Bild: Facebook

Facebook, das vergisst der nörgelnde Deutsche manchmal, arbeitet an ganz wunderbaren Projekten, die a) arme Menschen weltweit ins Internet bringen, b) der virtuellen Realität ebenso zum Durchbruch verhelfen sollen wie c) der künstlichen Intelligenz.

Weil das im Alltag schon mal untergeht, kommt nun Mark Zuckerberg persönlich nach Berlin, um die Deutschen daran zu erinnern. Der Facebook-Gründer und -Vorstandsvorsitzende, mittlerweile 31 Jahre alt, weiß es stets, die Projekte des Konzerns mit Wohltätigkeit zu verknüpfen. Er bleibt zwei Tage und will dabei das Image seines Konzerns polieren.

Denn beim Schlagwort Facebook dachten viele Deutsche in den vergangenen Monaten weniger an Wohltätigkeit als an ausländerfeindliche Hetze auf der Plattform, an Kritik der Politik, an Schlagzeilen wie "das asoziale Netzwerk". Gerade in Deutschland braucht Facebook gute PR. Wie gut, dass Zuckerberg gerade in der Nähe war, also in Barcelona, wo er schon auf der Mobilmesse MWC von den neuen Möglichkeiten geschwärmt und bereits das passende Bild zur Disruptionsfähigkeit von Virtual Reality geliefert hat:

(Bild: Facebook )

In Berlin will er bei diesen Themen nachlegen. Ganz nah am Mauerstreifen hat Facebook dafür einen "Innovation Hub" aufgebaut, einen Pavillon, in dem die Zukunftsprojekte ausgewählten Gästen vorgeführt werden: Forschungen zur künstlichen Intelligenz (KI) also sowie die Drohne "Aquila", die arme Gegenden in Afrika aus dem Himmel mit Internet versorgen sollen, und andere Teile von Zuckerbergs Wir-bringen-die-Welt-ins-Netz-Programms Internet.org (über das manche gar nicht erfreut sind).

Der Facebook-Chef wird Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) dort hindurchführen und sich mit seinen KI-Forschern unterhalten - und vielleicht auch eine Neuigkeit präsentieren.

Ein Preis für Mark

Ein freundlicher Termin erwartet Zuckerberg am Donnerstagabend - er bekommt eine maßgeschneiderte Auszeichnung verliehen, den neu geschaffenen "Axel Springer Award". Im Springer-Haus wird dem 31-jährigen Milliardär dem Vernehmen nach eine eigene Abendrevue gewidmet, die sein Leben und Werk ehrt. Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner erklärt die Ehrung damit, dass Zuckerberg mit "Facebook das wichtigste Kommunikationsmittel einer neuen Generation geschaffen" habe.

Die volle Charmeoffensive eines Verlags, der sich als Digitalunternehmen neu aufstellt. Mit Google hat sich der Springer-Konzern öffentliche Auseinandersetzungen geliefert, auch vor Gericht. Mit Zuckerberg soll es offenbar anders laufen.

Am Freitag folgt ein sogenanntes Townhall Q&A, eine Fragestunde mit eingeladenen Gästen: vor allem sind dies Studenten technischer Universitäten, auch andere Facebook-Nutzer, die ihre Fragen an Zuckerberg vorher im Netzwerk posten mussten. Die Fragestunde wird per Livestream übertragen. Mal schauen, wie kritisch es wird - beim letzten Townhall-Meeting in Neu-Delhi gab es freundliche Fragen und viel Applaus.

Während Zuckerberg dort auch Premierminister Narendra Modi traf, oder im Herbst mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping auf Mandarin plauderte, ist in Berlin bislang nichts über ein Treffen mit der Kanzlerin oder ihrem Vize bekannt. Für manchen Politiker ist der Wahlkampf in den Ländern gerade wichtiger.

Auf die Kanzlerin traf Zuckerberg im September am Rande einer Uno-Veranstaltung in New York. Da sprachen sie nur kurz; weil ein Mikrofon mitlief, ist der Dialog bekannt. Merkel fragte, ob Facebook tatsächlich mehr gegen Hasskommentare unternehmen wolle. Zuckerberg antwortete: Ja.

Dieser Beitrag ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.