Erste Erkenntnis: Dem Netzwerk sind seine Nutzer scheißegal

Facebook hat ein Problem. Seine Mitarbeiter brauchen oft zu lange, bis sie Hasskommentare in dem Netzwerk löschen, Gewaltaufrufe von Terroristen zensieren oder Livevideos, in denen Morde gezeigt werden, von der Seite nehmen (bento). 

Jetzt zeigt ein Leak, dass der Umgang der Facebook-Administratoren mit Sex und Gewalt System hat. Ein Team des britischen "Guardian"hat die offiziellen (aber eigentlich geheimen) Richtlinien zugespielt bekommen und ausgewertet. 

In den Dokumenten steht, wie Facebook-Mitarbeiter auf gewaltverherrlichende Inhalte, Revenge Porn und Hasskommentare reagieren sollen.

Der "Guardian" hat mehr als 100 Dokumente ausgewertet, darunter Trainingsbroschüren und Orga-Papiere. Es geht darin um Hasskommentare und Mobbing, es wird definiert, wann etwas terroristisch, gewaltverherrlichend oder rassistisch ist. Auch zu Pornografie, Selbstverletzung und sogar Kannibalismus gibt es Einträge.

Viele Richtlinien sind fragwürdig. Ein paar Beispiele:
Gewaltaufrufe, die okay sind: "Verprügeln wir das dicke Kind" oder "Brich der Schlampe das Genick".
Gewaltaufrufe, die nicht okay sind: "Kann jemand Trump erschießen?" oder "Erdolcht sie und werdet der Schrecken der Zionisten"
Videos, die gewaltvolle Tode zeigen – also auch gestreamte Morde – werden nicht grundsätzlich gelöscht. Sie können "Verständnis" schaffen.
Auch Bilder von Kindesmisshandlungen werden nicht automatisch gelöscht – sondern nur, wenn sie "mit Freude oder aus sadistischen Gründen" geteilt werden.
Tierquälerei ist grundsätzlich okay, besonders schlimme Fotos können aber als "störend" markiert werden.
"Handgemachte" Kunst, die nackte Menschen zeigt, ist erlaubt – digital erstellte Kunst hingegen nicht. Abtreibungsvideos sind okay, so lange man keine Nacktheit sieht.
Thema Hasskommentare: Facebook weiß, dass Nutzer "gewaltvolle Sprache benutzen, wenn sie online Frustration ausdrücken wollen".
Und das sei im Netzwerk erlaubt – sie dürfen sich "sicher fühlen, das zu tun".
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Die komplette Auswertung gibt's beim "Guardian".

Was zeigen die Richtlinien?

Dass sich Facebook schwer tut, im Netz geäußerte Gefühle in Regeln zu bringen. Oft ist der Kontext nötig, um zu verstehen, wie etwas gemeint ist. Wann scherzen Freunde in den Kommentaren? Wann geht es um ernste Beleidigungen? Wann sind Fotos von Kindesmisshandlungen wichtige Dokumente, die aufklären wollen – wann Sadismus?

Facebook weiß um diese Gratwanderungen. Obwohl Fotos nackter Menschen verboten sind, erlaubt Facebook historische Aufnahmen aus Konzentrationslagern der Nazis, auf denen entblößte Opfer zu sehen sind. Wahrscheinlich eine Lehre dieses Vorfalls: Im vergangenen Jahr wurde das historische Foto des nackten Mädchens Kim Phuc gelöscht, das in Vietnam vor einem Napalm-Angriff flieht (bento). Erst nach Kritik ging es wieder online.

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Grün

Cheibe guet: Die Schweizer haben den Atomausstieg beschlossen
*cheibe guet = sehr gut

Die Schweizer Bürger wollen den Atomausstieg – und bekommen ihn nun auch. Am Sonntag haben die Schweizer mit einer deutlicher Mehrheit in einer Volksabstimmung für ein neues Energiegesetz gestimmt. 

Insgesamt 58,2 Prozent der Bürger sprachen sich für das Gesetz aus, es soll bereits 2018 in Kraft treten ("Neue Zürcher Zeitung"). In der Schweiz gilt das Modell der Volksabstimmung: Alle Bürger dürfen dabei über wichtige Gesetze entscheiden.