Am Ende des Tages ist er um gut drei Milliarden US-Dollar reicher.

Wenn es ernst wird, legt Mark Zuckerberg einen Schlips an: hellblau auf akkurat sitzendem, weißem Hemd unter blauem Sakko. Es ist der erste Tag der Anhörung vor dem US-Kongress. Vier Stunden stellte sich der Facebook-Chef den Fragen der Senatorinnen und Senatoren. Sie wollen wissen, wie Facebook gedenkt, die Daten seiner Nutzer besser zu schützen.

Auslöser ist der jüngste Datenskandal, in dem eine Firma persönliche Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern über eine Facebook-Anwendung abgriff und damit unter anderem die US-Präsidentschaftswahl und das Brexit-Votum beeinflusst haben soll. 

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Anhörung:

1. Zuckerberg bereut.

Schon in der vorab veröffentlichen Stellungnahme wird klar: Zuckerberg will die Schuld auf sich nehmen, sie an seine Person binden und Reue zeigen. Immer wieder betont er, welche Vision er vor 14 Jahren hatte, als er in einem Studentenwohnheim Facebook erfand. Sie sei "idealistisch und optimistisch" gewesen. Zu wenig habe er dabei verstanden, wie Menschen die Möglichkeiten des Netzwerkes auch ausnutzen könnten, um anderen zu schaden.

Es war mein Fehler, und es tut mir leid. Ich habe Facebook gestartet. Ich leite es und bin verantwortlich.

2. Zuckerberg bleibt vage – und wirkt manchmal fast ahnungslos.

Auf viele Fragen antwortet der Facebook-Chef mit schwammigen Phrasen. Wie wolle er die Daten seiner Nutzer besser schützen? Welchen Weg nehmen diese Daten bei Facebook, wie lange werden sie gespeichert? Welche Daten genau hat die Firma Cambridge Analytica abgegriffen? Zuckerberg sagt:

  • "Wir haben noch nicht genug getan", 
  • "Wir arbeiten intensiv an diesem Problem," oder
  • "Ich werde das von meinem Team überprüfen lassen. Wir kommen dann nochmal auf Sie zu." (SPIEGEL ONLINE)

3. Einen Fall wie Cambridge Analytica wird es kein zweites Mal geben.

Zuckerberg selbst versichert, dass Facebook etliche Maßnahmen ergreifen werde, um Datenmissbrauch auszuschließen. Unter anderem soll künstliche Intelligenz dabei helfen. Technologiechef Mike Schroepfer hatte bereits vergangene Woche weitere Schritte vorgestellt. (bento)

Sollte das dem Konzern nicht gelingen, wird die Politik sich dem Problem annehmen. Senator Bill Nelson sprach eine deutliche Warnung aus: "Wenn Sie nicht in der Lage sind, die Angriffe auf die Privatsphäre der Nutzer zu verhindern, werden wir es tun."

4. Zuckerbergs Strategie geht – zumindest in der Öffentlichkeit – auf.

Der Kurs der Aktie an der Wall Street in New York schoss um mehr als vier Prozent in die Höhe – und macht Zuckerberg dadurch zumindest für den Augenblick um geschätzte drei Milliarden Dollar reicher

Im Netz hatten Nutzer ihren eigenen Spaß an der Anhörung. 

Auf Twitter verbreiteten sich Memes und Bilder, in denen immer wieder Zuckerbergs Frisur kommentiert wurde.

Andere zogen ironische Parallelen:

Oder machten sich über die so offensichtliche technologische Ahnungslosigkeit der fragenden Senatorinnen und Senatoren lustig:


Gerechtigkeit

Nach ihren Äußerungen zum Islam dreschen alle auf Enissa Amani ein – zu Recht?

Es ist eher ungewöhnlich, als Schauspielerin oder Komikerin in eine politische Talkshow zu gehen. Und dann auch noch über Horst Seehofers "Der-Islam-gehört-nicht-zu-Deutschland"-Statement zu diskutieren.