Eine Timeline ist nicht genug

Ein Newsfeed nur für Politik, für Essen oder Selfies: Facebook arbeitet an Alternativen zur vollgepackten Timeline. Wir konnten das zufällig schon mal ausprobieren: In der aktuell von mir auf Android genutzten Facebook-App gibt es seit Mittwoch deutlich mehr Möglichkeiten, das soziale Netzwerk den eigenen Interessen anzupassen. Per Wischbewegung kann man vom klassischen Newsfeed zu mehreren Themenkanälen wechseln.

Zu Oberbegriffen wie "Lustig", "Politik", "Games" und "Musik" existieren dort eigene Kanäle - selbst für Selfies, Feierlichkeiten und Essen gibt es Newsfeeds. Ganz links und damit der Standardreiter ist allerdings nach wie vor ein thematisch gemischter Nachrichtenstrom.

Was es mit den zusätzlichen Newsfeeds genau auf sich hat, wollte Facebook auf Nachfrage nicht verraten. Wir gehen deshalb davon aus, dass diese App-Version zufällig Teil einer Testgruppe ist, in der die neue Funktion mit einer gewissen Menge von Nutzern ausprobiert wird.

Dass sich Facebook an Alternativen zum Alles-in-einem-Newsfeed versucht, zeichnet sich sich seit Längerem ab. Im Oktober 2015 etwa experimentierte das Netzwerk in seiner Desktopversion mit einem Auswahlmenü namens "Topics". Weitere Tests, diesmal mobil, gab es im Dezember. War damals die Newsfeed-Navigation noch oben in der App, befindet sie sich in der nun getesteten Variante am unteren Rand.

Einige Eindrücke der App-Version – Facebook nennt dazu im Menü die Nummer 76.0.0.7.67 – liefert unsere Fotostrecke:

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"Mashable" berichtete im April erneut über Tests mit Themen-Newsfeeds, mit Screenshots, die zu unserer App-Version passen: Das Tech-Blog kommentierte, der Vorstoß könnte die größte Veränderung am Facebook-Newsfeed seit dessen Einführung sein. Nutzer des Netzwerks könnten künftig viel mehr Nachrichten begegnen.

Facebook hat "Mashable" seinerzeit bestätigt, dass man ein neues, unterteiltes Newsfeed testet. Man weiß allerdings nach wie vor nicht, ob die Funktion jemals offiziell ausgerollt wird. "Die Leute haben uns gesagt, dass sie Optionen wollen, auf Facebook mehr Geschichten zu bestimmten Themen, die sie interessieren, angezeigt zu bekommen", wurde ein Facebook-Sprecher zitiert.

Dass Facebook so etwas ausprobiert, hat seinen Grund, gibt es doch viele Nutzer, die darüber schimpfen, dass ihre Timeline unübersichtlich sei oder voll von Themen, die sie nicht interessieren. Mit den neuen Feeds ist es viel leichter, zum Beispiel spannende Artikel über Videospiele zu entdecken, weil sie in der Kategorie "Games" nun nicht mehr mit Politikinhalten oder Essensbildern konkurrieren.

Bei den meisten Kategorien kann der Nutzer einstellen, was ihn am Oberthema besonders interessiert, in einem Menü namens "Feed-Präferenzen". So kann man unter "Lustig" zum Beispiel den Wunsch äußern, dass mehr Inhalte mit lustigen Tieren oder lustigen Kindern angezeigt werden. Unter "Politik" kann man Themen wie "Abtreibung", Waffengesetze", "Menschenrechte" und "Einwanderung" anwählen.

Mit solchen Kategorien könnte Facebook dem Vorwurf entgegentreten, dass manche gesellschaftlich relevanten Themen in seinem Newsfeed kaum eine Rolle spielen. Wer will, kann mit den neuen Optionen schließlich bewusst Themen markieren, mit denen er bislang kaum konfrontiert wird. Umgekehrt kann man nach dem Motto "Mehr vom Liebsten" Facebook natürlich auch noch mehr von dem zeigen lassen, was einen umtreibt.

Die alternativen Newsfeeds sind übrigens nicht die einzige größere Veränderung, die uns in unserer App aufgefallen ist: Im oberen Teil der App ist auch ein Reiter "Videos" hinzugekommen, unter dem aktuelle Livestreams angezeigt werden: Die Newsfeed-Struktur ist bei Weitem also nicht die einzige Baustelle, an der Facebook gerade arbeitet.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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