Egal, ob wir morgens Nachrichten checken, eine Sprachnachricht an die Freundin versenden, oder das Profilfoto wechseln: Ohne Facebook und seine Tochterunternehmen ist unser digitalisiertes Leben nicht mehr realisierbar. Selten gelangen Berichte aus dem Inneren der Konzerne an die Öffentlichkeit. Doch nun hat ein ehemaliger Angestellter ein Buch über seine Erfahrungen publiziert.

Antonio García Martínez hat Hannes Grassegger auf dasmagazin.ch verraten, was ihm als Facebook-Mitarbeiter von 2011 bis 2013 aufgefallen ist.
1. Wer Facebook verlässt, sollte besser alles vergessen

Sogenannte NDA-Verträge verpflichten angeblich Mitarbeiter unter Klageandrohung alles zu vergessen, was sie bei Facebook je gesehen haben. "Es ist schon lustig, die Tech-Unternehmen leben davon, einen abzuhören, ihre eigene Privatsphäre verteidigen sie aber mit allen Waffen", sagt Martínez.

2. Im Silicon-Valley wird mehr gearbeitet, als die meisten annehmen

Schon bei seinem Vorstellungsgespräch hörte Martínez nach eigener Aussage ein komisches Klackern auf der Toilette. "Ich kannte das Geräusch. Da war jemand am Coden. Als ich mir die Hände wusch, sah ich im Mülleimer eine ganze Menge gebrauchter Einweg-Zahnbürsten." Auch am Tag nach dem Börsengang hätten am nächsten Morgen um acht wieder alle wie wild weitergearbeitet.

They ate three meals a day there, sometimes slept there, and did nothing but write code, review code, or comment on new features in internal Facebook groups.
Antonio García Martínez
3. Je näher man an Zuckerberg sitzt, desto wichtiger ist man

Es gibt laut Martínez ein zentrales Besprechungszimmer, ganz aus Glas, auch als "das Aquarium" bekannt. "Es ging das Gerücht um, es sei schusssischer", sagt Martínez. Als Google+ eingeführt werden sollte, blinkte plötzlich ein Schild aus Leuchtbuchstaben auf: "Lockdown". "Zuckerberg beorderte uns per Mail um 13:45 Uhr zum Aquarium, es war, als ob eine Regierung den Ausnahmezustand verhängt", sagte Martínez zu Grassegger.

This culture is what kept 23-year-old kids who were making half a million a year, in a city where there was lots of fun on offer if you had the cash, tethered to a corporate campus for 14-hour days.
Antonio García Martínez
4. Interne Propaganda soll die Mitarbeiter motivieren

Facebook hat Martínez zufolge eine eigene Posterpresse für Propagandaplakate. Die wichtigsten Lehrsätze lauten: Make an impact! Go fast and break things! Done is better than perfect. Am Einführungstag, so Martínez, habe jeder ein blaues T-Shirt bekommen, was auch die Hälfte aller männlichen Mitarbeiter trug. Und was geschah mit den Frauen? "Den Frauen wurde schon am Einführungstag 'abgeraten', zu knapp angezogen zu sein."

5. Zuckerberg ist ein schlechter Redner

Zuckerberg spricht kurz und abgehackt, schnörkellos, sehr direkt. Laut Martínez spricht er so, wie man Code schreibt. Auf Pressefotos sieht er immer etwas seltsam aus, weil er Menschen sonst nur selten in die Augen sieht. Bei seiner Schlachtrede gegen Google+ stellte Zuckerberg seine Latein-Kenntnisse unter Beweis: "Carthago delenda est" – "Google muss zerstört werden".

6. Die komplette interne Kommunikation geschieht über Facebook

"Für alles gibt es Gruppen. Außerdem gibt es ein internes Netzwerk zur Zusammenarbeit, nur für Mitarbeiter", erzählt Martínez. Aber wer kündigt, wird gelöscht. Man verschwindet aus allen internen Gruppen und Netzwerken.

7. Es geht mehr um die Mission, als ums Geld

Statt Geburtstage zu feiern, stößt man laut Martínez gemeinschaftlich auf seinen "Faceversary", den "Anniversary" (Jahrestag) des ersten Tages bei Facebook an. "Da gibts Blumen und Geschenke, die Leute gratulieren." Dem ganzen Silicon Valley gehe es eigentlich darum, etwas Vorhandenes durch etwas Eigenes zu ersetzen. Ein System zu hacken.

8. Zuckerbergs Freunde heißen FoZ - Friends of Zuck

"Zuckerberg ist okay", sagt Martínez. "Was mich störte, waren seine Freunde. Sie waren wie der Adel. Furchtbar arrogant."

9. Facebook schafft gefährliche Parallelgesellschaften

Martínez vergleicht in dem Interview Facebook mit legalem Crack. "Ich glaube, bei Facebook geht es darum, wie wir leben. Es ist ein Ersatz für Gemeinschaften. Für Stämme." In einer Zeit, in der niemand mehr dort lebe, wo er geboren wurde, gebe es Smartphones als Ersatz für die Dorfgemeinschaft. "Wenn Sie aber heute in eine Bar gehen, sehen Sie nur Leute, die auf Facebook-Screens starren. Diese Menschen sind verbunden mit einer anderen Gemeinschaft."

Seine Kinder möchte Martínez vor Facebook schützen.

Martínez Buch "Chaos Monkey" ist diesen Sommer auf Englisch erschienen.


Fühlen

Warum ein Kaufhaus sein Batgirl-Shirt aus dem Sortiment nimmt
"Geh den Umhang waschen"

Batmans Aufgaben sind klar: Verbrecher jagen, Wahnsinnige hinter Gitter bringen, Monster töten. Das trifft auch auf seine Sidekicks in den DC-Comics zu: auf Robin, auf Batwoman, auf Batgirl.

Eigentlich. Die australische Warenhaus-Kette "Target" hatte da anderes im Sinn – und nahm ein Shirt ins Sortiment, das Batgirl zum Hausfrauchen umdeutet. Das Kindershirt ist in rosa gehalten. Als "Batgirl To Do"-Liste stehen an den ersten beiden Stellen:

  1. "Umhang reinigen"
  2. "Batmobil waschen"

Erst danach darf sich die Superheldin dem Weltretten widmen.

So sieht das Batgirl-Shirt aus: