für Facebook hat die Journalistin Caitlin Dewey nach der Einführung der neuen Like-Funktion gezeigt (hier geht es zum Artikel), was in erster Linie die Runde macht:

nature, animals, celebrity children (and) inspirational local stories of the fireman-rescues-kitten/heroic-service-dog genre.

Alles Themen, die für Facebook komplett unverfänglich und für Nutzer unterhalten sind. Ein perfektes Umfeld für Werbung. Nicht umsonst distanzierte sich Facebook (hier geht es zum Blogpost) vor wenigen Tagen auch vom Anspruch, ein journalistischer Player zu sein.

Weiße Anführungszeichen
We are not in the business of picking which issues the world should read about. We are in the business of connecting people and ideas — and matching people with the stories they find most meaningful.
Facebook
Hinter Algorithmen verstecken

Nun greift diese Einschätzung aber viel zu kurz, wenn man sich vor Augen führt, dass über 60 Prozent der US-Nutzer bereits über Facebook Nachrichten konsumieren (Hier geht es zur Studie). Die Frage ist bloß: Welche Nachrichten sind das, die da beim Nutzer ankommen? Und welchen Einfluss hat Facebook darauf?

Facebook selbst beteuert, sie würden lediglich die technischen Möglichkeiten geben, damit Nutzer all das finden, was sie wirklich interessiert. Der News Feed lerne jeden Tag hinzu, heißt es. Nur wie soll ein Algorithmus verstehen, dass mich Politik interessiert, wenn politische Posts in meiner Timeline kaum noch auftauchen, weil fortan die Posts von Freunden höher gewichtet werden als die von Fanpages, die mich interessieren?

Accounts sperren ohne Kompromisse
(Bild: facebook)

Dürfen sich Konzerne so sehr in Meinungsbildungsprozesse einmischen, dass sogar anerkannten Journalisten Accounts gesperrt werden, nur weil sie ihrer Arbeit nachgehen und berichten? Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" findet dieses Vorgehen jedenfalls mehr als zweifelhaft (Hier geht es zur Pressemitteilung).

Auch andere Gruppierungen (Hier eine Übersicht) verweisen immer wieder auf Zensur-artige Vorgänge, wenn es um Fragen von Accountsperrungen, geringe Sichtbarkeit und das Löschen von Inhalten geht - allen voran LGBT-Gruppen, Mütter und indigene Gruppen.

Am Ende geht es Facebook und Twitter doch vor allem um eines:


Gerechtigkeit

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