Auf die eine oder andere Weise sind wir alle behindert. Der eine ist zum Beispiel total vergesslich. Die andere hat keinen Orientierungssinn und verläuft sich darum andauernd. Wieder jemand anderes hat keine Kraft in den Oberarmen.

(Bild: Giphy )
Wir haben darum Sachen erfunden, die uns helfen, im Alltag mit diesen Dingen umzugehen: Terminkalender, Landkarten und Gabelstapler.

Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung sind nicht automatisch größer oder schwerer lösbar – sie sind nur individueller. Das heißt: Nicht jede Lösung gibt es fertig und passend im Supermarkt zu kaufen. Stattdessen werden solche Gadgets häufig speziell hergestellt – was nicht nur umständlich ist, sondern auch ziemlich teuer werden kann.

"Kann", aber nicht "muss". Denn manchmal reicht es auch schon, wenn zwei Menschen die Köpfe zusammenstecken, um die Sache ganz praktisch anzugehen. Dann können auch kleine, kreative Lösungen einen großen Unterschied im Leben von Menschen mit Behinderung machen.

Genau das ist auch Manuel Rottmanns Ansatz. Manuel hat Erziehungswissenschaften studiert und Baumpfleger gelernt, ist unterwegs als "Fachmann für Freiluftvorhaben" und macht so ziemlich alles von kletternder Baumpflege bis zur Organisation von Projekten mit sozialem Nutzen. Kurz: Keine Schublade ist ihm groß genug. Stattdessen versucht er sich lieber an immer neuen Aufgaben. "Ich liebe Herausforderungen", sagt er.

Zusammen mit der Aktion Mensch versucht er sich gerade als Erfinder. "Wir machen’s einfach" heißt das Projekt, bei dem Manuel zusammen mit Menschen mit Behinderung nützliche Gadgets entwickelt, um letzteren den Alltag zu erleichtern. Bei der ersten Session arbeitete er dafür mit Kai Hellmig im Team, der gerade seinen Bachelor in Rehabilitationspädagogik gemacht hat und aufgrund einer Muskelschwäche seit fünf Jahren im Rollstuhl sitzt.

Die beiden berieten sich: Was für ein Gadget könnte Kai wirklich gebrauchen? Erste Überraschung für Manuel: "Der Rollstuhl war so überhaupt nicht Kais Thema. Seine Schwierigkeiten sind bei ganz alltäglichen Dingen, wie die Spülmaschine aufkriegen, eine Käsepackung oder eine Bierflasche öffnen.“ Die Bahnstation und die Uni sind barrierefrei – der Gouda ist es nicht.

Merke: Die echten Herausforderungen liegen nicht immer da, wo man sie vermutet.

Also machte sich Manuel daran, ein Werkzeug zu erfinden, das Kais Hände unterstützt. Und stellte als allererstes fest: So etwas Ähnliches gibt es schon, nur in einem ganz anderen Zusammenhang. Wenn bei Gewichthebern die Handmuskulatur schon müde wird, aber sie weiter die Arme trainieren wollen, benutzen sie dafür eine Manschette mit einer gebogenen Metallplatte daran. "Sie hängen die Gewichte dann einfach ins Handgelenk ein."

Mit diesem Gerät – gemacht für Leute, die nur so vor Kraft strotzen – kann Kai jetzt Türklinken bedienen und Spülmaschinen öffnen. Er und Manuel mussten nur kreativ genug sein, um A und B zusammenzubringen.

Auch gelernt: Manchmal findet man die Lösung – fertig und gebrauchsbereit – an unerwarteten Orten.

Aber natürlich konnte Kai die Bodybuilder-Manschette nicht für alles benutzen. Darum bastelte Manuel einen Handschuh, der mit verschiedenen Aufsätzen versehen werden kann: Flaschenöffner, Teleskop-Arm mit Magnet und Saugnapf, Pinzetten-Griff und Cutter. Ein Schweizer Taschenmesser sozusagen, nur eben direkt am Handgelenk.

Und der Praxistest zeigte: Bier geht auf, Käsepackung geht auf, Kleingeld aufzuheben ist kein Problem – nur der Pinzettengriff ist noch nicht ganz alltagstauglich. Aber Manuel nimmt es gelassen: "Vier von fünf Tests bestanden – das ist doch ein gutes Ergebnis!"

Damit wäre bewiesen: Was Gadgets für Menschen mit Behinderung betrifft, geht es – statt kompliziert und teuer – manchmal auch ganz schnell und einfach. Dazu muss man nur ein wenig kreativ sein. Und man muss vor allem gemeinsam an Lösungen arbeiten. Manuel stellt sich dazu immer wieder diese Frage: "Könnte nicht der eine Freund etwas vom anderen Freund gebrauchen?" Die Antwort ist fast immer "Ja".

Das nächste "Wir machen’s einfach"-Projekt steht darum auch bald schon an. Welche Herausforderungen hier auf Manuel warten, weiß er noch nicht. Fest steht aber, dass er sich ihnen stellen wird: "Es lohnt sich einfach immer, wenn man sich Dinge zutraut. Denn selbst, wenn man scheitert, scheitert man immerhin zusammen."

Manuels Traumprojekt wäre es übrigens, ein barrierefreies Baumhaus zu bauen: "Die Atmosphäre in einem Baum mit Menschen mit Behinderung zu teilen, die sonst nicht so einfach in Bäume kämen – das ist ein schöne Vorstellung." Absolut! Da können wir nur hoffen, dass Manuel zu so einem Projekt bald die Gelegenheit bekommt.

Bis dahin gibt's hier erstmal das Video zur Handschuh-Aktion mit Kai:

Kundeninformationen

Klar – es gibt schon viele Hilfsmittel auf dem Markt, die Menschen mit Behinderung den Alltag erleichtern. Aber oft sind es die kleinen Dinge, an die noch niemand gedacht hat, für die aber eine Lösung her muss. Und da sollte das Motto sein: Wir machen‘s einfach!

Die Aktion Mensch setzt sich mit der Förderung von sozialen Projekten, mit Aktionen und Kampagnen für Inklusion – das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in der Gesellschaft – ein. Ihr Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung überall dabei sein können. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat die Aktion Mensch mehr als 3,9 Milliarden Euro an soziale Projekte weitergegeben. Das war nur möglich, weil rund 4 Millionen Menschen regelmäßig bei der Aktion Mensch-Lotterie mitspielen und dafür sorgen, dass das Wir gewinnt.

www.aktion-mensch.de


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"Grab US by the Pussy" – Das ist Böhmermanns US-Wahlkampf-Song

Die US-Wahl steht bevor – und die Welt schaut zu. Auch Jan Böhmermann. Im jüngsten Neo Magazin Royale hat er sich dem Wahlkampf gewidmet und war in "Gods own country" unterwegs.

Herausgekommen ist ein Song in bester Böhmi-Manier – mit viel Pomp und noch mehr feiner Ironie. Das Lied ist bereits auf Englisch, hoffentlich kommen aber auch die Untertöne in den USA an.