Bild: imago/Riccardo Pareggiani
Dumm gelaufen.

Nachdem Mark Zuckerberg sich bereits vor dem US-Senat für den Datenskandal bei Facebook (bento) verantworten musste, sollte er jetzt auch dem EU-Parlament Rede und Antwort stehen. Sollte – denn dazu kam es leider nicht so richtig. 

Was ist passiert? 

Das Format der Anhörung – das Parlamentspräsident Antonio Tajani selbst vorgeschlagen hat – sah vor, dass alle Fragen erst gestellt und dann zum Schluss beantwortet werden. Dieses Verfahren ist nach Auskunft des Europaparlaments üblich bei der sogenannten "Conference of Presidents" mit dem Kreis der Fraktionsvorsitzenden.

Zuckerberg selbst brachte nur 70 Minuten Zeit mit – von 18:20 bis 19:30 Uhr. Zuckerberg ist nicht verpflichtet, dem EU-Parlament Fragen zu beantworten, er hatte sich freiwillig dazu bereit erklärt. Die Anhörung startete mit einer längeren Einleitung von Tajani selbst, gefolgt von einem Statement von Zuckerberg, in dem er sich für den Datenskandal entschuldigte. Facebook habe das Ausmaß seiner Verantwortung unter anderem im Kampf gegen den Missbrauch von Nutzer-Informationen durch App-Entwickler nicht erkannt. Dann folgten die Fragen der Fraktionsvorsitzenden

Als Zuckerberg wieder an der Reihe war, um die Fragen zu beantworten, war es bereits 19:22 Uhr. Regulär blieben also noch acht Minuten für Zuckerbergs Antworten. Eine Viertelstunde länger nahm er sich Zeit, um noch Fragen zu beantworten, beendete dann aber praktisch selbst die Anhörung mit dem Hinweis, er wollte "auf die Zeit achten." (SPIEGEL ONLINE)

Warum haben die Fraktionsvorsitzenden so lange gebraucht, um ihre Fragen zu stellen?

Zum einen war der zeitliche Rahmen für die Fragen tatsächlich sehr eng gesteckt. Zum anderen nutzten aber auch einige die Plattform zur Selbstinszenierung und pathetische Fragen:

  • Der belgische Liberale Guy Verhofstadt wollte von Zuckerberg wissen, wie er den Menschen in Erinnerung bleiben wolle: "Als einer von drei Internet-Giganten, zusammen mit Steve Jobs und Bill Gates, die unsere Welt reicher gemacht haben? Oder als Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien und Gesellschaften zerstört?" Wie diese Frage zu einem besseren Schutz unserer Daten beitragen kann, bleibt unklar. 
  • Der konservative Nigel Farage, britischer Politiker und Brexit-Befürworter, feierte sich selbst als "der größte Facebook-Nutzer unter allen EU-Institutionen", um sich dann darüber zu beschweren, dass der Algorithmus geändert worden sei und seit Januar Nutzer mit Meinungen, die rechts von der Mitte lägen, weniger Aufmerksamkeit bekämen. Seine Zahlen und die von US-Präsident Donald Trump seien mit einem Rückgang von 25 Prozent eingebrochen – skandalös, wie Farage findet. 
  • Und die Linken-Fraktionschefin Gabi Zimmer zitierte erst einmal Goethe: "Herr die Not ist groß, die ich rief, die Geister werde ich nun nicht los." (SPIEGEL ONLINE)
Wird Zuckerberg jetzt einfach auf einen Großteil der Fragen nicht antworten müssen?

Jein. Zuckerberg hatte sich auf Nachfrage von Parlamentspräsident Tajani bereit erklärt, die restlichen Fragen in den nächsten Tagen schriftlich zu beantworten. Da man auf schriftliche Fragen aber natürlich keine Gegenfragen stellen kann, wird es also noch leichter für den Facebook-Chef sein, sich um stichfeste Antworten zu drücken. 

Das EU-Parlament hat für die Anhörung das falsche Format gewählt, die Fraktionsvorsitzenden teilweise nicht die richtigen Fragen gestellt. Schade, wenn die Möglichkeit, Mark Zuckerberg zu dem Facebook-Datenskandal zu befragen – der durchaus Folgen für die Demokratie haben kann – an einer schlechten Organisation scheitert. 

Mit Material von dpa. 


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Mann verprügelt Pizzaboten, weil ihm die Lieferung zu lange dauerte
Offenbar war er sogar Stammkunde.

Ein Mann hat den Mitarbeiter eines Pizzalieferdienstes zusammengeschlagen, offenbar weil ihm die Lieferung zu lange gedauert hat. Der Lieferant sei in der Nacht zum Sonntag von dem 29-Jährigen in Renningen (Kreis Böblingen) angegriffen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag (SWP).

Zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. "Wir können bestätigen, dass es zu einer Körperverletzung wegen zeitlicher Verzögerung einer Pizza-Auslieferung kam", sagte ein Sprecher dem Bericht zufolge.