Bild: Unsplash / Lidya Nada



Ob Tablet oder Smartphone: Meine Mutter ist technisch voll ausgestattet und gern online. Aber Tekkie-Mom hat eine etwas andere Herangehensweise an Emojis, Videotelefonate und Updates als wir Digital Natives – was uns beide durchaus erheitert. Oder verwirrt. Oder beides. Aber lest selbst: 

Niemand hat irgendwas geklickt!

Regelmäßig ruft mich meine Mutter an, weil irgendwas weg ist.

Der Foto-Ordner ist weg. Alle Gesendet-Mails. Mehrere Fenster. Weg. Einfach so. Gerade war alles noch da.

"Du musst irgendwo geklickt haben", deute ich vorsichtig an.

"Wir haben wirklich nicht geklickt. Das war plötzlich weg."

"Das kann nicht sein. Ist doch auch nicht schlimm, wenn man mal aus Versehen irgendwo klickt.“

Wir!Haben!Nicht!Geklickt! Wir schwören!

Doch meine Mutter denkt zum Glück lösungsorientiert und hat sofort einen unkonventionellen Ansatz parat. "Ich klappe mal den Deckel auf- und zu."

"Das bringt nichts, Mama."
"Natürlich bringt das was! Wenn gar nichts mehr geht, machen Papa und ich das immer."

Höre, wie sie meinem Vater zuruft: "Du glaubst es nicht, Anne weiß das mit dem Deckel gar nicht!"


Gut. Blöd. 👍.

Meine Mutter liebt WhatsApp. Aber meistens schreibt sie so kurze Nachrichten, dass ich immer denke, sie sei beleidigt. Man selbst verfasst lange Texte und dann kommt als Antwort: Ja. Nein. Gut. Blöd. Okay. Oder: 👍. 

Inzwischen habe ich rausgefunden, dass diese Ein-Wort-Nachrichten zustande kommen, weil alles andere ihr zu lange dauert: 

Bis ich das alles getippt habe, ist Weihnachten.

Es gab ein kurzes Zeitfenster, in dem sie ausführlicher geantwortet hat. Ein Mitarbeiter von der Postbank hatte ihr einen Touch-Pen geschenkt 

Damit ist man ja ein ganz neuer Mensch

 Doch dann hat sie den Stift irgendwo verloren. Sinnkrise. Und wieder: Ja. Nein. Gut. Blöd. Okay. 👍.

Höhlenmalerei der Neuzeit

Es kann auch das komplette Gegenteil passieren. Dann öffne ich die WhatsApp-Nachricht – und sehe Emojis. Ausschließlich. Haha, wie lustig, denkt man sich im ersten Moment, Mama hat einfach mal ein Sammelsurium an Symbolen verschickt. 

Doch dann sieht man genauer hin und ein kalter Schauer läuft über den Rücken: Da steckt ja wirklich ein Sinn dahinter! Jedes Emoji baut auf das andere auf. Komplexe Sachverhalte und mehrschichtige Handlungsebenen werden ausschließlich mit Emojis dargestellt. Man fühlt sich wie ein Archäologe, der Höhlenmalereien entziffern muss.

Die Kunst der Bildunterschrift

Seitdem meine Mutter gelernt hat, dass man Fotos bei WhatsApp auch einen Text verpassen kann, wird keins mehr ohne verschickt. Meine Mutter hält sich da an die klassische Bildbeschreibung in der Kunstgeschichte. Gemäß dem Motto "Beschreiben Sie alle Bildelemente" kommen also folgende Untertitel bei mir an:

Papa.

Selfie.

Eis.

Wald.

Nur eine Bildunterschrift wich vom bewährten Muster ab. Meine Mutter schickte mir ein Foto von einem Schaf am Deich. Die trockene, fast schon lakonische Beschreibung: "Ein Freund".

(Bild: Pixabay)


Unterhalten sich zwei Raufasertapeten

Beim ersten Skype-Versuch mit meiner Mutter fand sie das Kamera-Symbol nicht.

"Da ist keine Kamera", behauptete sie.

"Doch, ganz unten."

"Nee."

"Doch, guck mal, ganz unten in der Leiste, da ist doch dieses kleine Kamera-Symbol."

"Ich glaub, mein Skype hat das nicht."

"Mama, was siehst du denn da unten?"

"Da ist nur eine Wärmflasche."

Das Aktivieren der Wärmflasche / Kamera löste die nächste schwere Sinnkrise aus.

"Hilfe, wie seh’ ich denn aus?", rief meine Mutter. "Oh Gott, so seh’ ich aus? Mach dieses Ding aus, schnell, schnell. Das verzerrt ja. So seh’ ich doch nicht aus. Weg, weg, schnell!“

Mein Einwand, dass wir dann ja auch telefonieren könnten, wurde nicht gelten gelassen. „Wieso? Ich will dich ja sehen!“

Zugegeben, ich mag Videoanrufe auch nicht so gerne. Wenn wir also skypen, dreht jeder seine Kamera so in die Ecke, dass nur die Wand zu sehen ist. Unterhalten sich zwei Raufasertapeten.

Buch "Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet"

Die Autorin hat sich von ihren Erlebnissen zu einem Roman inspirieren lassen. "Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet" ist aus Sicht der Ehefrau geschrieben. (Wenn du über diesen Link kaufst, bekommen wir unter Umständen eine Provision.)

In ihrem geheimen Tagebuch erzählt sie von einem Leben mit einem Rentner, der viel Zeit ­– und jetzt auch noch WLAN. 

Ist das nicht teuer?

Ich glaube, dass es inzwischen zu viele Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt, die Rentnern vor den Gefahren im Internet warnt. Meine Eltern trauen – Achtung, Wortspiel – keinem Pixel über den Weg.

"Kostet skypen was?"

"Nein."

"Wir skypen jetzt so lange schon. Kostet das was?"

"Nein."

"Großer Gott, du bist in Amerika. Jetzt kostet das aber was."

"Nein."

Die große Angst vor Updates

Als ich bei einem Besuch ankündigte, das Tablet, bei uns natürlich Tablett, zu aktualisieren, sprangen sofort alle Alarmglocken an. "Muss das sein?" "Klappt doch so gut." "Wir haben ein ganz ungutes Gefühl."

Nach einem beherzten "Gott steh uns bei" durfte ich schließlich doch auf "Jetzt installieren" klicken. Es funktionierte wider Erwarten wunderbar. Aber nicht aus Sicht meiner Eltern.

"Die Ecken der Symbole sind jetzt viel runder."

"Wir erkennen nichts mehr."

"Sieht ganz anders aus."

"Es war doch alles so schön."

Noch Tage später ist meine Mutter verzweifelt: "Ich komm auch mal zu euch und mach alles kaputt!“

Es wird noch dauern, bis ich das nächste Update installieren darf.

Eltern und Technik

Kommen dir diese Erlebnisse merkwürdig bekannt vor? Oder aber ist es umgekehrt und die Kinder sind immer unendlich arrogant, können aber doch nie helfen? Wir wollen eure Geschichten hören! Schickt sie an fuehlen@bento.de


Today

Schweden will Sicherheitsstandards für Sextoys, weil sie bei Benutzern stecken bleiben
Drei Fragen und Antworten zum schwedischen Sicherheitsvorschlag für Sextoys

Sexspielzeuge sollen eigentlich Vergnügen bereiten. Aber es kann auch einiges schief gehen. In Schweden gab es dazu jetzt Untersuchungen. Das Ergebnis: Sexspielzeuge bleiben häufiger mal stecken. Bald könnte eine Sicherheitsrichtlinie für Sexspielzeuge helfen, Sexunfälle zu verhindern. (The Local)

1 Wie kommen die Schweden auf die Richtlinie? 

Eine im Juli 2018 im "Journal of Colorectal Desease" veröffentlichte Studie hat ergeben, dass zwischen 2009 und 2017 insgesamt 85 schwedische Patienten behandelt werden mussten, weil Fremdkörper in ihrem Rectum und Anus stecken geblieben sind. 41 Prozent der Objekte waren Sextoys. Die Forscherinnen und Forscher schlagen deshalb vor, dass es helfen könnte, Sexspielzeuge mit einer Rückholschnur zu versehen oder einen Stopper zu integrieren. 

2 Wie wollen die Schweden den Gebrauch von Sexspielzeug sicherer machen?

Die Swedish Standards Industry (SIS) ist eine von drei schwedischen Normungsorganen. Anlässlich der Studie schlägt sie vor, Sicherheitsstandards im Sextoy-Bereich einzusetzen. Über die genauen Richtlinien sollen Hersteller und Konsumenten mitentscheiden können.