Bild: EPA/Alberto Estévez

Facebook hat ein Problem mit Falschmeldungen – und das erkennen auch die Mitarbeiter. Ein inoffizielles Team will jetzt die Rolle des Netzwerkes beim Verbreiten von Fakes näher untersuchen. Das haben fünf Mitglieder der Task Force Buzzfeed anonym bestätigt.

Es geht um die Frage, wie stark gefälschte Nachrichten den US-Wahlkampf beeinflusst haben (nymag.com). Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte diese Behauptungen als "ziemlich verrückte Idee" abgetan – seine Mitarbeiter rebellieren nun gegen diese Vorstellung.

Noch mal von vorn: Wie soll Facebook die US-Wahl beeinflusst haben?

Bei Facebook verbreiten sich im großen Stil Falschmeldungen. Das klingt zum Beispiel so: "Hillary Clinton ruft einen Bürgerkrieg aus, wenn Trump gewählt wird". Der Algorithmus des Netzwerkes begünstigt die Verbreitung der Fakes, knapp die Hälfte aller erwachsenen Amerikaner lesen ihre Nachrichten auf Facebook (Pew Research Center).

Kritiker sagen nun, die falschen Nachrichten haben die Meinungsbildung beeinflusst.

Was sagen nun die Facebook-Mitarbeiter?

Viele kritisieren Mark Zuckerbergs Haltung. "Es ist verrückt, dass er die Verantwortung von sich weist", sagt einer, "wenn er weiß, dass Fake News während des gesamten Wahlkampfes wie verrückt über unsere Plattform liefen."

Andere stört laut Buzzfeed, dass Falschmeldungen zwar längst gemeldet werden – aber bei der Facebook-Leitung einfach keine große Rolle spielen. Grundsätzlich gehe es den Mitarbeitern nicht darum, nur gewisse Meinungen zuzulassen. Wenn sich rechte Nutzer die Nachrichten von rechten Websites zuschicken wollen, sei das okay. Erst, wenn faktisch falsche Nachrichten überall im Newsfeed auftauchen, gehe es zu weit:

"Facebook wird von Leuten ausgenutzt, die gezielt ihren Bullshit verbreiten."
Wie groß ist die Task Force? Und wie arbeitet sie?

Ein Mitarbeiter sagte Buzzfeed, an der Gruppe beteiligen sich "mehrere Dutzend Angestellte". Ein anderer sagte darüber hinaus, "Hunderte" seien mit der offiziellen Facebook-Richtlinie unzufrieden. Die sieht in den Gemeinschaftsstandards zwar vor, den News Feed vor Nacktheit, Gewaltdarstellungen und auch Fake News zu säubern – faktisch werde sie aber zu selten gelöscht.

Bislang hat sich die Task Force nach eigenen Angaben zwei Mal getroffen. Das Team habe als nächstes vor, dem Management Vorschläge vorzulegen.

Wie reagiert die Facebook-Leitung?

Auf die Kritik der inoffiziellen Task Force gibt es bislang keine Stellungnahme. Grundsätzlich bleibt Mark Zuckerberg aber dabei, dass es kein Problem gibt. 99 Prozent der Nachrichten auf Facebook seien echt, schrieb er am Sonntag in einer Stellungnahme auf seinem Profil. Fakes würden so gut es geht, identifiziert und gelöscht.

I want to share some thoughts on Facebook and the election. Our goal is to give every person a voice. We believe deeply...

Posted by Mark Zuckerberg on Samstag, 12. November 2016

Bereits in der Vergangenheit wurde Facebook für seinen Umgang mit Löschungen stark kritisiert: Viele Nutzer in Deutschland beschweren sich, dass rassistische Äußerungen und Gewaltaufrufe kaum verfolgt werden (bento I), im September empörte sich ein norwegischer Chefredakteur nachdem Facebook das historische Vietnamkriegs-Foto des Mädchens Kim Phuc zensiert hatte (bento II).

Warum es wichtig ist, im Dialog miteinander auf gewisse Standards zu achten:


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