Ein Paar küsst sich, über ihren Gesichtern steht groß das Wort "zensiert".
Bild: Unsplash Joanna Nix
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Tumblr sperrt "weibliche Nippel", Facebook geht einen Schritt weiter und will komplett sexfrei werden – nicht nur in Sachen Pornografie, sondern auch was Andeutungen, Anspielungen, Albernheiten angeht. Der Konzern hat daher ohne große Ankündigungen seine Gemeinschaftsstandards umgestellt. Und dabei ordentlich zum Rotstift gegriffen. 

Was bei Facebook jetzt verboten ist:

  • Jegliche Form der "sexuellen Kontaktaufnahme" – dazu gehören auch Bemerkungen wie "Ich möchte heute Nacht noch Spaß haben". Netflix and chill ist damit wohl tot. 
  • Sexualisierter "Slang" oder Andeutungen von Stellungen und Fetischszenarien oder die Erwähnung des "hygienischen Zustands der Genitalien oder des Hinterns". 🤷🏼‍♂️
  • Bilder und Videos, die explizite sexuelle Handlungen zeigen "oder zu zeigen scheinen". Das gilt sowohl für echte Aufnahmen als auch für Zeichnungen.

Das heißt: Das neue Verbot geht weit über die bisherige Nippel-Zensur-Praxis bei Facebook hinaus. Die Gemeinschaftsstandards wurden schon am 15. Oktober geändert, "Netzpolitik.org" und heise haben hierzulande unter anderem darauf aufmerksam gemacht.

Besonders daran: Die Verbote gelten nicht nur für öffentliche Posts und Kommentare – sondern auch für private Chats und Gruppen.

Das heißt zwar nicht, dass die Chats nun auf Flirts oder suggestive Aussagen hin überprüft werden. Angekündigt ist aber, dass Facebook löschen wird, sobald dich dein Chat-Partner oder deine Chat-Partnerin meldet. (The Verge)

Was soll das alles? 

Dahinter steckt nach Auffassung von Kritikern ein neues, sehr schwammig formuliertes, US-Gesetz zur Verhinderung von sexueller Ausbeutung, Prostitution und Menschenhandel. Facebook widerspricht dem allerdings. Nach Angaben des Netzwerks fällt es den hauseigenen Moderatoren schwer, zwischen sexueller Ausbeutung und einvernehmlichen Handlungen zu unterscheiden. 

"Darum erscheinen einige unserer Regeln – besonders jene zu Nacktheit und sexueller Aktivität – weniger nuanciert [als] uns das lieb ist", gab eine Facebook-Sprecherin gegenüber "Netzpolitik.org" zu. 

Inwiefern das neue Vorgehen überhaupt hilfreich wäre, Menschenhandel und Prostitution zu verbieten, bleibt unklar. Denn gerade dadurch, dass ein Post zuvor gemeldet werden muss, werden geschlossene Gruppen weiterhin ein beliebter Tummelplatz für Kriminelle sein – die sich gegenseitig schützen. 

Viele Nutzerinnen und Nutzer fühlen sich nun allerdings bevormundet. 

Die Electronic Frontier Foundation nennt das Vorgehen ein "klassisches Zensurmodell". Denn über Sex dürfe nun nur noch auf Facebook gesprochen werden, wenn dieser als schlecht oder gefährlich dargestellt würde. Ganz so, als ob moralisierende Konservative in der US-Regierung ihre Wertvorstellungen dem Rest der Welt aufdrücken wollten. (EFF)

Die neuen Regeln bergen auch Gefahren: Online-Trolle können sie nutzen, um eh schon marginalisierte Gruppen anzugreifen und etwa Themenseiten der LGBTQ-Community innerhalb von Facebook zu melden und schlimmstenfalls sogar zu bannen. 

Eine Ausnahme gibt es immerhin: Die Worte "feucht" und "Erektion" bleiben vorerst auf Facebook erlaubt. Da wird uns direkt ganz heiß. 


Today

Nächstes Guerilla-Anti-AfD-Plakat aufgetaucht – was hinter dem Kölsch-Plakat steckt
Das steckt hinter den Guerilla-Aktionen

Es ist wieder ein Werbeplakat aufgetaucht, das sich gegen die AfD positioniert – dieses Mal in der Kölner Südstadt. Auf dem Plakat ist eine Flasche der Marke "Früh Kölsch" zu sehen, zusammen mit dem Slogan: "Alles andere sind braune Flaschen".

Wer genauer hinschaut, sieht: Bei dem Bild handelt es sich um eine Fotomontage. Es hängt nicht wirklich in Köln, und auch von der Biermarke stammt es nicht. Trotzdem wurde das Bild auf Facebook hundertfach geteilt und geliket.

Was steckt hinter den Guerilla-Aktionen gegen die AfD?

Angefangen hat die Guerilla-Aktionen mit einem Plakat, das mit der Coca-Cola-Kampagne spielte (bento). Der Slogan: "Für eine besinnliche Weihnachtszeit – Sag nein zur AfD". Tausende fotografierten und teilten es online.

Anschließend gingen Plakate von Pepsi (pro AfD) und Nutella (anti AfD) viral. Keines dieser Plakate wurde von den Unternehmen selbst aufgestellt. Coca Cola betonte von Beginn an, man sei nicht dafür verantwortlich, stehe aber zu der Message. 

Das Plakat von Pepsi, dass den gleichen Spruch aber mit dem Zusatz "Sag ja zur AfD" trug, wurde fotomontiert. Pepsi distanzierte sich gänzlich von der Vereinnahmung durch die AfD, ebenso wie Vita Cola. Diese Brause hatte der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke versucht für sich zu instrumentalisieren.

Zumindest das Plakat von Coca Cola war Teil des "AfDentskalendars". Das Portal postet jeden Tag ein neues Meme oder eine Aktion gegen die AfD. Wer genau hinter der Aktion steckt, ist unklar.

Ob echt oder nicht, diese Plakate und Fotomontagen zwingen Unternehmen dazu, sich politisch zu positionieren und Farbe zu bekennen.

Einige Firmen würden dies eigentlich nicht tun. Aber es gibt andere, die mit politischer Werbung schon seit Jahren auftreten.

So wie Fritz Kola aus Hamburg. Das Unternehmen steht für Gleichheit, Offenheit Toleranz, und "Wachheit" wie sie es nennen. Die politische Werbung ist eines der Markenzeichen geworden. Doch andere Firmen halten sich mit derartiger Werbung eher zurück.